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sinedi-art: und all - überall - auf den dächerspitzen sah ich goldene lichtlein blitzen ...

jeweils da - wo die angst steht

Identitäre blockieren die CDU-Parteizentrale in Berlin – die Polizei trug die Demonstranten weg. Das Lambda-Symbol steht für »lakedaimon«, den antiken Namen Spartas, dessen (als europäisch begriffene) Hopliten die (asiatischen) Perser abwehren halfen. Foto: imago

Von Matthias Meyer zur Heyde (WB)

»Das Anti-68 ist da!« Wolfram Weimer vom Magazin »The European« schien 2016 genau zu wissen, wohin die von der AfD genervte Republik driftet. Der Bürger, so scheint es, liebt die Verkündigung von der Kanzel. Oder die Lehre im Leitartikel.

Aber stimmt es auch, dass Rechtsausleger wie die AfD die Rolle der APO, der Außerparlamentarischen Opposition der 60er Jahre, übernommen haben?

»Enteignet Springer!« – »Merkel muss weg!« Offenbar brauchen revoltierende Gruppen individuelle
1968: Kanzler Kurt Georg 
Kiesinger wird geohrfeigt.
 2018: Ein Demonstrant hat
 was gegen die Kanzlerin.
 Foto: dpa
Gegner, an denen sie sich reiben können. Auch geht es nicht ohne Sitzblockade: Wie sich am 18. Februar 1968 rund 4000 Berliner Jugendliche vor der Deutschen Oper zu Ketten unterhakten, so ließen sich am 21. Dezember 2016 etwa 200 Identitäre vor der CDU-Bundeszentrale nieder – diese aus Wut über die zwölf Opfer des Islamistenanschlags vom Breitscheidplatz, jene in Trauer über die Toten des Vietnamkriegs. Und wie einst Fritz Teufel vor seinem Richter nur aufstehen wollte, wenn’s der Wahrheitsfindung diente, so mag sich heute Björn Höcke in der Talkshow erst hinsetzen, nachdem er die Sessellehne schwarz-rot-gold geschmückt hat.

Attacke gegen die Mehrheit

Die Bilder gleichen sich. Derzeit wird die bürgerliche Mehrheitsgesellschaft (der Soziologe Oskar Negt spricht, wenig schmeichelhaft, von »Ordnungsdenkern«) mit denselben Mitteln angegriffen wie vor 50 Jahren. Nur die ideologische Ecke, aus der die Attacke kommt, ist eine andere: »Die politische Rechte greift auf Sprüche und Aktionsformen zurück, die man seit den Tagen der 68er-Studentenrevolte mit der Linken in Verbindung bringt«, schreibt der in Münster promovierte Soziologe Thomas Wagner.

Um diese Ähnlichkeit zu bemerken, muss man nicht studiert haben. Das glaubt nämlich auch »der Stammtisch«, munitioniert mit den Befunden von intellektuellen Abenteurern wie dem Alt-68er Götz Aly. Der allerdings, maßlos, wie man es von Konvertiten kennt, hält sich nicht lange mit äußeren Ähnlichkeiten auf, sondern erklärt kurzerhand den ganzen Baum für verfault: die 68er als totalitär infizierte Söhne von »Hitlers Generationsprojekt: den 33ern« (ließ er sich in der »Frankfurter Rundschau« zitieren).

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm? In diesem Fall gilt der Spruch sicher nicht. Die Klassifizierung der 68er als »rote Spielart des Faschismus« (Hans-Joachim Schoeps, 1972) ist unhaltbar. Die 68er wünschten sich trotz ihrer Anfälligkeit für Lehrsätze ex cathedra die Demokratisierung aller gesellschaftlichen Prozesse, aus denen dann Frauenemanzipation, Friedens- und Umweltbewegung hervorgingen: Strömungen, nicht faschistisch, aber trotzdem so heiß geliebt wie hart verurteilt. Wenn also Wagner in seinem Buch »Die Angstmacher« – gemeint sind die Bürgerschrecks einst und jetzt – von einem Déjà-vu spricht, hat er zwar auch die Aktion der wenigen Aufwiegler vor Augen, in erster Linie aber die Reaktion der vielen »Ordnungsdenker«.

Erwünschte Überreaktionen

Auf Pegida und AfD antwortet die Mehrheitsgesellschaft wie vordem auf die Spontis: mit Empörung. Mit Emotion statt mit Analyse. Wo aber der Bauch die Reaktion steuert, trägt sie den Keim der Erfolglosigkeit in sich – das gilt natürlich nicht nur für den schimpfenden Bürger, sondern schon für den Provokateur: Hier studentisches Pudding-Attentat (April 1967), dort identitäres Klettern am Brandenburger Tor (August 2016) – beides kein Geniestreich. Aber dennoch »kommt es zu den erwünschten Überreaktionen der etablierten Institutionen«, notiert Wagner entnervt.

Gestern rot, heute dumpf: Der Personal- und Ideologiewechsel in der Abteilung Attacke findet seine Entsprechung in der Neubesetzung am »Stammtisch bürgerlicher Selbstvergewisserung« (Michael Wolf bei »nachtkritik.de«). Vor 50 Jahren nämlich hockten an diesen Stammtischen überwiegend Kulturkonservative, die sich elitär dünkten, ohne zwingend der Bildungselite angehören zu müssen: Seit 1959, seit dem Godesberger Programm der Sozialdemokraten, durften ja diese Traditionalisten durchaus Arbeiter sein und SPD wählen. Schon der große Soziologe Max Weber hat Anfang des 20. Jahrhunderts bemerkt (in »Politik als Beruf«), dass es nicht etwa die gymnasiale bzw. universitäre Bildung ist, die über den politischen Kennerblick verfügt – eher im Gegenteil.

Unverschämt, aber wahr

Webers heutige Kollegen beobachten oft Kräfte am Stammtisch, denen »liberal« und »laissez-faire« Synonyme sind – jedenfalls solange keine invasiven Arten wie Pegida & Co. ihr sorgsam gehegtes Biotop aufmischen. Geschieht dies dann doch – in Zeiten der Massen- und Sozialen Medien schwer zu vermeiden –, dann jammern sie über den Pfahl im Fleische, einen Pfahl, der damals provozierend rot leuchtete und jetzt braun lackiert ist. Dann verweigert der Stammtisch das Spiel mit den »Populisten«, so wie er einst hektisch den Nachwuchs ins Haus holte, sobald des Sängers »Schmuddelkinder« auftauchten. Es geht auch weniger alarmistisch. Der CSU-Politiker Peter Gauweiler, früher ein ideologischer Hardliner, studierte 1968 Jura und organisierte damals in der Münchener Uni ein Sit-in, bei dem die Studenten demonstrativ die bei den 68ern verhasste »Bild«-Zeitung lasen. Sehr hübsch. Der einstige RCDS-Sponti tritt locker auf: 2009 bekannte er altersmilde im »Bayernkurier«, die »Unverschämtheiten« der 68er seien »immer auch Transportmittel der Wahrheit« gewesen. Ihre Verstöße gegen die »Tanzstunden-Etikette« von damals hätten »etwas Erfrischendes« gehabt.

Recht hat er. Staat und Gesellschaft nach 1968 jedenfalls haben mit der alten Bundesrepublik nicht mehr viel gemein. Der Disput hatte unübersehbar liberalisierende Folgen. Ob sich aber aus dem Disput mit der AfD Verwertbares entwickelt, überhaupt entwickeln kann, ist völlig offen.

