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sich selbst erkennen

Sind sich Fische ihrer selbst bewusst?

Dr. Harald Rösch Wissenschafts- und
Unternehmenskommunikation

Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der
Wissenschaften e.V.

Putzerfische scheinen sich selbst im Spiegel zu erkennen

bildrechte: dr. alex jordan




Schimpansen, Delfine, Krähen und Elstern erkennen ihr Spiegelbild als Abbild des eigenen Körpers. Bislang gilt dies als Anzeichen dafür, dass diese Arten ein Bewusstsein von sich selbst besitzen. Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell und der Universität Konstanz sowie der Osaka City University haben nun entdeckt, dass auch Putzerfische auf ihr Spiegelbild reagieren und versuchen, Flecken auf ihrem Körper zu entfernen, wenn sie diese im
Spiegel sehen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass diese Fische deutlich höhere geistige Fähigkeiten besitzen als bisher angenommen.

Gleichzeitig stoßen sie eine Diskussion darüber an, wie Wissenschaftler die Intelligenz von Lebewesen ermitteln können, die vom Menschen so verschieden sind.

Beim klassischen Spiegeltest markieren Forscher das Gesicht oder andere Stellen des Körpers eines Tieres mit Farbflecken. Um den Test zu bestehen, müssen die Tiere die markierte Stelle genau in
Augenschein nehmen oder gezielt berühren.

Um zu überprüfen, ob Fische sich selbst im Spiegel erkennen können, haben die Forscher die Reaktion von Putzerfischen (Labroidesdimidiatus) auf einen Spiegeltest untersucht. Putzerfische leben in den Ozeanen und ernähren sich von Parasiten auf der Haut anderer Fische.

Die Wissenschaftler markierten die Fische an einer Stelle des Körpers, die diese nur im Spiegel betrachten konnten. Der Test galt als bestanden, wenn die Fische die markierte Stelle an einer Oberfläche reiben und so versuchen, die Farbe zu entfernen.

Tatsächlich versuchten die Putzerfische, die Flecken auf ihrer Haut zu entfernen. Versahen die Forscher die Tiere mit Flecken, gaben ihnen jedoch keinen Spiegel, reagierten die Fische dagegen nicht darauf, ebenso wenig wie auf transparente Markierungen, die im Spiegel nicht sichtbar waren. Putzerfische versuchen zudem beim Anblick anderer markierter Artgenossen nicht, vermeintliche Flecken an ihrem eigenen Körper zu entfernen. Auf Flecken direkt auf dem Spiegel reagieren sie
ebenfalls nicht. „Durch all diese Beobachtungen können wir ausschließen, dass die Fische instinktiv auf an Parasiten erinnernde Markierungen in ihrer Umwelt reagieren. Nur der Anblick von Flecken
auf der eigenen Haut stellt folglich für einen Putzerfisch einen Reiz dar, auf den er reagiert. Damit erfüllt das Verhalten der Putzerfische alle Kriterien für einen bestandenen Spiegeltest“, erklärt Alex Jordan vom Max-Planck-Institut für Ornithologie und der Universität Konstanz.

Belegen die Ergebnisse nun, dass Putzerfische tatsächlich ein Bewusstsein für das eigene Selbst besitzen – eine Eigenschaft die man bisher nur einigen Säugetieren und Vögeln zuschreibt? Oder sind für das Bestehen eines Spiegeltests andere Fähigkeiten nötig als bisher
angenommen?

„Unsere Beobachtungen lassen nur wenig Zweifel, dass dieser Fisch mit seinem Verhalten alle Kriterien für einen bestandenen Spiegeltest erfüllt. Weniger klar ist dagegen, ob man daraus schließen kann, dass Fische sich ihrer selbst bewusst sind – auch wenn in der Vergangenheit vielen Tieren ein Selbst-Bewusstsein zugeschrieben worden ist, nachdem sie den Spiegeltest bestanden hatten“, sagt Jordan.

Das Argument, dass das Verhalten der Fische nicht eindeutig genug ist, um von einem bestandenen Spiegeltest zu sprechen, würde die generelle Glaubwürdigkeit des Spiegeltests in Frage stellen. Schließlich haben sich die Putzerfische während des Tests ähnlich verhalten wie andere Tiere bei gleichem Versuchsaufbau.

„Die nahe liegende Erklärung ist, dass die Fische zwar den Spiegeltest bestehen, sie sich aber nicht ihrer selbst bewusst sind. Vielmehr erkennen sie ihr Spiegelbild als Abbild des eigenen Körpers, verstehen jedoch nicht, was es bedeutet. Wir müssen also den Spiegeltest kritisch hinterfragen und
überlegen, ob er weiterhin als Standard für den Selbst-Bewusstseins-Nachweis bei Tieren eingesetzt werden sollte“, sagt Jordan.

