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der "blob": kein science-fiction - keine verschwörungstheorie - nur einfach unwahrscheinlich

zum wochenende möchte ich dir den "blob" vorstellen, der zur zeit die wissenschafts-spalten der großen gazetten in der welt beherrscht: eine zwitter"kreatur" zwischen pilz und tier mit erstaunlichsten eigenschaften, die eigentlich allen grundfesten der biologie und zoologie widersprechen.

also - ein echtes "wunder der natur"... - und als gläubiger mensch bleibt mir nur der ausgelutschte satz: die schöpfung geht immer weiter - und wir sind mitten drin: und die gesamtnatur der erde ist ein all-mähliches ewiges kommen und gehen - und darin ein schrittweises verändern von dem einen zu etwas anderem.

das ist beim bunten herbstblatt als übergangsstadium der baumbelaubung genauso zu erkennen, wo bei seinem herunterfallen sich darunter bereits der kleine knospenansatz für das neue blatt im nächsten frühjahr befindet - und das erleben wir beim werden und vergehen menschlichen lebens in unserer nähe ja ähnlich.

3 bis 130 arten sterben jeden tag aus (je nach region und besiedelung) - aber es werden auch immer neue arten in den lebensräumen entdeckt, wobei nicht klar ist, ob die bisher im verborgenen schon längst gelebt haben, oder ob es tatsächlich neuhinzugekommene exemplare sind, neuschöpfungen der natur sozusagen und eben als entwicklungskette einer immerwährenden schöpfung überhaupt...

und desto genauer unsere elektronischen mikroskope arbeiten und wir forschungs-expeditionen in abgelegenere teile dieses blauen planeten finanzieren und unternehmen, und je tiefer wir in die ozeane abtauchen können, umso vielfältiger erscheint uns die schöpfung, die artenvielfalt bzw. biodiversität.

und doch bei aller gläubigkeit bin ich auch der meinung, dass es zwischen himmel & erde noch laufend neue "geheimnisse" gibt, die wir noch gar nicht wahrgenommen und entdeckt haben weil sich täglich neue bilden - und die vielleicht eines tages die problematiken unserer menschenspezies helfen zu "überleben", als art - nicht als individuum.

etwas anderes ist es da mit der annahme der existenz einer "seele", die die eigentlich unbelebte natur erst zum "leben" erweckt, zu wachstum und bewegung, zu liebe und trauer, zu gut und schlecht... - aber das alles sind philosphisch eingefärbte andere geschichten... 

wobei aber für mich wieder die biodiversitätsformen unseres im bauch und darm befindlichen "mikrobioms", eine aus hunderte millionen bestehende gut- aber verschiedenartige bakterienzellmasse, viele neue fragezeichen aufwirft in dieser biologisch-seelischen zwischenwelt, dessen bestandteile als artenstämme z.t. uralt sind und die wie von selbst einen jeden neuen "wirts"körper besiedeln von geburt an, und den großteil unseres uns in allen belangen beeinflussenden "bauchhirns" ausmachen, das über den vagusnerv das gehirn und den willen mitbeeinflusst...
  • zum "mikrobiom" sind bei "arte" in der videothek z.z. ein paar wochen lang zwei ausgezeichnete videos zu sehen... (click) & (click)
der olle helmut schmidt hatte von seiner frau loki, die ja biologielehrerin war, die meinung kolportiert: "... wenn ein mensch stirbt - ob er nun verbrannt wird oder ob er beerdigt wird oder seine asche auf see ausgestreut wird – in jeden fall: die atome oder moleküle, aus denen er zusammengesetzt war, die bleiben. und eines tages werden sie möglicherweise von einer pflanze, die da wächst, aufgenommen und gebraucht für den aufbau dieses neuen baumes. oder möglicherweise werden sie von einem tier mitgefressen, das irgendwelche samen frisst. es geht kein molekül verloren. das war ihre Meinung. und die hat mich immer überzeugt."

will sagen: in der summe bleibt alles wie immer und ewig, da kommt wohl nichts hinzu (außer mit sicherheit ein paar moleküle aus den tiefen des alls als partikelwinde aus sternenstaub oder von meteoriten) und geht nichts verloren: es setzt sich nur laufend neu zusammen - und manchmal eben auch zum "blob": also - komm und sieh:



Medien weltweit berichten derzeit über einen seltsamen Organismus, der ab Samstag im Zoo von Paris zu sehen sein wird. Die Einrichtung hat das mysteriöse Wesen mit dem Namen Blob am Mittwoch erstmals Journalisten präsentiert. Die Nachrichtenagentur Reuters griff das Thema auf und lieferte die Vorlage für die vielen Artikel.

Man kann sagen, dass dem Zoo damit ein PR-Coup gelungen ist. Denn der Blob ist alles andere als eine Sensation. Die Organismen sind seit vielen Jahren bekannt und durchaus häufig. Und doch berichtet jetzt auch der SPIEGEL. Der Grund: Die Wesen haben faszinierende Eigenschaften.

Der Blob heißt eigentlich Physarum polycephalum. Dabei handelt es sich um einen Schleimpilz, der weite Netzwerke aus gelblich bis braunen Fäden und Fruchtkörpern ausbildet. In einigen Punkten verhalten sich die Einzeller allerdings wie Tiere und sind auch deshalb ein beliebtes Forschungsobjekt.

Die Organismen haben weder Augen noch ein Gehirn, trotzdem können sie Nahrung erkennen und sich in einem Irrgarten orientieren. Wie sie das genau machen, können Forscher bislang nicht erklären. Haben die Lebewesen das Futter einmal ausfindig gemacht, verdauen sie es mithilfe eines Enzyms, das sie ausscheiden. Mund und Magen fehlen.

Ihren Namen haben die Organismen dem Science-Fiction-B-Movie "Blob - Schrecken ohne Namen" aus dem Jahr 1958 zu verdanken. Darin verschlingt ein außerirdisches Lebewesen alles, was ihm in den Weg kommt.

Der Blob kann Dinge lernen und das Wissen an Artgenossen weitergeben

Besonders macht die Einzeller auch, dass sie 720 Geschlechter haben. Allerdings lässt sich die Fortpflanzung nicht mit der von Tieren vergleichen.

Der Blob vermehrt sich über sogenannte Konjugation. Gene werden dabei direkt von einer Spender- auf eine Empfängerzelle übertragen. Die Organismen haben dafür 720 verschiedene Varianten entwickelt. Dadurch können sie sich mit einer sehr großen Anzahl unterschiedlicher Artgenossen fortpflanzen. Zur Verschmelzung der Zellen, wie bei Säugetieren, kommt es nicht.

"Der Blob gehört zu den großen Mysterien der Natur", sagt Bruno David, Direktor des Pariser Naturkundemuseums. Am meisten fasziniert Forscher, dass die Einzeller Dinge lernen und an Artgenossen weitergeben können. "Wenn man zwei Blobs zusammenbringt, wird der eine sein Wissen an den anderen weitergeben", erklärt David.

Wissenschaftler nutzen den gelben Glibber außerdem, um zu erforschen, wie Zellen ihre Gestalt ändern und sich von Ort zu Ort bewegen. Denn der Blob hat, wie für Einzeller üblich, keine Beine. Trotzdem kann er sich fortbewegen. Das gelingt ihm, indem er das Plasma in seiner Zelle rhythmisch vor und zurück bewegt. Die Details des Mechanismus untersuchen Forscher noch.

Zerteilt man eine Blob-Zelle, überlebt sie und ist nach zwei Minuten wieder voll funktionsfähig. Für Einzeller ist diese Art der Regeneration nicht ungewöhnlich. Trotzdem erhoffen sich Forscher vom Blob neue Erkenntnisse über das Zellwachstum.

jme / SPIEGEL (click)


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Handke: Wie reagiert die Welt, Reaktion auf Reaktion.