Wie sich die Bilder gleichen: Schon 1968 stand die uniformierte Staatsmacht dem Protest von der Straße gegenüber. Sogar die Zeichen – hier ist es das Peace-Symbol – sind sich verblüffend ähnlich. Foto: imago


© WESTFALEN-BLATT, Freitag 14.12.2018, S. 7

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aus der meta-ebene betrachtet mag das gezeichnete bild einer gewissen sich wiederholenden zeichensetzung unter den symbolen der jeweilig miteinander widerstreitenden weltanschauungen ja zutreffen - allein: mir will die einnahme dieses blickwinkels nicht gelingen ...

als bekennender alt-68er und inzwischen "alter weiß(s)er mann" bin ich für eine solche betrachtungsweise einfach zu sehr immer noch beteiligt und mittendrin statt oben drüber.

das problem ist meines erachtens das für ehemals fortschrittliche "linke" längst überholte kästchendenken der meisten in "rechts" und "links" ...

spätestens die kanzlerschaft von frau merkel - in fortführung der kanzlerschaft des "alt-linken" gerhard schröder - hat dieses schwarz-weiß-denken aufgelöst: beide kanzler haben damit zwar ihre zum großen teil (immer noch) rückständigen mutterparteien "verraten" - und in große bedrängnis gebracht, denn auch die wähler konnten dieser postmodernen neuen grenzüberschreitenden patchwork-denke nicht schritthalten ...

der dazu kreierte sponti-spruch: "wer nach allen seiten offen ist - ist nicht ganz dicht" war aber nur die erste starrsinnige abwehrreaktion dazu - und ganz allmählich setzte sich dann dieses flexiblere denkschema bei den menschen "guten willens" durch ... - und der "umbruch" bzw. der "übergang"  (für die langamer denkenden) im oberstübchen von gestern zu heute hält immer noch an ... 
und wieder können wir singen: "wir sind erst angefangen - wir werden immer mehr...".

eine solche umdenke lässt aber auch immer wieder menschen zurück, "die da nicht mehr mitkommen" - menschen weiterhin in ihrem eigenen saft schmoren: das sind die ewiggestrigen bzw. die populistischen krakeeler von chemnitz, dresden und umgebung - sowie die pegida-marschierer und die afd-wähler - jetzt im gleichschritt tatsächlich vereint - in ost & west - und natürlich die hooligans - oft (außer in dortmund vielleicht) ganz ohne die "gelben westen" - die einfach nur klamauken wollen - und von jetzt auf gleich die "eierlegende wollmilchsau" eines alles oder nichts einfordern - und die auch eine gauland-kanzlerschaft oder eine le-pen-präsidentschaft in frankreich mit den gleichen wurfgeschossen traktieren würden: die "un-politischen", die sich einfach kraftvoll dem augenblick ergeben, wenn genügend alkohol verkonsumiert wird: ewige fete - immer partystimmung - alkohol eben als das deutsche bzw. völkerverständigende grenzüberschreitend europäische kulturgut ...

"links" & "rechts" als schubladendenken, das war gestern ... für die jeweils aktuelle situation einen parteiübergreifenden ausgleich finden und dann verbindlich auch in einem widerstreitenden diskurs miteinander aushandeln, das ist heute angesagt: aber mit lindners fdp hat das leider onnoch nix zu tun ...

"am ende wird alles gut - wenn es nicht gut wird, ist es noch nicht das ende" - sagte oscar wilde ...

also - chuat choan!


nyt - freiabo für alte weiße männer - und die 13. fee | sinedi-art - yi'jj magaànii didé

yi'jj magaànii didé

seit geraumer zeit stoße ich immer wieder auf den begriff "alte weiße männer" - und neulich wurde er sogar wie selbstverständlich als das kürzel "awm" zusammengefasst.

und ich denke: du musst endlich mal wissen, was man damit zum ausdruck bringen will ...

im ersten moment hört es sich ja nach einer bezeichnung aus einem alten karl-may-roman an: old shatterhand hätte ja gut vor 100 jahren von irgend einer alten indianer-squaw als "alter weißer mann" angesprochen werden können - und ich habe nachgeschaut: in der sprache der apachen hieß das ungefähr:

yi'jj magaànii didé

alte weiße männer - das sind die, für die die junge generation angeblich die rente verdienen muss - aber die trotzdem oder deshalb das sagen haben oder behalten wollen - und nicht "loslassen" können ... die alles besser wissen - die ein smartphone nur im notfall benutzen - unflexibel - langweilig ...

dabei wird jedoch gern vergessen, dass die jungen schon ihr erbteil ausbezahlt bekommen haben - oder noch in erwartungshaltung desselben sind: - dass auch mit wenig oder keinem kindergeld die jetzigen "jungen" einstmals von den alten weißen frauen und männern "großgezogen" wurden: vom windelwechsel, über dem in bar bezahlten konfi- oder jugendweihe-kleid, bis dann zum führerschein ... - und ab 12 - 13 fast jeden morgen das not-taxi, um pünktlich zur schule zu kommen - und am nachmittag zum flötenkreis...

und warum nun hier im bild das "freiabo der the new york times": also - ich habe das gefühl, dass in den usa trotz oder noch wegen trump der "alte weiße mann" eher übersetzt wird mit: "the old wise man" - der alte weise mann - was ja doch etwas von ehrfurcht noch ausstrahlt - in dieser verrückten zeit ... - gut - donald trump kann damit ja nun wohl weniger gemeint sein - aber der hat sich seine haare oder seine perücke (weiß man's ... ???) ja vielleicht gerade deshalb von "weiß" in "goldblond" färben lassen ...

neulich hat der alte weiße/weise mann martin walser unten vom bodensee sich mit einer liebeserklärung an angela merkel geoutet - u.a. in dem er formulierte, angela merkel könne man(n) beim denken "zusehen" - man(n) könne förmlich sehen, wie sich ihre gedanken formierten während des freien sprechens ...

das gleiche gefühl habe ich immer, wenn ich die "new york times" mit hilfe der automatischen deutschen google-übersetzung lese: da klappt - wohl wegen des anglikanischen urtextes - der sinn der beiträge unaufgeregt und klar und wahr um ins deutsche - der reihe nach und schritt für schritt ... - und ich spüre immer: dahinter steckt wahrheit und authentizität - auf die "nyt" könnte ich jeden eid schwören - sie ist "an old wise man" ...

nun - angela merkel ist sicherlich so kurz vor ihrem endgültigen politischen abdanken mit fug und recht eine - ich meine das ganz undespektierlich - "alte weise frau": sie könnte inzwischen auch gut in der weihnachtsmärchen-aufführung der realschule vom "dornröschen" die 13. "schwarze" fee geben: 
und wir wollen mal raten, wen sie verflucht - und wer sich nach ihrer vollständigen politischen abdankung mit der webspindel in den finger sticht ... - (zum glück für seehofer - denn der ist dann ja längst auch in pension ...).



die gewichtung der moral - oder: 3 seelen wohnen ach in meiner brust

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ABSCHIED VOM CDU-VORSITZ

Mir ist der Hype um Angela Merkel unheimlich


Von Henryk M. Broder | WELT.de - Meinung

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Angela Merkel gibt den CDU-Vorsitz nach 18 Jahren ab. Es wurde auch Zeit. In demokratisch verfassten Gesellschaften werden Politiker gewählt und abgewählt. Es gibt für sie keine Beschäftigungsgarantie – und keinen Kündigungsschutz.


Was ist eigentlich so sensationell daran, dass ein Politiker oder eine Politikerin nach 18 Jahren ein Amt aufgibt? Dass sie oder er nicht noch einmal kandidiert, sondern einfach sagt: „Danke, das war’s.“ Angela Merkel wurde im April 2000 mit 96 Prozent der Stimmen ohne einen Gegenkandidaten oder eine Gegenkandidatin zur Vorsitzenden der Union gewählt.

Das war vor 9/11, vor der Griechenlandkrise, vor dem Brexit, vor der Annexion der Krim durch Russland, vor dem Sturz von Saddam Hussein, vor der Kölner Silvesternacht, vor dem „Sommermärchen“ von 2006, vor der Pleite der Lehman Brothers Bank, die zu einer weltweiten Finanzkrise führte; das iPhone von Apple war noch nicht auf dem Markt, Barack Obama ein No Name, die Energiewende weder ein Begriff noch eine Option, Youtube noch nicht erfunden und die AfD auf keinem Wahlschein zu finden.

Es war eine andere Welt und eine andere Zeit. Wer heute 18 ist, kann sich ein Leben ohne Facebook, WhatsApp und Kim Kardashian nicht vorstellen.

Zugegeben, verglichen mit den 49 Jahren, die Fidel Castro als Staats- und Regierungschef amtierte, sind 18 Jahre nicht übermäßig lang. Aber der Kubaner, der stundenlange Reden hielt und seinen Kampfanzug nur zum Schlafen ablegte, taugt nicht unbedingt als Vorbild. In demokratisch verfassten Gesellschaften werden Politiker gewählt und abgewählt, es gibt für sie keine Beschäftigungsgarantie und keinen Kündigungsschutz.