Das ursprüngliche Design des Tests
zielte darauf ab,
das Ich-Bewusstsein zu testen.
Aber wenn ein Fisch ihn besteht
und alle Kriterien erfüllt
und das dann aber nicht als Beweis
für ein Ich-Bewusstsein akzeptiert wird,
dann muss man natürlich
den Test an sich in Frage stellen. 
Alex Jordan

elster vor spiegelbild

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Dr. Alex Jordan
Max-Planck-Institut für Ornithologie, Standort Radolfzell, Radolfzell
ajordan@orn.mpg.de

Originalpublikation:
Masanori Kohda, Hatta Takashi, Tmohiro Takeyama, Satoshi Awata,
Hirokazu Tanaka, Jun-ya Asai, Alex Jordan

Cleaner wrasse pass the mark test. What are the implications for
consciousness and self-awareness testing in animals?
PLOS Biology; 7 February, 2019 (DOI: 10.1101/397067)

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so ein embryo - und in seiner weiterentwicklung als menschlicher fötus - macht in seinem heranreifen ja ganz verschiedene stadien durch: und zwischendurch ähnelt er auch mal entfernt einer kaulquappe, die im fruchtwasser zappelt und sich ausrichtet - und auf eine ähnliche "atmung" mit den kiemen angewiesen ist.

überhaupt: auch der menschliche embryo ist ja zunächst einmal ein wassertier, seine entwicklung erinnert an unsere aquatische herkunft: die ersten neun monate verbringt der mensch in einer mit fruchtwasser gefüllten fruchtblase. die flüssigkeit ist lebensnotwendig, denn sie schützt den fötus vor dem austrocknen und ist eine art stoßdämpfer gegen äußerliche erschütterungen.

insofern besteht ja durchaus eine uralte zumindest gedankliche "verbindung" des sich spiegelnden menschen, mit diesem entwicklungsstadium, auf den nun mal der putzerfisch "stehengeblieben" ist, und von menschen nebst säugetieren mit ihren weiteren metamorphosen dann irgendwann "überholt" wurde - wenigstens bilden wir uns als mensch das so ein ... - ganz ohne spiegelbild. wir glauben ja immer noch, die "krönung der schöpfung" zu sein ...

und unser abstraktionsbewusstsein ist mit unserem wesen selbst derart verstrickt, dass da eine "neutrale" oder auch "allparteiliche" beurteilung und betrachtungsweise gar nicht möglich ist: der mensch wird sich als mensch immer als höherwertig reflexiv intelligenter empfinden: obwohl wir ja entwicklungstechnisch auch nur eine leider völlig verwachsene fisch-spezies sein könnten, die sich hier außerhalb des wassers mühsam über millionen von jahren hinweg allmählich einen lebensraum erschlossen hat: aber die hilf- und orientierungslosigkeit des neugeborenen menschen zeigt ja deutlich, dass er all diese entwicklungsstufen als einzelwesen immer wieder erst neu im zeitraffer durchlaufen muss. aufgrund der in den genen und im gehirn verankerten "archetypen", wie c.g.jung diese vorgeburtlichen "ur-erinnerungen" und "ur-grunderfahrungen" genannt hat, geht das dann alles relativ rasch und mühelos - und die jahrmillionen von menschlicher entwicklungsstadien werden für die normale entwicklung und dem lernen des menschenkindes zusammengerafft ...

die meisten tiere kommen in die welt, und erkennen minuten später ihre mutter, oder ihren "schwarm" und ihre rotte und "wissen" "instinktiv" wann und wie sie was (fr)essen können und müssen und dürfen - und wo sie salz lecken können, und wasser und milch trinken usw. usf.

narziss, ölgemälde von caravaggio,
1594–1596, galleria nazionale d’arte antica, roma
(wiki)
und auch sein spiegelbild hat der mensch ja auf der wasseroberfläche zunächst erst entdecken müssen, beim wasser schöpfen - bis ein jüngling namens narziss dann in den griechischen mythologien des ovid von den göttern dazu verdammt wurde, sich in sein eigenes spiegelbild in unstillbarer selbsthingabe zu verlieben: die übersteigerte selbstliebe des 'narzissten': ein lebendes prachtexemplar dieses "defekts" ist meines erachtens der derzeitige amerikanische präsident... 

ob uns also ein putzerfisch nun "objektiv" in seiner ureigensten entwicklung mit seiner "selbsterkenntnis" hoffnungslos unterlegen ist und sich etwas "dümmlich" und überrascht im spiegelbild betrachtet - oder ob er uns haushoch überlegen ist, von seiner überlebensstruktur auf diesem planeten und vielleicht sogar in einer form der kommunikation, die uns einfach nur unerschlossen oder gar verschlossen ist  - wer weiß... ??



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