Idealisierung von Peter Handke

Perfide Mülltrennung

Nobelpreisträger Peter Handke hat eine Ex-Partnerin misshandelt und die Trauerfeier eines Diktators besucht. Kann man die Kunst nicht aber vom Künstler trennen? Na klar. Es ist jedoch ein Luxus, den man sich leisten können muss.

Auszug aus einer SPIEGEL-Kolumne von Margarete Stokowski

Darf man Peter Handke einfach nur für einen großen Literaten halten? Natürlich darf man, rein juristisch. Die Frage ist, ob es etwas gibt, was den Konsum der Kunst, ihre Rezeption, ihre Würdigung nachhaltig beeinflusst, wenn man bestimmte Dinge über die Menschen weiß, die sie geschaffen haben.

Margarete Stokowski
An der Entscheidung, dass Peter Handke den Literaturnobelpreis bekommen soll, ist einiges beachtlich. Die Verleihung im letzten Jahr fiel aus, weil die Schwedische Akademie mit diversen Skandalen beschäftigt war, unter anderem wurde dem Ehemann eines ihrer früheren Mitglieder Belästigung und Vergewaltigung vorgeworfen. Das Nobelkomitee wurde neu aufgestellt. Und nun wird mit Handke ein Autor geehrt, dem seine ehemalige Partnerin Marie Colbin 1999 in einem offenen Brief vorwarf, sie getreten und geschlagen zu haben - was Handke dem Biographen Malte Herwig gegenüber später auch zugab: "Ich habe ihr einen Tritt in den Arsch gegeben. Ich glaube, ich hab ihr auch eine heruntergehauen. Ich wollte einfach arbeiten, und das ging nicht. Trotzdem war das nicht gut. Ich hab mich auch selber nicht gemocht." Aber reicht das?

Handke ist ein Autor, der sich äußerst abfällig über Frauen und #MeToo äußerte, ein Autor, der zugegeben hat, einen Kritiker geschlagen zu haben. Ein Autor, der in einem Gespräch mit dem Journalisten André Müller sagte, er fühle sich "dem Hitler als Mensch" gelegentlich "sehr nahe", er fühle außerdem manchmal eine "tiefe, perverse Sympathie für die faschistische Gewalt, die aus der Verzweiflung kommt". Und ein Autor, der auf der Trauerfeier für einen Diktator eine Rede hielt.

Kunst und Künstler zu trennen ist Luxus

Wie sollten sie das können? Wenn ein Künstler Verbrechen begeht, gutheißt oder leugnet, wenn er Täter zu Opfern macht, dann ist Kunst und Künstler zu trennen ein Luxus, den man sich leisten können muss. Es ist eine perfide Form der Mülltrennung, die da stattfindet, wo solche Künstler verteidigt werden: Ja, sie haben schon mal dies oder das gesagt oder getan, sich "verlaufen", "verrannt", "verzettelt", aber man müsse abseits davon doch die Literatur als solche betrachten und sozusagen den Restmüll vom ästhetisch Brauchbaren trennen. Was aber, wenn man das nicht kann? Und zwar nicht, weil man keine Ahnung von Literatur hat, sondern gerade weil man bestimmte Ansprüche an sie hat?

Auch der Träger des diesjährigen Deutschen Buchpreises Saša Stanišic hat die Entscheidung kritisiert: "auch deswegen, weil ich das Glück hatte, dem zu entkommen, was Peter Handke in seinen Texten nicht beschreibt. Dass ich hier heute vor Ihnen stehen darf, habe ich einer Wirklichkeit zu verdanken, die sich dieser Mensch nicht angeeignet hat."

Dabei geht es nicht darum, ob man einzelne Fehler oder Ausrutscher verzeiht oder ausblendet - die natürlich auch Künstlern passieren können -, sondern darum, ob man gewillt ist, aus einem Menschen, der gewalttätig ist oder Opfer von Gewalt verhöhnt, diese Seiten gewissermaßen herauszurechnen, um ihm weiterhin in Ruhe huldigen zu können.

Als gäbe es tatsächlich saubere Grenzen, die man ziehen könnte zwischen Menschen, die Kunst erschaffen, den Bedingungen, unter denen sie es tun, und den Werken, die sie zustande bringen. Was sollten das für Grenzen sein, und wer könnte sie ziehen?

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Handkes unwirsche Antworten

Literaturnobelpreisträger Peter Handke hat in seiner Heimatgemeinde Griffen auf Fragen zur Kritik des Buchpreis-Trägers Saša Stanišic reagiert. Der gebürtige Bosnier Stanišic hatte den 76-Jährigen Handke wegen dessen proserbischer Haltung scharf kritisiert.

Darauf angesprochen reagierte Handke unwirsch.

„Ich steh vor meinem Gartentor und da sind 50 Journalisten – und alle fragen nur wie Sie, und von keinem Menschen, der zu mir kommt, höre ich, dass er sagt, dass er irgendetwas von mir gelesen hat, dass er weiß, was ich geschrieben hab, es sind nur die Fragen: Wie reagiert die Welt, Reaktion auf Reaktion. Ich bin ein Schriftsteller, komme von Tolstoi, ich komme von Homer, ich komme von Cervantes, lasst mich in Frieden und stellt mir nicht solche Fragen“, sagte Handke.

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wie reflektiert sind autoren und künstler - und sind auch kolumnistinnen - wenn sie sich denn in ihren geistesblitzen, in ihre idee aus dem nu, in ihr werk und ihre meinung und in ihr lebens- oder durchgangs-thema regelrecht verrannt haben im augenblick und darin eingetaucht herumpulen und kreisen. wenn sie dabei sind, sich selbst zu beobachten, sich auszuprobieren, in dem ganzen inneren persönlichkeitssprektrum zwischen bodenlosem schwarzen hass und vernichtung ganz unten und dann die leiter hoch - sprosse für sprosse - bis hin zu unendlicher liebe und anbetung in greller helligkeit -und wenn sie versuchen, diese erlebens- und empfindungsstadien stufe für stufe, sprosse für sprosse, "zur sprache zu bringen", manchmal auch in worten & in werken. wenn ihnen in dieser auslotung und umsetzung dann just im moment etwas über die hutschnur geht und in die quere kommt - muss oder kann er/sie da in allen fällen contenance bewahren?

hat auch oder gerade ein autor das "recht", sich in eine sache zu verrennen - auch wenn die öffentlichkeit und sogar teile der lesergemeinde rundum und vielleicht sogar der verleger und die literaturagentur und der lektor sowie der sogenannte "gesunde menschenverstand" längst einem anderen "mainstream" folgt, der ihm oft aus werbebudgets heraus finanziert von medien oder von "google" oder "youtube"-influenzern und von "instagram" & co. sehr geschickt aufgepfropft wird.

auch #me-too, werte frau stokowski, ist inhaltlich und ganz unreflektiert erst einmal einfach nur ein mainstream  - eine mode - ein sog als einladung zum mitgleiten... - in jahrtausendealte geschichte projiziert lediglich ein durchgansstadium, in dem sie sich derzeit tummeln und wovon sie ihre miete und ihren grünen tee oder ihren espresso bestreiten - denn diese geschichte kannte und kennt matriarchat und patriarchat gleichermaßen in jeweils oft verheerenden auswirkungen und verirrungen und unterdrückungen des jeweils anderen geschlechts - in nuancenhaften pendelbewegungen zu der einen und zu der anderen seite. und der nachvollzug dieser pendelbewegungen in der bewegung hin & her ist das gesunde und normale, das es jeweils auszuhalten oder zu genießen gilt - je nachdem... sich an ein stadium dieser pendelbewegung anzudocken und gar festzubeißen - das ist die gleichzeitige reduzierung des eigenen horizonts, der viel breiter und bunter bzw. grauer ist, als man/frau das dann noch überblicken kann.

...und gehört eben auch "zu Handkes zeichnerischen Notizen...