Viele begreifen das erst, wenn es zu spät ist. Unvergessen die Klage der bei ihrer Wiederwahl gescheiterten Ministerpräsidentin von Schleswig-Holstein, Heide Simonis: „Und was wird dann aus mir?“

Auch Andrea Ypsilanti, ebenfalls SPD, die unbedingt mithilfe der Linken hessische Ministerpräsidentin werden wollte, brauchte eine Weile, bis ihr klar wurde, dass sie sich verkalkuliert hatte. Immerhin, die Partei dankte es ihr mit einem sicheren Listenplatz, den sie bis zur vergangenen Hessenwahl behalten durfte.

Mir ist der Hype um Angela Merkel unheimlich. Ihre Entscheidung, auf den Parteivorsitz zu verzichten, verdiene „Respekt“, heißt es allerorten. Warum denn?

Man könnte meinen, sie habe sich geopfert, der Partei und der Staatsräson zuliebe. Auf welchem Fürstenhof sind wir gelandet? Schulden wir Angela Merkel Dank? Dann legen wir zusammen und schenken ihr eine Damenuhr von Tissot. Oder eine Kreuzfahrt auf der „MS Deutschland“, all inclusive. Das wäre endlich mal eine echte Alternative.

DIE WELT © Axel Springer SE. Alle Rechte vorbehalten.

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merz, akk, merkel - S!NEDi-bildbearbeitung

🔴 zu dieser "meinung" des berühmt-berüchtigten henryk m. broder schrieb ich einen kommentar im leserbrief-forum auf "welt.de":

SI
sinedi

 ja - so "hart" und unbarmherzig ist ein politiker(innen)leben - das ist richtig - aber auch um friedrich merz wird ja ein ähnlicher hype veranstaltet - der chefredakteur dieser "welt" ordnet sein demokratisch ganz offen gelaufenes scheitern vor aller welt gar - wörtlich - als eine "kulturelle katastrophe" ein - mit dem verzweifelten ruf: "wer folgt ihm jetzt nach" ... ??? ...

demokratie ist schwer - und eine demokratur zwischen verschiedenen lagern und bei verschiedenen erwartungshaltungen ist noch schwerer - und das kennen wir ja von der wm in russland: ein frühes ausscheiden eines vermeintlichen weltmeisters löst fast massenhysterien aus ...

frau merkel facht diesen hype um ihre person und ihrem amt ja gar nicht an - und dieses ewige "respekt"-zollen - das ist so eine deutsche floskel, wie "herzliches beileid" etwa - oder in bayern das "vergelt's gott" ...

da ist es schon eine andere hausnummer, wenn man quasi hier [gemeint ist in der "welt"] an anderer stelle die wahlniederlage eines "parteifreundes" - sagt man wohl in der cdu - fast als kulturellen untergang des abendlandes transportieren möchte ... 

interessant ist für mich die redaktionelle "gewichtung" der ereignisse [in der "welt"]: 
  • nach 15 jahren der parteipolitischen abstinenz von merz nun sein früher und untrainierter faux pas - 
  • und gleichzeitig die souveräne unspektakulär schlichte "abdankung" vom vorsitz der cdu von frau merkel - 
  • ja - und die jubelnde und überschäumende freude über die neue vorsitzende, die ja immerhin die mehrheit der cdu-delegierten statutengemäß hinter sich gebracht hat: 
irgendwie frieren sich diese [tatsächlichen oder ausgebliebenen] szenen zu diesem prozedere zu eiszapfen ein - obwohl der wetterbericht meint, für die jahreszeit sei es zu mild ...
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HS
hardy s.

Haben Sie vergessen ihre Medikamente zu nehmen, sinedi?

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SI
sinedi

 @hardy s. : nee - ich schrieb ja: "für die jahreszeit ist es zu mild" - aber danke für ihre sachbezogene und gar nicht übergriffige und faire anmerkung ... - das ist endlich mal eine profunde antwort auf meine fragezeichen und anmerkungen ... - aber drehen sie sich wieder um, hardy - es ist alles gut - um mich machen sie sich bitte keine sorgen ..., das kann ich gar nicht annehmen ...
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TS
Thomas S.

@Sinedi: haben Sie verstanden, worin die kulturelle Katastrophe bestünde?
Können Sie etwas Konkretes an der Meinung vom Herrn Poschardt kritisieren?

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SI
sinedi

@ Thomas S.: ich schrieb ja in meinem beitrag: es geht mir um die für mich (!) eigenartige "gewichtung" in der "welt"-redaktion: 
  • die niederlage eines eines seit 15 jahren parteipolitisch abstinenten kandidaten bei der plötzlichen wahl zum cdu-vorsitz wird als eine "kulturelle karastrophe" von herrn poschardt an die wand gemalt - mit dem völlig abstrusen verzweifelten ruf: "wer folgt diesem - eigentlich seit jahren nicht vorhandenen schemen - denn nun nach" ???
  • und broder beschwert sich fast an gleicher stelle über den "hype" der um merkel gemacht würde - die in den 15 jahren der merz-abwesenheit den kopf hingehalten hat - und meines erachtens ja gar nicht sooo schlecht ...
  • und den angemessenen glückwunsch-willkommensgruß von akk durch einen "welt"-redakteur habe ich dann eben doch vermisst bei einer "liberalen" grundhaltung, die herr poschardt für sich auch im hinblick auf seine journalistische und persönliche sozialisation immer wieder betont - und seinem wunsch: auf zu neuen ufern ...

Heinz Braun - Ausstellung in Fürstenfeldbruck

Faschingsprinz, 1978 - Selbstbildnis: FOTO: braunheinz.de

Die Kühe, die Wolken, der Trost

Das blasphemisch-barocke Werk von Heinz Braun in Fürstenfeldbruck

Von Willi Winkler | Süddeutsche Zeitung - 11.12.2018 - Feuilleton - S.9


Achternbuschs zweieiiger Zwilling: Der Autodidakt Heinz Braun trug Briefe aus, bis er sich pensionieren ließ, um mit viel Farbe und auf Papier Werke wie „Drücken“ (1984) zu malen. FOTO: heinzbraun.de







Der frühe Tod hat ihn um die Girlanden gebracht, die sie ihm zum Siebzigsten, zum Achtzigsten alle gewunden hätten, Jubel-, Frucht-und Blumenstücke von der Abendzeitung bis ins Fernsehen,  Akademieehrungen sonder Zahl, und in der Residenz, da hätte sich der Staat bei seinem ehemaligen Diener nicht lumpen lassen, wäre ihm bestimmt der Bayerische Verdienstorden an die breite Brust geheftet worden. Der Maler Heinz Braun, der in diesem Jahr achtzig geworden wäre, hat den Weg zum allfälligen Ruhm aber vermieden und ist vorsorglich schon 1986 gestorben: Krebs.



Im Hacketal, 1985


Vom Sterben und vom Leben davor handeln seine Bilder. „Im Hacketal“ heißt eins seiner schönsten, aber wer es nicht weiß, ahnt nichts Böses, nicht das Böse, das in diesem blumenreichen Tal blüht. Ein Kruzifix zerteilt das Bild diagonal, die Wunden, von Nägeln geschlagen, bluten gehörig, demütig steht Maria unterm Kreuz, und statt der anderen Leidtragenden bleckt eine Kuh die Zunge gegen den Gekreuzigten.

Blasphemie? Nein, reinstes Barock, eine Vanitas-Allegorie, wenn es je eine gab, denn in der Klinik des Julius Hackethal suchte Braun Heilung, zahlte, was der gute Doktor verlangte, und malte dafür um sein Leben.
Es ist das perfekte Idyll, also das Grauen.
Das Museum Fürstenfeldbruck, das jetzt in einer großen Ausstellung Brauns Bilder zeigt, steht gleich neben der Klosterkirche Mariä Himmelfahrt. Gegründet wurde das Kloster 1263, weil Ludwig II. von Bayern, nicht der sogenannte Märchenkönig, sondern der mit dem Beinamen "der Strenge", in einem Eifersuchtsanfall seine Frau, die wunderschöne Maria von Brabant, abstechen ließ wie eine Sau.

Damit ihm der Papst verzieh, stiftete der Herzog das Kloster, Johann Georg Ettenhofer baute im 18. Jahrhundert die dazugehörige Kirche, die Brüder Asam gaben ihr all die Pracht, mit der Kunst mit dem Leben versöhnen kann. Es ist ein die Herzen erhebender Rokoko-Traum in Weiß und Gold, ein einziger Engelschor, und über dem Altar eine himmelwärts strebende Maria.

Braun war von der Schule zur Post gegangen, wurde Briefträger in der gottverlassenen Münchner Schlafvorstadt Germering, ganz ohne Hulot’sche Ambition zunächst und vorschriftsmäßig verheiratet.

Auf einem Foto im Katalog betrachtet er seinen Neugeborenen mit dezentem Reihenhausstolz.

Glück heißt das sonst, und doch macht ihn die tägliche Arbeit, der Dienst am Dienstfahrrad und am pünktlich auszuliefernden Quelle-Paket, todunglücklich.

Nach 28 Jahren Fron kündigte er und wurde ganz und gar Maler.
Maler war er schon immer gewesen.
In den Hungerjahren nach dem Krieg
zeichnete er sich Brot oder einen Apfel
naturgetreu aufs Papier
und fraß das Papier dann auf.
Zur reinen Kunst hatte Braun zunächst ein demütiges Verhältnis, bewunderte die alten wie die neuen Meister, malte sie ab in der Pinakothek, dafür zahlten die Händler reelle Preise, saubere Arbeit, doch für ihn war es bald „Beamtenkunst“ und nichts mehr wert.

Die frühen Versuche, mit denen die Ausstellung beginnt, zeigen ihn beim Durchschreiten vieler Formen, fantastische Landschaften nach Ernst Fuchs, ein bisschen fotorealistisch eine Bildzeitung abgestrichelt wie Gerhard Richter, unbedingt documenta-tauglich, aber nichts Gescheites. In den Biergarten von Adolph Menzel setzt er sich und seinen Entdecker Herbert Achternbusch, nur vertauscht sind sie: flammenhaarig der Achternbusch im Zentrum, Braun seitlich mit Hut im grimmigen Profil, den Zigarillo im Mund, die rechte Hand gespannt am Gürtel und die Frage: Wann beginnt endlich das Leben? Spät. Der Film half, Achternbuschs „Andechser Gefühl“. Anders als Braun war der Freund kein Autodidakt, er hatte die Akademie besucht und war schon fast wer in der Kunst.

1972, als sie sich fanden, hatte er bereits sechs Bücher bei Suhrkamp veröffentlicht, wollte aber unbedingt Filme machen, bayrische Marx-Tragödien (nach dem Evangelium des Hl. Groucho), also Achternbusch-Komödien. Heinz Braun wurde sechs Filme lang sein zweieiiger Zwilling. So nah kamen sie sich im Spielen und Ausschnapsen, dass keiner mehr weiß, wer von beiden auf den Aphorismus gekommen ist, der von Rechts wegen unter jedem bayrischen Amtsstubenkruzifix stehen müsste:
„Diese Gegend hat mich kaputt gemacht, und ich bleibe so lange, bis man ihr das anmerkt.“
Aus der Gegend macht der Malerpoet Braun wieder eine Landschaft, erschafft Bayern neu, stellt sich mitten hinein in seiner ganzen Kraftlackllänge. Auf einmal ist Pleinair in Oberbayern möglich: die Kühe, die Wolken, der Trost, den nur ein leerer Biergarten bietet. Der Wildling ist endlich losgelassen, dabei steht er ganz konzentriert an traditionellen Künstlerorten vor der Staffelei, in Feldafing, in Dachau, natürlich auch in Bernau am Chiemsee bei Hackethal, wo er rausgeworfen wird, weil die teureren Patienten den Geruch der Kuhscheiße nicht ertragen wollen, mit der er gelegentlich seine Farben mischen musste, damit sie die richtigen Pigmentierung erhielten.

Porträts sind auch dabei, der junge Bierbichler, Haindling, die Mutter, der Sohn, die Frauen, die sein Genie erkannten. „Als der Riese Heinz Braun die Küche betrat, war die Küche voll“, erzählt die Schauspielerin Cleo Kretschmer. Wenn er lachte, klirrten die Gläser in der Vitrine. Der Krebs erst fällte ihn, aber ganz kriegte er ihn doch nicht. Es war doch eine schreiende Ungerechtigkeit: Da hatte er sich pensionieren lassen, und wurde doch nur krank, der Krebs nahm ihm das Leben, das er endlich gefunden hatte. Denn jetzt zeigte sich, dass er die katholische Bildsprache mit ihrem Hang zum drastischen Leiden aus dem Effeff beherrschte, wenn er es mit seinem eigenen verband.

In Selbstporträts, um die ihn Lovis Corinth beneidet hätte, gern mit ehrlich erworbenem Bierbauch, kahl geworden von der Chemotherapie, im erinnerten Glück am Tisch unter einer blühenden Kastanie, erreicht Braun zuletzt seine Unverwechselbarkeit.

Da gibt es keine alten Meister mehr, kein Gedanke an die Düsseldorfer Kunstbrüder, das ist alles nur mehr er, das ist sein eigner grundkatholischer Expressionismus.
Heinz Braun malte, wie Joseph Beuys gemalt hätte, wenn er malen hätte können.
Und doch erschließt sich dieses Ausnahmewerk erst in der Zusammenschau mit der sinnlos heiteren Pracht der Kirche daneben. 1790, als die Innenausstattung von Mariä Himmelfahrt vollendet ist, schreibt der große Wortmaler Jean Paul über den großen Heinz Braun (oder könnte ihn doch gemeint haben): „Ihr erbleichenden Bilder mit Erdfarben, ein zitternder Widerschein des Lebens“ und fährt mit diesem Trostwort fort: „Wir sind wankende Schatten und doch zerreißet ein Schatten einen andern.“Wie es zugeht bei diesem Zerreißen, und wie sich momentweis doch eins zum andern fügt, das zeigt die Ausstellung „Ein Eigener sein“ in Fürstenfeldbruck gleich neben der Kirche Mariä Himmelfahrt, vier Streifen mit der S-Bahn aus München heraus und auch sonst jeden Umweg wert.

WILLI WINKLER

Die Schauspielerin Cleo Kretschmer erinnert sich an einen „Riesen“. Heinz Braun bei Filmarbeiten in Island im Jahr 1978. FOTO: braunheinz.de



  • Ein Eigener sein. Leben und Werk des Heinz Braun (1938 – 1986). Museum Fürstenfeldbruck. Bis 28. April 2019. Katalog 18,90 Euro.

click here

click here: www.braunheinz.de - mit umfangreichem werkverzeichnis


malen gegen den eigenen tod - das war die hauptmotivation von heinz braun, der trotzdem schon mit 48 jahren sterben musste an kehlkopfkrebs ...

heinz braun war wohl ein riese aus echtem urgestein, der eigenwillig und ungelenk seine werke hastig fertigstellte: er hatte ja nicht viel zeit ... - und gerade seine autodidaktische spontane herangehensweise, mit kuh-a-a als farbpigment, machen ja sein werk unverwechselbar.

einige bilder erinnern an anselm kiefer (z.B. "acker im märz") - andere an francis bacon (z.b. "am wörthsee") und wurde auch zu den "neuen wilden" gezählt mt seiner expressiven malweise, die er draußen bei wind und wetter ausführte ...

also für mich ist das ein echter hingucker ...


wegen flutgefahr müssen die dämme erhöht werden - update

"bots"-flut - bearbeitete WELT-abb.

AUTOMATISIERTE NUTZER
Roboter mobilisieren gegen Migrationspakt

Von Alexej Hock, Jan Lindenau | WELT.de

Im Internet tobt der Streit über den Migrationspakt. Automatisierte Nutzer – sogenannte Social Bots – steuern laut einer aktuellen Analyse fast 30 Prozent aller Tweets dazu bei. Ihr Ziel ist ziemlich klar.