öffentlichkeit und mainstream werden ja gemacht und beeinflusst und manipuliert - und ein echter autor hat das für sich längst in seinem tiefsten innern erkannt - und er muss sich entscheiden, bleibst du dir und deinem lebenslangen werden und wachsen mit den verschiedensten auszulotenden stufen in der beobachtung und reflexion und in der einhergehenden notation treu - oder heulst du mit der meute der mehrheit, um auflage zu machen - immer noch mehr desselben.

in der sogenannten "demokratie" ist das alles schwer - aber die mehrheitsfähigkeit hat ja nicht immer auch moralisch recht. die mehrheit kann verblendet sein - und bei diesem ganzen "brexit"-gedöns lernen wir ja, wie eine mehrheitsentscheidung aus dem bauchgefühl des augenblicks heraus sich in der praktibilität eigentlich als unlösbar und vielleicht auch als "falsch" herausstellt.

von daher zu wissen, was moralisch an handke tolerierbar ist - und ob seine lebensstadien dann jeweils auch seine literatur im moment oder davor und danach diskreditieren, das kann und muss ein(e) jede(r) für sich im stillen oder lauten inneren kämmerlein beantworten.

die wohl einmalige tätlichkeit gegenüber seiner partnerin marie colbin ist wohl inzwischen über 20 jahre her - und ist nie vor gericht verhandelt worden und war damit wohl eher eine innerpartnerschaftliche angelegenheit, als sie jetzt noch aus dem ärmel zu ziehen... - aber natürlich ist handke in seinem bisherigen leben auch nie "brav" und "angepasst" gewesen. handke eckt an - wie manche autor*innen und kolumnist*innen.

ich trau mir dazu keine "abschließende" beurteilung zu - und sie steht mir auch gar nicht zu: der handke formuliert sich und seine gefühle - und ich lese die - und ergötze mich an der sprachkunst - oder ich lasse sie in abscheu zu seiner person einfach im buchladen liegen - auch die verkaufsauflage ist eine demokratische "ab-stimmung"... - und der eine sagt so - und der andere sagt so...

aber mit solchen ins nichts führende reflexion wie von margarete stokowski: "darf man das" füllt man zwar zeilen - ohne jeden tiefgang: darf man bei so viel asthmakranken noch diesel fahren? - oder sind dieselfahrer potenzielle mörder... - 

in solchen passagen stokowski's winkt bei mir immer alice schwarzer mit der latte über den gartenzaun in ihren besten kachelmann-hoch-zeiten, kurz bevor sie damals probleme mit ihrer steuerabrechnung bekam...
und ich wiederhole mich, wenn ich auch hier schreibe: jesus sagte vor 2000 jahren den männern, die eine ehebrecherin steinigen wollten: "wer von euch ohne sünde (ohne irgendeinen "bruch" in seinem leben) ist, der werfe den ersten stein auf sie. und da ließen diese moralischen "rächer" ihre pflastersteine fallen und trollten sich... - einer nach dem anderen...  
und das all zusammenfassende resultat dazu in den meisten fällen bei solchen "aufklärerischen" und bloßstellenden unternehmungen zum werk eines künstlers und/oder rebellen lautet damals wie heute - wie schon vor 2000 jahren bei pontius pilatus nach dem "verhör" des vor ihm stehenden geschundenen jesus von nazareth: "ecce homo" - siehe, ein mensch... (und kein getrennter müll)


die schmutzige kehrseite der medaillen und nobelpreise

jugendlicher "fährt in die kobalt-grube ein" ... getty images /spiegel+



Kobalt
Die schmutzige Seite der sauberen Mobilität

Der Treibstoff der Elektro-Revolution sind Rohstoffe: Neben Lithium ist Kobalt entscheidend für den Siegeszug der E-Mobilität. Der wird aber aktuell vor allem in Krisenregionen gefördert - und könnte bald knapp werden. 

Auszug eines SPIEGEL plus-Artikels von Christoph Seidler (click)

Wer Akkus bauen will, braucht neben Lithium auch Nickel, Mangan, Graphit und Kobalt, zumindest beim heutigen Stand der Batterietechnologie. Vor allem bei Kobalt hat es bereits Versorgungsprobleme gegeben: "Eine unzureichende Bergwerksförderung hat in der Vergangenheit mehrfach zu einer Angebotsverknappung auf dem Weltmarkt und damit verbundenen kurzfristigen Preisspitzen geführt", sagt Siyamend Al Barazi von der Deutschen Rohstoffagentur (Dera). Zuletzt war das im März 2018 der Fall, seitdem hat sich der Preis allerdings wieder beruhigt.

Ähnlich also wie bei Lithium geben nicht unbedingt die Vorkommen Anlass zur Sorge. Vielmehr ist die Förderung oft mit Problemen behaftet. In der DR Kongo, von Krisen geschüttelt und alles andere als ein stabiles Land, arbeiten nach Angaben von Amnesty International auch Kinder, zum Teil ab einem Alter von sieben Jahren in den Kobaltminen. Überall kommen sie in Kleinbergwerken zum Einsatz. Arbeitsschutz? Umweltstandards? Darum kümmert sich dort niemand.

Skeptiker der Mobilitätswende führen genau das als Argument gegen Elektroautos ins Felde: Hinter dem schönen Bild des lokal emissionsfreien Fahrens, der vermeintlich weißen Öko-Weste, verbirgt sich ein hässliches Geschäft, bei dem Mensch und Natur gleichermaßen ausgebeutet und geschunden werden.

Batterieforscher arbeiten deswegen daran, den Kobaltgehalt der Akkus zu reduzieren und stattdessen eher auf Alternativen wie Nickel zu setzen. Panasonic hat das zum Beispiel getan, als Hersteller der Akkumulatoren für Tesla. Mit mehr Nickel kann man höhere Reichweiten erzielen - aber dummerweise steigt auch das Brandrisiko. Das hat Tesla leidvoll zu spüren bekommen. Selbst bei sinkenden Kobaltgehalten in den Batterien wird man also auch in Zukunft nicht ganz um das Element herumkommen.

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vor einigen jahrzehnten meinte man bereits, das erdöl ginge bald zur neige - und verbrennungsmotoren müssten rasch durch antriebsarten aus "erneuerbarer energie" abgelöst werden - da schürte man regelrecht panik - und das nicht nur von den "grünen" - da gab es 1973 "autofreie" sonntage und man durfte nur mit ausnahmegenehmigungen fahren...

und in den thekengesprächen damals war eigentlich klar, dass dazu jede autofirma einen plan b bereits in der schublade habe.

und nun nachdem einige jahrzehnte seitdem ins land gezogen sind, scheint es zwar immer noch genügend mengen an erdölvorkommen zu geben, doch jetzt sind die verbrennungsemissionen der springende punkt: der co²-ausstoß auf der welt muss dringend eingedämmt werden, ansonsten betreiben wir hier mit unserem "blauen planten" eine form von harakiri.

als lösung wurden dann hybrid- und elektroantriebe für autos favorisiert - doch nun stellt sich heraus, dass auch bei den dafür benötigten akkus alles andere als erneuerbare enrgien verbaut werden - und die gewinnung der erden und rohstoffe für diese wohl erst allmählich an reichweite gewinnenden akkus noch sehr problemanhaftend stattfindet - und wenn kobalt und lithium und die edel-erden abgebaut sind, ist guter rat sowieso teuer: wie receycelt man massenhaft solche akkus?

auch die vielgepriesenen e-roller in den metropolen als alternative für eine rasche individuelle innerstädtische entfernungsüberwindung liegen inzwischen nach gebrauch auf den gehwegen herum - und eine ausgelutschte batterie darin ist eben kaum recyclefähig: da werden also rohstoffe im grunde für ein paar rasche "quickies" vergeudet.

ich bin von der forschung und den ingenieursleistungen weltweit dazu sehr enttäuscht. und es ist fast ein hohn, den schöpfern dieser nicht recyclefähigen batterien den nobelpreis zu geben. 

eben in all diesen zurückliegenden jahrzehnten, wo man aber das problem längst erkannt hatte, hätte geforscht und entwickelt und gebaut werden können - umweltfreundlich und ökologisch und eben bitteschön mit tatsächlich erneuerbarer energie - doch das schnelle geld und das rasche teilpatent waren eben wichtiger: was juckt uns denn die welt von morgen oder gar übermorgen - man hat sich stattdessen hinter dem alltäglichen klein-klein versteckt und zur ablenkung leute wie trump und johnson und orban und erdogan an die macht verholfen als nützliche marionetten der großfinanz - und in syrien einen immerwährenden kriegsschauplatz installiert - und im mittelmeer einen genozid vor aller augen tagtäglich inszeniert mit vereinten kräften - ein jeglicher nach seiner art... - und die großen lenker dieser welt zucken dazu mit den schultern: tja - da kann man nichts machen ... - hätte-hätte-fahrradkette.

aber über diese göre greta thunberg wird die nase gerümpft bei all den "fachleuten", ökonomen und "experten" in der politik. man hat zwar keine seriösen lösungen parat gegen ihre befürchtungen und knallharten argumente und forderungen - so kramt man lieber in der krankengeschichte der jungen frau herum und betrachtet ihr umfeld kritisch... 

und frau merkel fragt die 16-jährige schülerin doch allen ernstes „in welcher weise technologie, innovation gerade im energiebereich, aber auch im energieeinsparbereich uns möglichkeiten eröffnen, die ziele zu erreichen“ - dieses sei ihr an den emotionalen forderungen von greta "nicht deutlich geworden"... - und das ist ja vielleicht eine retorisch geschickte verdrehung der aufgaben- und rollenzuschreibungen in diesem konflikten - aber auch eine bankrotterklärung der physikerin, die auch noch bundeskanzlerin ist... - frau merkel hat sich nämlich  mit ihrem gefolge genau darum zu kümmern - greta thunberg kann und muss da der kanzlerin nichts "deutlich machen" und auch keine lösungen vorschlagen...


mit der von merkel und anderen mantraähnlich auch hier implizit abermals propagierten "marktgerechten demokratur", nämlich forschung muss einhergehen mit wirtschaftlichem wachstum um jeden preis, dazu ist eigentlich keine zeit mehr, diese "innovativen überlegungen" hat die ära merkel mit ihren wirtschaftsweisen im schlepptau schlichtweg verpennt.

ein paar externe extra-beratungen bei mc|kinsey-trainern, wahrscheinlich für ein paar millionen euros aus der portokasse, könnten da erst einmal wieder etwas luft verschaffen und auf die sprünge helfen. 

na denn - chuat choan - und nix für ungut 

auf zum großen schattenboxen...

nach einer abb. von weka.ch





zum ende des jahres geht es jetzt darum, sich für die neu aufzustellenden budgets allerorten in stellung zu bringen - und da hilft nicht mehr kleckern sondern da muss geklotzt werden - koste es was es wolle.

und was wir von fluglotsen und flugbegleitpersonal oder lokführern als damals noch unabdingbare "lebenswichtige branchen" in den letzten jahren bei deren tarifverhandlungen zu genüge mit streiks zur oder knapp nach den urlaub-saisons mit urabstimmungen und pistole-auf-die-brust-forderungen etc. erlebt haben, verteilt sich nun - bei sinkender flug- und bahn-obsession - auf andere noch viel lebenswichtigere branchen und alternativlosen dienstleistungsberufen:

  • da schlagen die hebammen alarm für eine bessere bezahlung, die dann zu mehr erforderlicher betreuung werdender und junger mütter mit ihren kindern führen würden - und das sei unabdingbar - besonders im ländlichen bereich;
  • da mosern die kinderärzte, nicht genug im einzelfall "liquidieren" zu können, da ihre einfühlungstätigkeiten in die jungen patienten sehr zeitintensiv seien, was gar nicht erstattet und beachtet würde von den kassen;
  • und wenn schon die kinderärzte und hebammen - dann natürlich auch die altenpflege: zu wenig bezahlung, deshalb keine fachkräfte - und jens spahn fliegt (!) bis mexico, also fast bis an's ende der welt, um pflegefachkräfte anzuwerben - weil die von dort "unten" auch noch mit den hierzulande als niedrig empfundenen löhnen scheinbar noch geraume zeit bestens bedient sind - glaubt man - und sie bekommen das von den vermittlungsagenturen dann auch so eingetrichtert - und hier im altenheim muss nun die 96-jährige demente oma ihre spanisch-kenntnisse auffrischen, um sich mit der neuen "schwester" auch unterhalten zu können - denn schon mit russisch und polnisch hatte sie im sprachlichen so ihre probleme - also viel vergnügen auch;
  • und da sind die bauern, die immer - egal wie das jahr wettermäßig endet - jammern über ihre ertragslage, die bei ihnen seit jahrzehnten zwanghaft immer besser und effizienter pro hektar anbaufläche werden muss - chemie hin, glyphosat her - insektensterben hin, insektensterben her...;
  • als nächstes klagen dann die feuerwehren wegen nachwuchsmangel ihr leid;
  • und dann natürlich die forst- und holzwirtschaft nicht zuletzt mit den ausgetrockneten böden und all dem borkenkäfergedöns - wo es billiger ist, das durch wind und dürre gebrochene holz im wald verrotten zu lassen, als es wegen der borkenkäfer-prophylaxe wenigstens zu bergen und auf den markt zu werfen - das macht dann ja auch die preise kaputt... - es ist ein kreuz all die jahre: und dann noch diese schrecklichen naturschützer und grünen ökologen und dieser unsägliche peter wohlleben, der die flöhe husten hört, und der wie die meisten keine ahnung von wirtschaftlichkeit und kapital-wachstum hat...
bei aller vielleicht berechtigten kritik an die bisherige budget-verteilung in diesem unserem lande muss aber auch deutlich konstatiert werden, dass die einschlägigen institutionen vor ort zu ihrer gewinnmaximierung die ausbildungen von kompetentem fachpersonal größtenteils einfach eingestellt haben - und diese modelle beispielsweise aus meinen ausbildungszeiten, auch in berufsbegleitenden ausbildungsgängen zu qualifizierten abschlüssen zu gelangen, sind gnadenlos eingestampft worden. stattdessen hat man berufe "theoretisch" unnütz aufgebläht und die praxis vernachlässigt, denn die praxisbegleitung und -anleitung ist kosten- und personalintensiv.

so z.b. wurde die hebammen-ausbildung ja "aufgewertet" damit, dass man sie nun unnötig verakademisiert mit voll-studienzeiten und die praktische ausbildung "vor ort" zurückfährt - auch um die bisherigen akademischen spitzenberufe wie z,b. den arzt zu entlasten und ihm so sein uneingeschränktes freies wochenende einräumt; die sogenannten sonntagskinder werden immer mehr chemisch auf andere tage zu ihrer geburt "umgeleitet"..., das ist billiger - da müssen keine aufschläge gezahlt werden - und der arzt hat seine ruhe - und die hebamme wird mit eigenständiger verantwortung überlastet...

alles in allem melden nun also pünktlich die tatsächlich alternativlosen professionen mit viel unausweichlichem "dschingderassabumm" ihre längst überfälligen forderungen an den haushalts-kuchen an und wollen ihr großes stück abhaben - ob im bund, im land oder in den kommunen - mit all den ultimativen geklauten winkelzug-taktiken aus den fluglotsenstreiks und sonstigen scharmützeln innerhalb der niedergehenden fliegerbranche - und immer zu lasten der hilfesuchenden und auf hilfen angewiesenen.



damit in berlin zur verteilung "nach unten" endlich die "schwarze null" mit rot übertüncht wird - aber da sei der genosse olaf scholz vor und die "marktkonforme demokratie" der scheidenden "lame-duck"-kanzlerin angela merkel, die es sich auf ihre alten tage noch weiterhin in ihrer bewährten klientelpolitik gutgehen lassen will... - es sei denn, der scholz wird spd-vorsitzender und muss ab dann mal wieder mit den gewerkschaften - oder so ...