Wer sich in den vergangenen Wochen in sozialen Netzwerken über den Migrationspakt informieren wollte, kam an plumpen Fotomontagen nicht vorbei. Da zieht etwa eine voll verschleierte, übergroße Frauenfigur – vermutlich Angela Merkel – ein Flüchtlingsboot hinter sich her. Ein Nutzer postete es auf Twitter und schrieb dazu „#MigrationspaktStoppen“ und „#Umvolkung stoppen“.

Es gibt viele Accounts, die solche Bilder oder diffamierende Nachrichten twitterten – nur gibt es begründete Zweifel daran, dass dahinter tatsächlich immer ein realer Mensch steckt. Denn eine Analyse der Firma Botswatch, die WELT in Auszügen exklusiv vorliegt, kommt zu dem Schluss: Die Debatte über den UN-Migrationspakt beim Kurznachrichtendienst Twitter ist maßgeblich von Social Bots beeinflusst.

Solche Bots (eine Abkürzung von Roboter) sind Teilnehmer in sozialen Netzwerken, die von Maschinen gesteuert werden. Es gibt verschiedene Arten solcher Bots. Manche reagieren etwa nach bestimmten Mustern auf Mitteilungen anderer und verfassen daraufhin automatisiert Beiträge. So können sie – oder ihre Macher – in Debatten eingreifen und sie lenken.

800.000 Tweets wurden untersucht

Je besser sie programmiert sind, desto schwieriger sind sie von realen Nutzern zu unterscheiden. Ihre Urheber kann man kaum herausfinden.

Mehr als ein Viertel aller Tweets zum Migrationspakt (28 Prozent) ist demnach auf künstliche Teilnehmer zurückzuführen. Den Analysten zufolge liegt der Durchschnitt bei politischen Diskussionen sonst etwa bei der Hälfte (zehn bis 15 Prozent).

Der Anteil von Social Bots auf Twitter, gemessen an der Gesamtzahl aktiver Accounts, liegt bei 14 Prozent. Für ihre Studie zum UN-Migrationspakt untersuchten die Analysten knapp 800.000 Tweets im Zeitraum vom 24. November bis zum 2. Dezember 2018.

Botswatch ist ein „Cyber Intelligence Startup“ aus Berlin, das eine Technologie entwickelt hat, um die Beeinflussung der öffentlichen Meinung auf digitalen Plattformen durch solche Social Bots darstellen zu können.

Das Unternehmen ist darauf spezialisiert, Propaganda und Desinformation vor und während Wahlen und Terroranschlägen automatisiert aufzuspüren. Die Ergebnisse jetzt zeigen, dass der Migrationspakt unter vielen Twitternutzern kontrovers diskutiert wurde: Nicht jeder Tweet, nicht jeder Meinungsbeitrag war dabei Teil einer gesteuerten Kampagne.

Doch der jetzige Anteil von Social Bots ist laut Botswatch so hoch wie seit der Bundestagswahl nicht mehr. Irgendjemand hat offenbar ein großes Interesse daran, das Thema zu befeuern und die Diskussion zu beeinflussen.

Zur Verdeutlichung hat Botswatch eine Grafik mit der Netzwerkwolke erstellt. Sie beruht auf den untersuchten Daten und stellt die Verknüpfungen zwischen den Accounts dar. So lässt sich erkennen, wie stark die Debatte von der AfD getrieben war.

Twitter-Profile in einer Netzwerkwolke: Der Kreis mit echten und künstlichen AfD-nahen Accounts ist deutlich größer als die Ansammlung in Orange, die andere Inhalte verbreitete
Quelle: botswatch



Echte und nicht-echte Akteure machen Meinung

Der zentrale Kreis aus grünen, türkisen und lila Punkten besteht aus echten und nicht-echten Accounts, deren Inhalte AfD-nahe Meinungen verbreiten. Neben offiziellen AfD-Accounts sind hier Profile rechtskonservativer Websites bis hin zu rechtsextremen Aktivisten zu finden.

Durch Retweets und Erwähnungen werden Verbindungen hergestellt. Diese müssen allerdings nicht auf Gegenseitigkeit beruhen. So werden Medien aufgeführt, etwa wenn ein Artikel besonders häufig geteilt und das Medienhaus dazu verlinkt wird.

Je mehr solcher Verbindungen vorhanden sind, desto näher liegen die Punkte aneinander. Die hohe Verdichtung zeigt, wie stark die Erzählung ist – zu sehen in der Grafik im Kreis links.

Eher am Rande findet sich die orangefarbene Wolke, zu sehen rechts in der Grafik. Sie verbreitet ein anderes Narrativ über den Migrationspakt. Die Ausdehnung zeigt, dass die Schnittmengen zwischen beiden Gruppen nur gering sind.

Deutschland „geht den Bach runter“, raunt es

Zu den Narrativen, die die Debatte bestimmen, gehörten den Analysten zufolge Behauptungen, wonach die Bundesregierung versuche, die Öffentlichkeit beim Migrationspakt bewusst zu täuschen. Das Abkommen sei rechtlich bindend, damit hole die Regierung Flüchtlinge nach Deutschland. Es sind Unwahrheiten, die Teil der Desinformationskampagne der AfD und ihr naher Netzwerke sind.

Doch diese Erzählmuster sind nicht nur von Social Bots geprägt, sondern auch von sogenannten „Influence Operations“, also gezielten Kampagnen, in der Regel von Regierungen aufgesetzt.

Von ihnen stammen auch Fotomontagen, die dann vielfach geteilt werden. In der Analyse wird ein Bild von Merkel als Regentin mit Krone gezeigt oder das Bild eines auf dem Wasser treibenden Grabsteins mit der Aufschrift „Deutschland geht den Bach runter“.

Mit solchen Grafiken operieren auch kleinere Kampagnen von Aktivisten. WELT berichtete vor ein paar Tagen zum Beispiel über einen Chat-Kanal, über den sich Anhänger einer rechtsextremen Gruppe zu Anti-Migrationspakt-Kampagnen besprachen und versuchten, in die Debatte einzugreifen.


Die Debatte über den Migrationspakt zog über die Monate an
Quelle: Infografik WELT


Nutzer luden dort selbst erstellte Fotomontagen hoch oder konnten sich Druckvorlagen von Flyern herunterladen. Sie teilten auch E-Mail-Adressen von Bundestags- und Europaabgeordneten, ganze Briefvorlagen kursierten dort. Inzwischen ist der Chat-Verlauf gelöscht.

Auch ihr Hashtag „#migrationspaktstoppen“ taucht in der Analyse auf, spielt aber zahlenmäßig eine untergeordnete Rolle. Am häufigsten nutzten Social Bots den Hashtag „#migrationspakt“.

Die Netzwerkwolke zeigt auch auf, wer Diskussionen angeregt, Inhalte in die Debatte eingebracht hat. Das ist an den einzelnen Inseln zu erkennen, die den Kreis umgeben und mit Accounts im zentralen Kreis verbunden sind.

Auffällig ist, dass der offizielle YouTube-Kanal Verbindungen nach außen zu solchen Ansammlungen aufweist. Bestimmte Netzwerke haben also Videos der Plattform mit Stichwörtern dieser Debatte versehen.

Laut Botswatch-Geschäftsführerin Tabea Wilke zeigt das, „wie erfolgreich künstlich entwickelte Narrative über YouTube in einen Diskurs eingebracht werden können. Oftmals sind es extra für diesen Zweck erstellte Hubs, also digitale Verteilstellen, die sehr effektiv in andere Netzwerke und Diskurse hineinwirken.“

YouTube ist ein zentraler Distributionskanal

Die Videoplattform rangiert auch bei der Rangliste von Verlinkungen ganz oben. Betrachtet man nur die Tweets von Social Bots, so liegt YouTube auf Platz drei. In der Gesamtbetrachtung landet die Seite auf dem zweiten Platz. Sie hat in der Debatte allgemein also einen hohen Stellenwert.

Für die Analysten ist deshalb klar: YouTube ist ein zentraler Distributionskanal für die Kampagne gegen den Migrationspakt. Nicht Twitter, nicht Facebook.

Mit weitem Abstand auf Platz eins landet jedoch die Internetseite „Voice of Europe“, die Botswatch sehr wohl bekannt ist. Bereits bei vergangenen Untersuchungen trat die Website als Verbreiter von Fake News in Erscheinung und wurde auch bei „Influence Operations“ zitiert.