haschischpudel

Illustration: glenn harvey - new york times

in einem bericht über die computerphotographie des smartphones "google pixel 4" hat die "new york times" diese animierte "gif"-illustration des künstlers und illustrators glenn harvey eingestellt.

mir hat dieses sf-"kleinod" so gut gefallen, dass ich es hier gleich wiedergeben muss.

ich habe mir beim betrachten überlegt, "was uns der künstler vielleicht damit sagen will" - und ich bin auf folgende kurz-skizze gekommen:

da stehen 2 künstliche intelligenzen (ki's) - beachte die krückenähnlichen beine bzw. achillessehnen der beiden - aus der galaxis in einem raumschiff aus einer uns fremden hemisphäre und photographieren einen weißen pudel hier auf der erde, um ihn auch gleichzeitig zu röntgen oder anderweitig zu durchleuchten und umfassend wissenschaftlich zu dokumentieren und regelrecht auszuweiden - denn links und rechts am bullauge mit kamera-zentralverschluss befinden sich so etwas wie gps-gesteuerte hochsensibele tiefenfühler, die per röntgenbild das innere des pudels festhalten - und gleichzeitig werden daten seiner physiognomie, chemie und seiner psyche gesammelt und in echtzeit ausgewertet ... 
es geht dabei darum, ob es sich lohnt und auf dem fremden planeten von nutzen sein könnte, den weißen pudel mit kältetechnik lebend für den mehrjährigen rückflug auf den heimatlichen exo-planeten zu konservieren, um ihn dann bei brauchbarkeit gegebenenfalls zu klonen in verschiedenen exemplaren - und so eine neue vielleicht nützliche spezies anzusiedeln - vielleicht auch als ganz schnöder aber brauchbarer drogenhund - als haschischpudel sozusagen - denn die probleme auf den bewohnten planten im tiefen all unterscheiden sich nur in nuancen...

es war einmal

windenergiepark brandenburg - foto: picture alliance/dpa/SPIEGEL (ausschnitt)

buchmesse frankfurt - ein bild sagt mehr als 1000 worte

click                                                                       Foto: EPD/NW

mit büchern oder texten - egal ob in der gebundenen papierform, oder digital auf dem tolino oder dem kindle, oder als hörbuch - lässt es sich immer noch ausgezeichnet "wegbeamen" aus diesen nicht immer mehr rosigen zeiten für unsereins.

man kann trump und den brexit und erdogan und assad und die militärischen ehrenbezeugungen der türkischen nationalelf und die "heil-hitler"-arme und affenlaute der bulgarischen "fußball"fans einfach mal ausblenden, wenn - ja wenn nicht die autoren einfach miteinstimmen in dieses mediale kurzlebige "weiße rauschen" der stimmen und des buchstabengewirrs unserer zeit - aber auch die lassen sich dann aus der hand legen oder abschalten...

da gibt es immer noch höhlen und nischen zu entdecken, wo sich der vorhang vorziehen lässt von innen, die latüchte angemacht wird - und los geht's.

gute jagd und ein genüssliches lesevergnügen

hinsehen! - was wir von bombenentschärfungen lernen können für's leben



Ausschnitte aus einem "bento"-Artikel von Susan Barth
(Original: click here)



Als wir in den Bunker kommen, scheint mir Kunstlicht ins Gesicht. Es regnet schon den ganzen Tag
hier in Berlin. Drinnen ist die Luft kühl und trocken, zwei Mitarbeiterinnen unterhalten sich leise hinter der Kasse. Eine Freundin und ich besuchen heute eine Dauerausstellung im Story-Bunker Berlin. Alles, was wir heute sehen werden, steht unter einer einzigen Frage: Wie konnte das geschehen? "Das" ist Hitler. Der Nationalsozialismus. Der zweite Weltkrieg. Der Holocaust. Zerstörte Städte. Zerstörte Familien. 55 Millionen Tote.

Wir zahlen 13,50 Euro für ein Kombiticket inklusive Audioguide und schließen unsere feuchten Rucksäcke in einem Schließfach ein.

Ich weiß, dass ich in dieser Ausstellung keinen Spaß haben werde.

Stattdessen wird sie mich aufwühlen. Ich werde gleich immer stummer werden. Ich werde fassungslos sein. Ich werde auf einer der Bänke sitzen und nicht bemerken, dass ich weine.

Warum besuche ich die Ausstellung trotzdem?

Weil ich das Gefühl habe, dass ich es muss. Weil ich glaube, dass Museen, Dokumentationszentren und Ausstellungen nicht nur für Schulklassen gemacht sind. Und dass jeder von uns sie regelmäßig besuchen sollte.

Weil man sich regelmäßig daran erinnern sollte, was vor achtzig Jahren passiert ist. Überall in Deutschland, in Europa, auf der Welt. Auch nach der Schule. Auch, wenn es niemand mehr für einen organisiert.

Nach der Schule war da niemand mehr, der darauf Wert legte, dass ich Dokumentationszentren oder Lesungen Holocaust-Überlebender besuchte. Niemand zwingt mich heute dazu, mich weiter mit diesem Kapitel deutscher Geschichte zu beschäftigen.

Dennoch versuche ich, mir das Grauen regelmäßig vor Augen zu rufen. 

Ich sehe den Film "Das Leben ist schön" oder lese Paul Celans "Todesfuge". Ich besuche Ausstellungen wie die im Story-Bunker, Mahnmale, Denkmäler und jüdische Friedhöfe in deutschen Städten. Alles, was in mir ein Gefühl zu all dem auslöst, was geschehen ist.

Ich mache das nicht, weil ich es spannend finde oder meine eigenen Grenzen austesten will. Sondern weil ich glaube, dass uns nichts anderes dieses Kapitel der Geschichte irgendwie näherbringen kann. Dass nur, wer fühlt, auch verstehen kann, dass so etwas nie wieder passieren darf. Dass das viel mehr bildet und berührt als alle Fakten.

Ich kann hunderte Male hören, dass sechs Millionen Jüdinnen und Juden in Deutschland ermordet wurden. Diese Zahl sagt mir wenig, sie ist zu abstrakt.

Aber in der Ausstellung sehe ich, was mit den Menschen passiert ist, die diese Zahl sind.

Das kann kein Geschichtsbuch. Gefühle lassen sich nicht erzwingen, aber man kann bereit dazu sein, sie zuzulassen. 

Manchmal frage ich mich, ob es moralisch in Ordnung ist, diese Menschen, ihre Bilder und ihre Schicksale zu betrachten, um zu versuchen, das, was passiert ist zu verstehen. Aber so funktioniert die menschliche Psyche. Das, was wir fühlen und erleben, hinterlässt einen intensiveren Eindruck als das, was wir uns einfach nur rational erfahren.

"Haben wir nicht langsam mal genug darüber gesprochen?", höre ich manchmal Menschen genervt sagen, wenn es um den Holocaust geht. Nein, das haben wir nicht. Seht es euch noch einmal an. Alles. Und dann muss es doch offensichtlich sein, dass wir über Unaussprechliches niemals aufhören können zu sprechen. 

Was vergangenen Mittwoch in Halle passiert ist, zeigt das auf eine furchtbare Weise ganz deutlich.

Wie können Ermittlungsbehörden nach so einem antisemitischen, antimuslimischen, einem rassistischen Gewaltakt noch von Einzeltätern sprechen, wenn Rechtsextremismus überall in Deutschland und im Internet immer präsenter wird? Wie kann man so tun, als würde es den ganzen Rest nichts angehen?

Was in Halle passiert ist, ist schwer in Worte zu fassen. Ich bin traurig. Ich bin sprachlos. Ich bin wütend.

Es geht uns alle an. Deswegen wünsche ich mir, dass wir uns immer wieder dem Grauen stellen. 
Der Bildungsauftrag an uns selbst darf nach der Schule nicht vorbei sein. 
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ich bin susan barth für ihren bento-aufruf außerordentlich dankbar - gerade auch, weil in ihm eine echte betroffenheit und ein angerührtsein erkennbar mitschwingt - und so vielleicht unseren zunächst ohnmächtigen gefühlen bei solchen ereignissen wie dort in halle aktive möglichkeiten eröffnet werden, damit im hier & jetzt auch angemessen umzugehen.

wir müssen nicht den ganzen tag in sack & asche gehen und vor selbstvorwürfen und dauertrauer eine depressive krise heraufbeschwören. wir sollten die vergangenheit dennoch an uns persönlich heranlassen und sie integrieren in unser heutiges sosein - und wir müssen mit anderen das "unsagbare" miteinander besprechen lernen. 

das geht eben nicht nur mit gesten des bedauerns an den großen gedenktagen und feierstunden - so wichtig auch die für die seelenhygiene unserer gesellschaft regelmäßig sind. aber das darf nicht zum "pflicht"ritual veröden: wir müssen unsere eigene persönliche gedenk- und erinnerungskultur ausbilden, ein(e) jede(r) nach ihrer/seiner facon - und in den familien und im lebensumfeld sind die spuren und hinterlassenschaften von damals auch tatsächlich aufzuspüren. und erst mit dem "erspüren" wird das geschehen "fassbar" und "begreifbar" für unsere ganz individuelle wahrnehmung und ein"fühl"samkeit.

allerorten liest und hört und sieht man ja zur zeit von den späten bergungen und "entschärfungen" der bomben-blindgänger, 80 jahre nach kriegsende, die tief verschüttet mancherorts im erdreich geschlummert haben - und zu deren entschärfung oft ganze stadtteile mit tausenden von menschen in sammelunterkünften oft für stunden ausharren müssen.



die bombenentschärfung als passende metapher für die persönliche aufarbeitung der nazi-zeit bis in die 3. und 4. generation danach


ein solches aufspüren, bergen und entschärfen ist geradezu symbolhafte gestaltwerdung und metapher dessen, was eine angemessene aufarbeitung mit dieser zeit ganz individuell meint: denn da sind in dieser gesellschaft, in den orten und familien überall noch "blindgänger" von früher zu entdecken und zu bergen - oder man sagt ja auch: "da liegen noch leichen im keller" - und die gilt es, in der aufrichtigen auseinandersetzung damit endlich schritt für schritt zu "entschärfen". 

sich das damalige grauen immer wieder vor augen zu führen ist dazu eben auch eine der adäquaten möglichkeiten, diese phase unserer (familien)geschichte nicht einfach abzuspalten und/oder zu verschweigen und beiseite zu wischen - oder wie der afd-vorsitzende gauland, diese zeit einfach als "vogelschiss" der geschichte zu bezeichnen und damit ins lächerliche zu ziehen.

mit solchen inneren gesellschaftlichen verflüchtigungen und verleugnungen macht man sich auch an den millionenfachen opfern insgesamt von holocaust und ns-euthanasie mitschuldig - und diese unentschärften "blindgänger" mit den angerosteten "zündmechanismen" können im laufe der zeit in jedem konflikt mit uns "hochgehen" - davor müssen wir uns schützen.

derartige verdrängungen zeitigen dann ereignisse wie jetzt in halle und anderswo, wo verirrte und maßlos verrohte menschen versuchen, mit vorsätzlichen und durchgeplanten mörderischen nachahmungs-taten aus verqueren motivationen heraus in diesen wahnsinn von vor 80 jahren einzutauchen, um ihn mit den heutigen mitteln fortzusetzen, anscheinend auch aus einer völlig verkorksten geltungssucht heraus - oder aus einer gewissen todessehnsucht - aus einer abstrusen form von "erweitertem suizid", denn die meisten attentäter warten sicherlich indirekt geradezu auf den "finalen" schuss der sicherheitskräfte - und verbuchen das dann vermeintlich "heldenhaft" und verblendet für sich als letzte buchung: "im kampf gefallen" ... 

nur wenn wir alle uns dieser realen vergangenen epoche in unserer region, bei den eltern, groß- und urgroßeltern, nachbarn und verwandten ganz bewusst immer wieder neu stellen, können wir sie vielleicht im laufe der zeit angemessen verarbeiten und damit "gesund" und angemessen umzugehen lernen, sie "entschärfen" - denn nachschwingen und herumspuken werden diese dunklen seiten und "blindgänger" in den familienbiografien und in den winkeln des (un)bewussten ja tatsächlich wohl "bis in die dritte und vierte generation", wie es schon in der bibel steht - und wie es die wissenschaftlichen erforschungen zur "transgenerationalen traumata-weitergabe" zweifelsfrei bestätigen - natürlich in ganz individuellen auswirkungen - jede(r) auf ihre/seine art.

ich habe zu diesem gesamt-komplex ja das ns-euthanasie-mordprotokoll meiner tante erna kronshage ganz kosten- und barrierefrei hier im netz veröffentlicht mit verschieden umfangreichen zugangsmedien, wo man sich dann ganz direkt mit diesem einzelschicksal - vielleicht dann eben auch in der eigenen familie, gemeinde, verwandtschaft - beschäftigen kann.

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buchpreis: ist der ruf erst ruiniert - lebt es sich ganz ungeniert


Deutscher Buchpreis 
Fehl am Platz

Von Gerrit Bartels - Tagesspiegel

Am Montag wird der Deutsche Buchpreis verliehen - die Jury aber hat sich vorab diskreditiert. Ihre Devise: Bücher verhindern - oder gut verkaufen.

Die Jury für den Deutschen Buchpreis, der am Montag zum fünfzehnten Mal vergeben wird, hat es noch nie leicht gehabt. Sie setzt sich jedes Jahr aufs Neue aus Kritikerinnen, Buchhändlern und anderweitigen Literaturvermittlern zusammen, und jedes Jahr gibt es von der Literaturkritik und manchmal dem Buchhandel Gemosere an den nominierten Romanen.

Das gehört sich so, das ist schon Ritual, das macht ein bisschen den Reiz dieses Preises aus, der den Anspruch hat, den „besten Roman des Jahres“ zu küren.

In diesem Jahr sorgen jedoch nicht nur Longlist- und Shortlist-Auswahl für Stirnrunzeln und noch mehr Bedenken hinsichtlich der Bedeutung dieses Preises. Da waren einfach zu viele gute und wichtige Romane übergangen worden.

Am vergangenen Wochenende hat dann auch noch eins der Jury-Mitglieder, die Wiener Buchhändlerin und Schriftstellerin Petra Hartlieb, in der österreichischen Tageszeitung „Die Presse“ einen Text über ihre Arbeit als Jurorin des Deutschen Buchpreises veröffentlicht.

Literarische Qualität scheint Hartlieb egal zu sein

Und der lässt leider tief blicken und die Frage stellen, ob Hartlieb und womöglich gleich die gesamte diesjährige Jury sich ihrer Verantwortung, diesen Preis angemessen zu repräsentieren, bewusst ist.

Schon dass dieser Text vor der Preisverleihung und sogar der letzten Jury-Sitzung erschienen ist, macht keinen guten Eindruck. Wie es in einer Jury zugeht, ist danach noch interessant genug.

Doch was Hartlieb schreibt, weckt genau die Zweifel an ihrer Befähigung, Mitglied der Buchpreis-Jury zu sein, die sie selbst artikuliert. „Bin ich deswegen in einer so wichtigen Jury fehl am Platz?“ fragt sie, weil sie als Buchhändlerin eine andere Herangehensweise als Germanisten oder Literaturkritikerinnen habe, ihr Referenztitel, Bezüge zu Klassikern oder gar Selbstbewusstsein fehlen würden.