Die Autoren der Studie bilden nicht den gesamten Zeitraum der Debatte ab. Als sie mit ihrer Auswertung begannen, war der Höhepunkt der Debatte in Deutschland bereits abzusehen: Der Bundestag bekannte sich fünf Tage später in einer Abstimmung zum Migrationspakt. Es war also die letzte Chance, um gegen eine Zustimmung Deutschlands zu mobilisieren.

Interessant zudem: Bei den untersuchten Netzwerken gab es Verbindungen zu den Protesten der Gelbwesten in Frankreich. Laut den Autoren der Studie soll so der Eindruck einer grenzüberschreitenden Bewegung hergestellt werden. Und die gleichen Netzwerke, die gegen den Migrationspakt aktiv sind, sind auch im Thema Dieselfahrverbote aktiv.

Auf mögliche Strippenzieher hinter den Social Bots geht die Analyse nicht ein. Aber: „Jemand scheint Interesse daran zu haben, dass diese Debatte geführt wird und dass gezielt Falschinformationen über den UN-Migrationspakt verbreitet werden“, sagt Botswatch-Geschäftsführerin Wilke über den überdurchschnittlich hohen Anteil künstlicher Tweets. „Das Thema eignet sich sehr gut dafür, die westliche Wertegemeinschaft infrage zu stellen.“

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das liebe ich ja an der "welt", dass sie redaktionell trotz einer liberal-konservativen grundhaltung auch die helleren meinungsfarben wahrnimmt und beleuchtet und darüber berichtet. da überlässt sie mir dann die wertung ganz allein - und das ist auch gut so...

und endlich behandelt sie mal die um sich greifenden rechts-populistischen einseitig europaweiten "bots" im internet, die automatisiert und digitalisiert per irgendwelcher algorithmen-maschinen die meinungsforen überfluten, um "masse" zu suggerieren.

das geschieht meines erachtens nicht nur in den (a)sozialen medien, sondern auch in den leserbrief-kommentarforen zu einschlägigen artikeln in den print- und digitalmedien, wo manchmal in 2 stunden mitten am tag 450 einseitig rechtspopulistische leserbrief-kommentare zu einer neuen redaktionellen meldung oder einem kommentar hochgeladen werden. 

und im kleinen belgien ist mit solcherart fake news nun die regierung in eine krise gestürzt worden, denn bis neulich hat sich um den migrationspakt dort kaum jemand gekümmert und auch die rechtsgerichtete flämische nationalpartei n-va hatte diesen pakt zunächst voll mitgetragen, bis man jetzt international per twitter & co. dagegen aufrüstete - da ist die n-va nun ausgestiegen: ein pakt, der die rechtsnormen einzelner staaten nur äußerst peripher tangieren wird, denn er hat nun mal (leider) keine rechtsverbindlichkeit ...

aber da sieht man schon die vermeintliche "macht" dieser "bots"-fluten: in den wahlkämpfen in amerika, um den "brexit" in großbritannien, bei der bundestagswahl mit dem wahrscheinlich bots-gepushten ergebnis der afd und all den folgen, und nun beim migrationspakt.


jimmy - das gummipferd
man sagt ja so gern: leitkultur - und dazu passend auch "leitmedien" (z.b. "tagesspiegel" in berlin) - aber viele menschen lehnen ja "seriöse" meinungsleitende medien für sich ab - und "informieren" sich über die sozialnetze - und lassen sich dann von verschieden auftretenden "#hashtags" und "#shitstorms" und weiteren unbelegten "verschwörungstheorien" "eine meinung aufzwingen": denn mit raffinierter gezielter steter propaganda der gleichen sache in immer neuen massenhaften varianten wird letztlich das hirn weich ... 

und das fatale ist ja: per "shitstorm" kann es ja jeden treffen ... da werden in windeseile mit allen mitteln kleine mücken zu riesengroßen elefanten aufgeblasen: so ähnlich wie früher im "sternchen", den kinderseiten im "stern", "jimmy das gummipferd" - wenn dem der stöpsel vom gummierten schweif gezogen wurde, ging die luft raus und es fiel in sich zusammen ...

und sooo erstaunlich ist die wirkung eines bots ja auch nicht - schon vor 40-50 jahren hielt sich das gerücht, dass kleine eindrückliche zwischengeschnittene bildsequenzen in einem film, für das auge bewusst kaum wahrnehmbar, sich ins unterbewusstsein einschleichen und dass das wunschverhalten durch eine solche "unterschwellige werbung" fast zwingend entsprechend steuerbar wird... allerdings wurden und werden diese mechanismen auch immer wieder angezweifelt - so dass ich nicht weiß, ob das auch "fake news" sind - oder raffinierte bewusste meinungsverwirrungen ...

aber unbestritten ist ja das gezielte cybermobbing auf einzelnen, die ja auch dadurch psychische und physische schäden davontragen können - also da lässt sich durchaus in den blogs und posts etwas absetzen, was die gewünschte wirkung zeigt ... 

solch ein "stöpselzieher" wie beim gummipferd, solch ein einwandfrei funktionierender virtueller bots"filter" wird noch gesucht: aber dann wird es bei den sich hinter bots versteckenden akteuren heißen: "wir sind 'zensiert' worden" ... - und grundgesetz artikel 5 lautet ja: 
Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt. 
jedoch massenhafte fake-"bots" in irgendwelchen meinungsforen jeder art, die in die öffentlichen meinungen einschwappen und sie verwässern und überfluten - das haben die mütter und väter des grundgesetzes nur vom nazi-propaganda goebbels und seinen konsorten gekannt - aber noch mit dem alten volksempfänger-dampfradio ... - da muss heutzutage rasch noch nachgebessert werden ...

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update: taz 

UN-Migrationspakt auf Twitter

Angeblicher Bot-Grusel

Von Meike Laaff | taz



Jeder vierte Tweet zum Migrationspakt soll von einem Bot stammen. Ob wahr oder nicht: Wir müssen viele Infos im Netz genau hinterfragen.

Es ist etwas passiert. Ein Artikel in der Welt ist erschienen, in dem berichtet wird, dass 28 Prozent aller Tweets zum UN-Migrationspakt auf Social Bots zurückgehen. Das soll eine Studie des Berliner Start-ups Botswatch herausgefunden haben.


Das ist das World Press Photo des Jahres 2013. Geschossen hat es der Amerikaner John Stanmeyer für das Magazin „National Geographic“. Es zeigt Flüchtlinge in Somalia, die auf Handyempfang warten, um mit Familie und Freunden daheim telefonieren zu können. Quelle: AFP/Stephan/AO - DIE WELT

Weitere Ergebnisse der Studie, für die das Start-up 800.000 Tweets analysiert hat, die zwischen dem 24. November und dem 2. Dezember veröffentlicht wurden: Der Anteil der Maschinen-Tweets ist angeblich fast doppelt so hoch wie sonst bei politischen Diskussionen. Es sei die Behauptung gestreut worden, dass die Bundesregierung die Öffentlichkeit beim Migrationspakt bewusst zu täuschen versucht habe, dass das Abkommen rechtlich verbindlich sei. Und während die Studie im Volltext nicht öffentlich verfügbar ist, zitiert die Welt die Botswatch-Geschäftsführerin Tabea Wilke mit der Äußerung, das Thema Migrationspakt eigne sich sehr gut, „die westliche Wertegemeinschaft infrage zu stellen“.

Was natürlich bedrohlich klingt: Maschinen, die in unsere handgemachten Diskussionen in sozialen Netzwerken eingreifen.Wobei der Social-Media-Analyst Luca Hammer die nicht öffentlich einsehbare Studie umgehend hinterfragte: auf Basis des Welt-Berichts sei nicht nachvollziehbar, wie Botswatch vorgegangen sei, um die Social Bots zu identifizieren, twitterte er. Drastischer noch: „Es gibt keine Beweise für Bots.“

Doch: Selbst wenn man annimmt, dass die Botswatch-Zahlen stimmen – dass jeder vierte Tweet zum Migrationspakt von maschinell befüllten Accounts erzeugt sei –, dann sagt das erst mal wenig über den tatsächlichen Einfluss auf den politischen Diskurs.