Nur gut, beruhigt sie sich, und da wird es problematisch, „dass es hier um den Preis des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels geht, nicht um den Büchner- oder Bachmannpreis.“ Schließlich solle der Roman, der hier gekürt wird, „in großen Mengen über den Ladentisch“ gehen.

So etwas wie literarische Qualität oder gar literarische Kühnheit, scheint ihr egal zu sein.
Sie gesteht offen, manches Buch nicht lesen zu können, „ich kann das nicht verstehen, ich kann das vermutlich nicht verkaufen“ – und zitiert zu allem problematischen Überfluss aus einer Mail des anderen Buchhändlers in der Jury an sie, Björn Lauer: „Wir müssen das verhindern“.

Das sei ein „rettender Anker“ für sie gewesen, so Hartlieb. Ihre Freude ist dann auch groß darüber, dass vor allem ihre Kollegen und Kolleginnen im Buchhandel die Longlist mit ihren „gut verkäuflichen“ Titeln loben.

Der Buchhandel freute sich über „gut verkäufliche“ Titel der Longlist

Aus all dem lässt sich ableiten, dass für Börsenverein und Jury der beste Roman des Jahres nur der potentiell am besten zu verkaufende Roman sein kann. Und dass alle anderen Kriterien eine, wenn überhaupt, eine untergeordnete Rolle spielen, literaturkritische zumal.

Es wird am Montagabend also Saša Stanišics Buch „Herkunft“ gewinnen, das verkauft sich gut. Oder nein, das hat sich schon viel zu gut verkauft, wir wollen doch noch einen zweiten kommerzielle erfolgreichen Roman des Jahres haben – so dürften die Diskussionen in der diesjährigen Jury mitunter verlaufen sein.

Dem Renommee des Deutschen Buchpreises ist Hartliebs öffentliche Offenbarung nicht förderlich. Ein Segen für die Buchhändlerin, dass sie, wie sie ebenfalls schrieb, vor ihrer Juryarbeit wenigstens noch schnell T.C. Boyles jüngsten Roman „verschlingen“ konnte – und der neue von Stephen King schon auf sie wartet.

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dass in einer neoliberalen kapitalismusgesellschaft der buchhandel keine insel ist, und es offensichtlich um verkauf und knete geht, statt um literatur oder gar poetik oder linguistik oder gar kunst, war ja eigentlich zu erwarten. 

aber ich hatte mir 2015 auch den romen vom preisträger frank witzel erstanden mit dem gar nicht so verkaufsträchtigen "68-er"-titel:
  • Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969.
voll großer und stolzer erwartungshaltung (...ich lese hier das beste in deutscher sprache - das was derzeitig "in" ist...) begann ich heißhungrig mit der lektüre in der hoffnung, dass es eine arbeit ist über meine lebenszeit (ich bin jahrgang 1947 - war 1968 folglich 21 jahre alt - und hatte ja die raf und rudi dutschke von ferne aber manch "manisch-depressiven teenager" leibhaftig kennengelernt.

aber nach ca. 168 seiten habe ich dann aufgegeben - und festgestellt, dass "hohe literatur" doch etwas komplizierter ist, um es einfach so wegzulesen oder mal gerade "echt reinzuziehen"...

von daher kann ich die einlassungen im kern wenigstens hier und da von petra hartlieb in der "presse" durchaus verstehen ("wir müssen das verhindern") - aber: vor vier jahren war also scheinbar im börsenverband eine jury für den buchpreis berufen, die durchaus linguistisch-poetisch verschwurbelte sprachpurzelbäume und verästelungen und fast beatliteraturmäßige cut-up storyinszenierungsschritte zu schätzen wussten.

insgesamt wird aber ein spitzenverband des deutschen buchhandels heutzutage schon auf verkaufsauflagen blinzeln müssen - für seine einzahlenden migliedsverlage. denn er betreibt ja in frankfurt zur buchmesse mit das geschäft der international zu vergebenen lizenzen für verlage, film, funk und fernsehen, hinter denen ja auch wieder weltweite wirtschaftliche interessen stehen - und die werbeindustrie und amazon und thalia und und und.

wenn ich heutzutage eine buchhandlung betrete, finde ich - egal wo - auf den angebotstischen auch nur den derzeitigen "mainstream" einer "bewährten" gängigen überall gleichen angebots-kollektion, die dadurch aber ihre auflagen immer mehr steigern kann. die wirklichen und tatsächlichen "entdeckungen" und "schmankerl" sind nicht mal mehr unter dem ladentisch oder hinter dem thresen oder in der leseecke zu finden, die finde ich vielleicht zufällig im netz, oder noch in den kleinen ums überleben kämpfenden wohlsortierten buchhandlungen, die sich um den verlags-"mainstream" nicht scheren, aber dafür auf lockrabatte der großen verlagsvertriebe verzichten müssen.

die bestseller, preisträger und der verlags-"mainstream" insgesamt wird aus markttechnischen überlegungen heraus "gemacht" und werbemäßig hochgepowert und gesponsert in die feuilletons - und auch die besprechungen sind auftragsarbeiten und werden gegen honorar geschrieben und werden nicht etwa "selbstlos" veröffentlicht.

aber auf die diesjährige preisjury zurückzukommen: mir scheint ganz ehrlich die lesbarkeit für ein großes otto-und-liesel-normalverbraucher-publikum schon auch ein qualitätsmerkmal für "große literatur" sein zu dürfen - ob ich das nun vorab auf einer ganzen seite als jurymitglied aber der österreichischen "presse" frank und frei "stecken" muss - das sei mal dahingestellt.

mit der abgebildeten aber ehrlichen grundmeinung von petra hartlieb hätte sie vielleicht die berufung in das hehre bewertungsgremium für den deutschen buchpreis 2019 ablehnen sollen - oder es war bewusst eine ihr zugeschriebene marketing-rolle, die sie damit ausgefüllt und mit bravour erfüllt hat: denn seit trump wissen wir ja - auch negative schlagzeilen sind schlagzeilen und füllen den raum: und alle bedeutenden feuilletons in diesem unserem lande haben ja pünktlich zur preisverleihung von diesem vielleicht nur vermeintlichen lapsus der frau hartlieb berichtet ... das wertet den preis insgesamt nicht nur ab, sondern untermauert die freien und hehren aspekte einer jury - vielleicht gibt im nächsten jahr ein top-linguist irgendeiner uni aus der jury ein vorab-interview, vielleicht besser der f.a.z. vielleicht auch der literaturbeilage in der "welt", wo dann auch gleichzeitig der siegerroman als fortsetzung mit abgedruckt wird - oder so...

ein bild sagt mehr als 1000 worte: hongkong (china)

© Anthony Kwan/​Getty Images/ZEIT (bearbeiteter Ausschnitt)

"ecce homo" - siehe, ein mensch...

Ecce Homo, 1871 - Antonio Ciseri (1821-91) - Öl auf Leinwand
Betr.: Doppel-Literatur-Nobelpreise





Die Stock­hol­mer Jury mag sich er­neu­ert ha­ben und ge­läu­tert, sie mag trans­pa­ren­ter auf­tre­ten, so­gar jün­ger ge­wor­den sein – in ei­nem ist auch beim neu­en Li­te­ra­tur­no­bel­preis al­les beim Al­ten: Wer auch im­mer die Aus­zeich­nung be­kommt, eine Preis­trä­ge­rin, ei­nen Preis­trä­ger ohne Schwä­chen kann es nicht ge­ben. Ent­spre­chend ge­spal­ten war das Echo in den di­gi­ta­len Netz­wer­ken.