Ungelenk und relativ leicht enttarnbar

Social Bots, das sind Maschinen, die in der Kommunikation mit Menschen vorzugaukeln versuchen, dass sie reale Personen seien. Es gibt sie weit länger als Twitter: Schon Mitte der 1960er schrieb der Mathematiker Joseph Weizenbaum „Eliza“ – ein Programm, das sich als Mensch und Psychologe ausgab: Das waren erste Gehversuche auf dem Weg zu dem, was heute als Künstliche Intelligenz durchgehypt wird.

Auch in sozialen Netzwerken gibt es Bots von Beginn an. Zum Problem wurden sie hochgeschrieben, als Besorgnis aufkam, sie würden genutzt, um politische Stimmungen zu drehen. Als etwa ein Großteil der Tweets zu #Brexit und #Remain den Social Bots zugeschrieben wurde. Und die Angst groß war, dass sie auch bei der Bundestagswahl Einfluss haben könnten.

Die Bedrohung liegt darin, Hashtags als Beleg dafür zu sehen, was Menschen bewegt

Häufig allerdings wirkten diese Social Bots beim näheren Hinsehen wenig bedrohlich: in der Vergangenheit twitterten viele Maschinen vor allem Links zu Spamseiten und Werbung – womit sie höchstens bestimmte Hashtags populär machten. Komplexere Social Bots, die nicht nur retweeteten, sondern sich aktiv in Diskussionen einmischten, gelten vielen Experten bis heute als ungelenk und relativ leicht enttarnbar. Und selbst wenn ein gut gemachter Bot vom Durchschnittsnutzer nicht hinterfragt, sondern einfach geretweetet wird: dass ein Mensch auf Basis eines unbekannten Twitter-Accounts seine Meinung umkrempelt oder bildet, ist Ausdruck viel tiefgreifenderer Probleme als der der Existenz von Twitter-Automaten.

Nicht alles, was im Internet steht, stimmt

Die größte Bedrohung durch Social Bots liegt darin, soziale Netzwerke und ihre Hashtags als hinreichenden Beleg dafür zu sehen, was Menschen gerade bewegt, in welche Richtung sie angeblich tendieren. Gegen diese Fehlwahrnehmung müssen sich vor allem Medien wappnen. Hold the frontpage: Nicht alles, was im Internet steht, stimmt.

Es gibt sie: die Versuche, Diskurse zu beeinflussen, Falschinformationen zu streuen. Das ist in den vergangenen zwei Jahren offenkundig geworden – allerdings wesentlich bedrohlicher durch Einmischungsversuche von Trollfarmen und koordinierten Social-Media-Raids gegen Andersdenkende, wie sie Showmaster Jan Böhmermann im Zusammenhang mit Reconquista Germanica bekannt gemacht hat.

Daraus müssen alle aufgeklärten Internetnutzer lernen. Vor allem die, die mediale Gatekeeper sind: Stimmungen lassen sich nicht faul vom Schreibtisch aus von Twitter-Trends ableiten. Ein neues Misstrauen ist nötig. Auch wenn das mehr Arbeit macht als das Gruseln vor den bösen Meinungsmaschinen.

das ende einer ära | sinedi-art


ausgemerzt - wer folgt ihm nach ?

bearbeiteter ausriss aus welt.de





























Die kulturelle Katastrophe des Scheiterns von Friedrich Merz
 Von Ulf Poschardt, welt.de
Chefredakteur


Mit seiner Bewerbung als Parteivorsitzender stand Friedrich Merz gegen den Zeitgeist: Eigenverantwortung und Leistungsbereitschaft statt Staatsgläubigkeit und Steuerexzess. Wer in der CDU besetzt nach Merz‘ Niederlage diese Position?

Die CDU bleibt konservativ. Mit Annegret Kramp-Karrenbauer hat sich eine Fortschreibung des Status quo durchgesetzt. Wer das Konservative nur mit sakrosankten Werten, Nostalgie und Perlenohrringen verbindet, übersieht die performative Bequemlichkeit eines vulgären Konservatismus. Ihm fehlt die Tiefe. Die neue CDU-Chefin ist Spiegel jenes Soseins der Partei, die sie repräsentiert: provinziell, mit zartem Dialekt, ehrgeizig, leistungsexplosiv, wenn es darauf ankommt, wie bei der empathischen Rede auf dem Hamburger Parteitag. Dass es Deutschland so gut geht, hat mit Menschen und Karrieren wie der von AKK zu tun.

 Friedrich Merz verführte: mit Disruption. Er ging einen eigenen Weg, wenn auch schlecht beraten und mit Fehlern und Patzern. Dennoch hatte man stets das Gefühl, dass er es eben nur so wollte. Da mögen alle vor und nach ihm die „Parteiseele streicheln“ und vor lauter „ich und wir“ Rührung fabrizieren, Merz bestand in seiner Rede auf der Dringlichkeit seiner Themen. Er wollte eine ins Ungenaue diffundierende Partei sortieren und konturieren. Und zwar mit einem fordernden Konzept: dem des Liberalen.

 Merz ist leicht als Konservativer misszuverstehen. Doch eigentlich hat er in diesem Wahlkampf eine andere Bundesrepublik imaginiert. Er hat sich mit dem Staat als Götzen angelegt. Er hat den Bürger, den Einzelnen, den Fleißigen und den Übersehenen in den Mittelpunkt gestellt und sich jede staatliche Einmischung in dessen Dinge weitgehend verbeten.

 Merz hat sich damit gegen einen Zeitgeist gestellt, der gruselig etatistisch und autoritär geworden ist. Die Steuermilliarden, die den Bürgern abgeknöpft werden, munitionieren einen weithin übergriffigen Staat und entmündigen früh und nachhaltig. Die Jahre in der großen Koalition haben den Etatismus in der Union auch im harmonischen Steuergeldverprassen mit den Sozialdemokraten kulturell prägend und alternativlos gemacht.

 Den Grünen ist Staat wichtiger als die Natur

 Die vermeintlich linksliberalen Grünen, an die sich die Union ranschmeißt, lieben den Staat mehr als die Natur. Dass Spitzengrüne nach Steuererhöhungen gieren und von der Regulierung der Wohnwirtschaft über die Gängelung der Autofahrer bis hin zu einer Freiheits- und Leistungsbereitschaft zerstörenden Bildungspolitik jede politische Idee am Ende auf die To-do-Liste des Staates wandert, stört kaum jemanden.

 Die Intellektuellen und Künstler sind entweder umfassend subventionierte Kostgänger des Staates und singen in bequemen Elfenbeintürmen das linksidealistische Lied – oder sie fantasieren sich als Kunst-Jakobiner in die Allmacht des Staates. Man muss auch kein Diplom in marxistischer Medientheorie besitzen, um zu ahnen, warum öffentlich-rechtlich finanzierte Medien in der Regel und im ureigensten Interesse das hohe Lied auf Regierung, Staat und deren Überbau singen.

 Friedrich Merz wollte all das nicht. Er hat Jahre in der freien Wirtschaft verbracht, in der alles, aber wirklich alles von der Leistungsfähigkeit und den Freiheits- und Gestaltungsräumen der Einzelnen abhängt. Die freie Wirtschaft ist das radikale Gegenmodell zu staatlichen Hierarchie- und Innovationsstrukturen. Auch der Reichtum von Merz, eigenverantwortlich erkämpft, hat ihm die innere Unabhängigkeit geschenkt, deren Ausdruck am Ende auch ein etwas verblasener Wahlkampf sein konnte.

 Es geht hier nicht um die Verklärung seiner Person. Er wirkte oft genug alt, blass und fahrig, aber er hat die richtigen Dinge wieder angesprochen. Und seine Darstellung in den Medien ist ähnlich grotesk wie die von Wolfgang Schäuble. Auch Letzterer hat sich die Freiheit genommen, frei zu sein.

 Der ängstliche Bürger will den starken Staat oder den starken Mann – oder beides. Er soll kompensieren, wo es beim fragilen Selbst fehlt. Der ängstliche Bürger drängt politisch an die Ränder, weil er als Mängelwesen dort seine Aufrüstung durch Ideologien erfährt. Der zuversichtliche Bürger will einen Staat, der ihn in Ruhe lässt und ihn nicht ausnimmt wie eine Weihnachtsgans. An diese Bürger hat Merz in einer Partei erinnert, in der dieser Appell bei fast der Hälfte der Delegierten ein Echo fand. Das gibt Hoffnung, auch wenn die Machtkohorten der Partei diese Freiheitssehnsucht ignorieren.

 Bei Merkel war es anders. Es lohnt die Lektüre der Rede auf dem Leipziger Parteitag 2003, als sie die CDU als Antithese zur etatistischen SPD positionierte. „Wann lernt die SPD, dass der Weg zu mehr Staat immer ein Weg zu weniger Wachstum und weniger Arbeit ist?“, fragte sie damals, um sich ganz in den Dienst von Wachstum und Innovation zu stellen. Davon ist bei Merkel nichts übrig. Die Jahre als eine Art Staatschefin haben ihr diese progressiven, emanzipatorischen Gedanken ausgetrieben.

 Das ist eigentlich die kulturelle Katastrophe dieses Scheiterns von Friedrich Merz. Er wird als rechter, konservativer Mann von gestern verspottet, so als wären Neoliberalismus oder Freiheitsernst Moden gewesen. Die Vordenker des Zeitgeistes könnten nicht angepasster sein: Ihr Sozialopportunismus ist kontraproduktiv, oft genug zynisch, immer aber paternalisierend. Daher die Liebe auch zu jenen Schwachen, die kommen, die schamlos zu Opfern gemacht werden, um umso lauter für sie zu sprechen. Jeder Schwache wird instrumentalisiert, um ihn als Munition im eigenen Weltanschauungskampf zu nutzen.

 Liberalismus geht nur mit Mut. Die 48,5 Prozent progressiver Unionisten, die für Merz gestimmt haben, müssen in der Partei hör- und wahrnehmbar bleiben. Wer folgt ihm nach?


 DIE WELT © Axel Springer SE. Alle Rechte vorbehalten.


ach gottchen: da jankern sie nun und lecken ihre wunden nach der niederlage um den cdu-parteivorsitz, die merz-fangemeinde - darunter auch scheinbar der chefredakteur der "welt" - der getreu seinem größten leserkreis, dem er nun mal verpflichtet ist (motto: "wess' brot ich ess', dess' lied ich sing") sich sogar in den begriff einer "kulturellen katastrophe" total versteigt ... - und sein jammer-artikel endet mit dem verzweifelten ruf: "wer folgt ihm [merz] nach?" ...

wieso eigentlich "nachfolgen" - er war doch 15 jahre gar nicht an bord - und ist doch erst vor ein paar wochen wieder als ein trojanisches pferd installiert worden von den entsprechenden kreisen ...

ach ja - das sind schmerzen ... - wenn so ein abgezockter hoffnungsträger, den sich die schäuble-gemeinde in der cdu da aus dem hut gezaubert hat, so sang- und klanglos sich einfach verzockt - und sich nicht mehr zurechtfindet in dieser schnöden bürgerlichen welt ... da halfen ihm auch die jungen frisierten und manikürten schneidigen bwler von der beraterfirma "gauly advisors" nichts, die er sich hat einfliegen lassen, und die ihm seine reden skizzierten und die strategien vorgaben - da war er nach 15 jahren doch von 0 auf 100 etwas aus dem tritt gekommen ...

nun - mich führte das zu einem kurzen "kommentar" im forum zu diesem jammer-artikel - leider kann ich kein päckchen "tempo" zum trost mitschicken:

gerade kulturell gesehen wäre es für mich ein niedergang gewesen, wenn merz cdu-vorsitzender geworden wäre. wenn all über all diese lebenslangen yuppie-typen und macher und nimmersatten emporkömmlinge und kneteeinsacker etwa der kulturelle fortschritt dieses landes sein sollten - dann gute nacht: land der dichter und denker - davon bringt doch der herr merz nichts aber auch gar nichts mit: und die kultur des einarmigen banditen ist ja nun sehr fade und überschaubar ...

 niemand hat merz gezwungen zur 15-jährigen cdu-abstinenz, um dann vor 3 jahren ausgerechnet vom sudoku-spieler schäuble wieder wachgeküsst zu werden - niemand hat merz gezwungen, seine millionen zu machen - denn die hat er nicht er"arbeitet", sondern clever zusammengezockt und spekuliert - der herr poschardt nennt das ja im artikel "eigenverantwortlich erkämpft" - fragt sich nur auf wessen kosten dieser "kampf" in dieser welt insgesamt geführt: die opfer dieses kampfes strandeten 2015 am ungarischen grenzzaun, ehe man sich hier vorübergehend mit "willkommensgrüßen" um sie kümmerte - ... aber merz hat 15 jahre seiner partei und seinem staat die lange nase gezeigt, während andere den kopf für andere hingehalten haben - bei merz ging das immer nur zu seinen eigenen persönlichen gunsten aus - "verdient" hat er seine millionen im eigentlichen sinne nicht ...

wer fährt ...


(volks)partei - wir schaffen das | moderne deutschland



erinnerst du noch die wahl von frau nahles zur spd-vorsitzenden? - und das super-spannende rennen um lindner, als er fdp-vorsitzender wurde? und die direktübertragung der wahlgänge bei den grünen für habeck und baerbock?: das waren doch sternstunden der demokratie ...

nein? daran kannst du dich etwa nicht erinnern? 

nee - das stimmt schon - dazu wurde live im fernsehen fast nichts gesendet - wenigstens nicht stundenlang ...

aber jetzt - die wahl zur neuen cdu-parteivorsitzenden: das war einer "volkspartei" würdig und ganz ganz großes kino - das konnte selbst mit einer bundestagswahl locker mithalten oder mit einem wm-finale - und war beispielhaft für europa und für die welt - ein politisch-demokratischer nachhilfeunterricht...

ich meine das ganz ohne zynismus und hintergedanken: wenn diese partei bei solch einer entscheidung vor einem potenziellen wählervolk sich so gläsern und urdemokratisch präsentieren kann - wenn sie nun nicht in teile und ihre flügel auseinanderfliegt, kann sie sich sogar auf meine alten tage für mich "wählbar" machen...

angela merkel aber, die nun ausgeschiedene cdu-vorsitzende: von ihr habe ich lernen dürfen, dass die alten "rechts-links" kästchen und schubladen und das kungeln wie in einem schützenverein in der partei und in den "flügeln" auch schon mal durchkreuzt werden kann - ganz spontan - und längst überholt ist - gerade auch durch ihre entscheidung zur energiepolitik und den hunderttausenden am ungarischen grenzzaun gestrandeten flüchtlingen, die unsere offenen grenzen innerhalb der eu dann nutzen konnten - und offene grenzen sind für alle offen und müssen offen bleiben - bis sie eventuell mal ganz verschwinden.

und bis zu 10% bösewichte gibt es immer, wo menschen in massen auftreten - und die meisten sind auf irgendeine art und weise heutzutage natürlich "wirtschaftsflüchtlinge", genauso wie ein großteil unserer vorfahren und ahnen auch,  die jetzt vor kriegswirren oder armut in die regionen streben, die ihre länder einstmals ausgebeutet und zerstört haben - oder die in diesen ländern eben ihren giftmüll abladen, ohne sich um die folgen zu kümmern ... - und ehe die bevölkerung dort mitvergiftet wird, macht sie sich, um zu überleben, eben auf den patt ...

und 10 % von 1.000.000 sind 100.000 ... - und wir regen uns über vielleicht insgesamt ca. 500 täter auf ... - und machen frau merkel dafür verantwortlich ... 

die spd hat dieses alte kästchen-denken (noch ?) nicht überwunden, sonst hätte sie längst mehr kontakte zu der "linken" geknüpft und würde die verzweiflungsschlüsse und das abstrampeln von sahra wagenknecht und oskar lafontaine ganz anders begleiten oder aus den jüngsten sympathiekundgebungen für die grünen für sich mehr politisches kapital ziehen: sonne, freiheit, solidarität und partei der arbeit - das steht auf den wahlplakaten von 1920 - 1930 - man sollte sich wieder mehr an den seligen genossen willy brandt erinnern: "wir schaffen das moderne deutschland ...".

angela merkel hat da willy brandt viel wörtlicher genommen - und akk wird das hoffentlich - wenn auch anders - weiterführen ...

ich bin mal gespannt ...