Das ist viel­leicht die ent­schei­den­de Er­kennt­nis, die die­se bei­den ers­ten Li­te­ra­tur­no­bel­prei­se nach der Kri­se der Aka­de­mie ver­mit­teln: Die Zeit der Dich­ter­fürs­ten ist ab­ge­lau­fen. Schrift­stel­ler sind kei­ne Göt­ter. Den un­strit­tig alle über­ra­gen­den Au­tor gibt es nicht.

aus: "Abschied von den Göttern - Umstrittene Literaturnobelpreise für Handke und Tokarczuk" - spiegel+ v. 11.10.2019 


ja - das ist erleichternd aber auch bedrückend zugleich: das auch die nobelpreis-stars - hier also der literatur von 2018 und 2019: olga tokarczuk und peter handke - ihre jeweiligen "brüche" mit sich herumschleppen oder in sich tragen.

bei tokarczuk ist es angeblich ihr begrenztes sprachausdrucksvermögen, wie es ihre übersetzerin ins deutsche, die schriftstellerkollegin esther kinsky, wahrzunehmen scheint: "ihre stärke ist nicht die sprache", meint sie anmerken zu müssen - vielmehr sei ein "esoterischer feminismus" ihr ding, der ihr in polen und anderswo viele anhängerinnen beschert hat. und das "deutsche polen institut" verortet sie in die nähe des gigantisch geheimnisumwobenen mystisch-mythischen psychonalytikers c.g. jung, von dessen überlegungen und nischenbildungen sie "inspiriert" würde, wie sie selbst betont.

ja - und handke trägt ja als "bruch" trotz all seiner genialen sprach- und betrachtungsakrobatik seinen milosevic-spleen mit sich herum: seine serbien-affinität, besonders auch während des balkan-kriegs, in die er sich völlig verrannt hat. er soll außerdem eine lebensgefährtin geschlagen und getreten haben, einen unliebsamen interviewer angegangen sein - und soll sich nicht immer unter kontrolle haben, wenn er in frage gestellt wird, bei aller ruhiger naturbetrachtung, die er ansonsten gern heraushängen lässt.

aber so ist das mit den "brüchen", eben jener kehrseite jeweils der medaille: emil nolde ist deutschlands bekanntester und wirkmächtig-meisterlich buntester expressionist, aber er dient sich wahrscheinlich auch aus purem geschäftssinn über die maße dem ns-regime an und tritt als grenzbewohner in einen zweig der nsdap im deutsch-dänischen nordschleswig ein. inwieweit er nun tatsächlich auch innerlich ein durch und durch "überzeugter" nazi war oder es doch in erster linie um seine kunstmarkt-verkaufschancen in jener zeit dabei ging, hat er uns ja nicht zweifelsfrei offenbart - wohl aber, wie er pünktlich nach kriegsende am ende des nazi-spuks sein dortiges engagement vehement verleugnete und mit dem mantel des schweigens zudecken oder gar ins gegenteil verkehren wollte, was ihm auch mit unterstützung zunächst gelang.

zwar hat die bundeskanzlerin nolde nun aus ihrem büro wegen der erst jetzt so richtig öffentlich gewordenen ns-verquickungen abhängen lassen und für immer verbannt - aber sie besucht wie selbstverständlich mitsamt der angeblich großen deutschen (finanz)"elite" regelmäßig die wagner-festspiele jährlich in bayreuth, wo auch ein adolf hitler seinerzeit regelmäßig ein gern gesehener gast manchmal sogar ohne uniform und im festanzug war - und vielleicht sitzt frau merkel heute auf einem ähnlich günstigen platz bei den stundenlangen aufführungen wie er damals - der wagner-clan des komponisten insgesamt wenigstens war damals eindeutig und verbrieft pro-nationalsozialistisch...

aber: ich bin inzwischen davon überzeugt - desto älter ich werde - dass in jeder biographie bei objektiver "belichtung" und "durchleuchtung" solche oder ähnliche brüche auszumachen sind. und das ist auch dem jeweiligen "zeitgeist" natürlich geschuldet, der sich mit den nachfolgenden generationen jeweils ändert - und dann im nachhinein heutzutage vielleicht von algorithmen aber auch von historikern und soziologen anders bewertet und verdeutet werden kann - oft genug sogar diametral entgegengesetzt.

beispielsweise standen die eugeniker und rassenhygieniker der zwanziger bis fünfziger jahre des letzten jahrhunderts nach eigener überzeugung auf der damals "modernsten" und wissenschaftlich fortschrittlichsten stufe der menschlichen entwicklung und forschung überhaupt - und das nicht etwa nur in ns-deutschland, sondern weltweit gleichermaßen... - und erst heutige genetische mikrountersuchungen lassen den schluss zu, dass man überhaupt keine durchgängige verschiedenheit menschlicher "rassen" in statur und hautfarbe etc. ausmachen kann.

streng biologisch heißt es jetzt in der "jenaer erklärung" im september 2019: »Es gibt im menschlichen Genom unter den 3,2 Milliarden Basenpaaren keinen einzigen fixierten Unterschied, der zum Beispiel Afrikaner von Nicht-Afrikanern trennt. Es gibt – um es explizit zu sagen – somit nicht nur kein einziges Gen, welches ›rassische‹ Unterschiede begründet, sondern noch nicht mal ein einziges Basenpaar.«

diese Erklärung, so genau sie wissenschaftlich argumentiert, ist vor allem ein politisches zeichen: ein signal an eine gesellschaft, in der rassistisches gedankengut in den vergangenen jahren immer weiter in die mitte gerückt ist. - und inzwischen verortet die einschlägige wissenschaft eine individuell ausgeprägte persönlichkeitsbildende prägekraft den spiegelneuronen mit der transgenerationalen emotionalen "vererbung" durch (traumatische) familienereignisse und durch die jeweiligen reaktionen der bezugspersonen.  

der schon oben erwähnte c.g. jung nannte diese phänomene der immer mitschwingenden und einhergehenden "dunklen" und "entgegengesetzten" unbewussten persönlichkeitsanteile den (noch) nicht integrierten und einverleibten "schatten". dieser schatten enthält nach jung die anteile, die seinem positiven  und naiv-einfach eingebildeten und nach außen projizierten selbstbild und seiner so der umwelt vorgegaukelten 'theatermaske' (die bei jung "persona" heißt) entgegenstehen. des schattens dunkle seite – vom ich-bewusstsein aus gesehen – umfasst auch seine unbewusstheit, und außer 'bösem' können aus dem schatten auch positive impulse bei geglückter motivierender bewusstmachung und integration erwachsen. 

der schatten umfasst also nach jung un- oder teilbewusste persönlichkeitsanteile, die häufig verdrängt oder verleugnet werden, weil sie dem nach außen vorgetäuschten vorstellungsbild des ichbewusstseins von sich selbst entgegenstehen. 

folglich gehören zum kompletten umfassenden persönlichkeitsbild alle 'licht'- und 'schatten'-seiten: also immer die jeweils vorgegaukelte und gelebte "schokalenseite" mit all den oftmals entgegengesetzten bruchstücken und brüchen aus dem verborgenen. 

derzeitig suchen ja die medien und #me-too-aktivist(inn)en wie wild gerade bei prominenten, die sich für eine besonders hehre sache einsetzen oder die als mann irgendwie auffällig und übergriffig wurden  - wie z.b. eben auch auch bei handke aber auch bei greta thunberg - flugs diese "brüche" und "unpassenden" anteile auf - und dann steigert das die leser- und publicity-clicks und die verkaufte auflage, wenn man dann solche brüche "entlarvt" und sich daran hochzieht.

jesus sagte den männern, die die ehebrecherin steinigen wollten: "wer von euch ohne sünde (ohne irgendeinen "bruch") ist, der werfe den ersten stein auf sie. und da ließen diese moralischen "rächer" ihre pflastersteine fallen und trollten sich... - einer nach dem anderen... 

das all zusammenfassende resultat lautet dazu in den meisten fällen bei solchen "aufklärerischen" und bloßstellenden unternehmungen - wie schon vor 2000 jahren bei pontius pilatus nach dem "verhör" des vor ihm stehenden geschundenen jesus von nazareth: "ecce homo" - siehe, ein mensch...