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dreht euch nicht um - der plumpsack geht um ...



Zwischen Wahn und Wirklichkeit

Warum Krisen einen fruchtbaren Nährboden für Verschwörungstheorien bieten

Von Doris Pieper für DIE GLOCKE

Sie schießen aus dem Boden wie Pilze: Verschwörungstheorien. Waren es tatsächlich die Chinesen, die das Coronavirus aus einem Labor in Wuhan freigesetzt haben oder ist doch Microsoft-Monarch Bill Gates die Wurzel des Pandemie-Übels, weil er heimlich den Impfstoff zurückhält?
Warum derzeit teils hanebüchene Behauptungen ins Kraut schießen und sowohl Gehör als auch Verbreitung finden, darüber hat diese Zeitung mit Professor Dr. Michael Schulz von der Stabsgruppe für Klinikentwicklung und Forschung des LWL-Klinikums Gütersloh gesprochen.


rtl.de


Einfache Antworten in hochkomplexen Situationen

„Die Glocke“: Herr Professor Dr. Schulz, was macht Verschwörungstheorien derzeit so attraktiv?

Schulz: Verschwörungstheorien hat es immer schon gegeben. Seit jeher will sich der Mensch die Welt erklären. Das kann er aber nur aus den Mustern seiner Sinne, die ihm zur Verfügung stehen. Kommt es zu einer Krise, egal welcher Art, fühlt er sich bedroht. Findet er beim Krisenmanagement keine für ihn verständlichen Erklärungsmuster, ist unsere Mustererkennungsmaschine Gehirn anfällig für naheliegende und nicht selten spektakuläre Erklärungsansätze. Und Verschwörungstheorien liefern einfache Antworten selbst in hochkomplexen Situationen. Das schafft ein Gefühl der Kontrolle über die Bedrohung.

„Die Glocke“: Inwiefern?

Schulz: Da gibt es immer einen klar definierten Bösewicht oder eine Gruppe von Bösen, denen die Verantwortung für die Krise zugeschoben wird. Und so unplausibel, ja fast paranoid sich so manche Theorie auch anhören mag, es wird gleichzeitig impliziert, dass man mit dem richtigen Mann, der richtigen Methode alles wieder in den Griff bekommen kann. Diese Methode hat nicht zuletzt US-Präsident Trump hoffähig gemacht. Wobei ich nicht weiß, inwieweit er seine Fake News tatsächlich glaubt. Wahrscheinlicher ist, dass er sie eher wegen geplanter Effekte in die Welt setzt.

Bekannte Ansätze werden neu zusammengesetzt

„Die Glocke“: Was bei vielen gut ankommt.

Schulz: Fakt ist, dass Menschen, die das Gefühl haben, übersehen oder in ihren Ängsten nicht ernst genommen zu werden, sich schnell bei Verschwörungstheoretikern wie in einem Club Gleichgesinnter gut aufgehoben fühlen.

„Die Glocke“: Ist der Glaube an diese Theorien dann eine Frage der Intelligenz?

Schulz: Nein. Jeder von uns versucht sich doch derzeit aufgrund der täglich auf uns einprasselnden Informationen ein Bild von der Lage zu machen. Das gelingt mehr oder minder gut, denn es gibt aufgrund des Internets unendliche Möglichkeiten, sich zu informieren. Verschwörungstheoretiker nutzen das, um bekannte Ansätze teils sehr clever neu zusammenzusetzen und als Ganzes neu zu definieren.

Gefangen zwischen Filterblasen und Echokammern

„Die Glocke“: Aber ist das alles Corona-bedingt?

Schulz: Nein. Epi- oder Pandemien, eigentlich jede Krise kann ein Auslöser sein. So gab es Verschwörungstheorien schon zu Pest-Zeiten, bei der Spanischen Grippe, bei der großen Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er-Jahre und bei den Nazis. Besonders besorgniserregend sind jene Verschwörungstheorien, deren Inhalt immer wieder wissenschaftlich widerlegt wurde, die sich aber trotzdem über Jahrhunderte hinweg verbreitet haben. So hält sich beispielsweise seit mehr als 800 Jahren hartnäckig die sogenannte „Ritualmordlegende“, das Gerücht, dass Juden rituelle Blutopfer zelebrieren und dafür kleine Kinder töten. Selbst nach dem Zweiten Weltkrieg wurden geflohene Juden deshalb im Zusammenhang mit Fluchtbewegungen in Osteuropa bei verschiedenen Pogromen getötet.

„Die Glocke“: Gibt es keinen Ausweg aus solchen Ressentiments?

Schulz: Denken Sie an die McCarthy-Ära in den USA, als es die Verschwörungstheorie gab, Hollywood sei von den Kommunisten unterwandert. Damals wurde das „Komitee für unamerikanische Umtriebe“ gegründet, das unter Filmschaffenden und Künstlern Angst und Schrecken verbreitet hat. Die westliche Welt erkannte in der Folge, dass der Hass auf „Kommunisten“ und die anschließende Hetzjagd vor allem auf der Grundlage von Verschwörungstheorien entstehen konnten. Sie wurden in der Folge zunehmend kritisch gesehen und galten vor allem in den 1960er-Jahren als „Religion der Wahnsinnigen“.

Internet vereinfacht Vernetzung

„Die Glocke“: Danach war lange Zeit Ruhe?

Schulz: Ja, bis zum 11. September 2001. Seitdem feiern die Verschwörungstheorien ihre Auferstehung, was maßgeblich mit dem Internet zusammenhängt. Dadurch sind die Möglichkeiten der Vernetzung auch für Verschwörungstheoretiker in vorher nicht vorstellbare Dimensionen gestiegen. Gleichzeitig hat sich das Phänomen der Filterblasen und Echokammern verstärkt.

„Die Glocke“: Das heißt?

Schulz: Wenn ich etwas glaube, dann blende ich in meiner Filterblase alle anderen Meldungen und Meinungen aus. Die Echokammern des Internets verstärken das noch. Denn dort bekomme ich für jede noch so krude Überlegung meine Bestätigung, und ich treffe auf Menschen, die meine Gedanken stützen und mit neuen Argumenten untermauern. Hinzu kommt, dass Verschwörungstheorien nicht selten sehr viel spannender als die Realität sind und das alte Bedürfnis des Menschen, dass das Gute über das Böse siegen möge, bedienen.

„Die Glocke“: Wie kann man sich davor schützen?

Schulz: Wir müssen lernen, die Wahrheit auszuhalten, in Corona-Zeiten begreifen, dass es eben nicht für alles eine Erklärung gibt. Es ist leicht zu sagen, „Bill Gates war’s“ statt anzuerkennen, dass die Natur unbeeinflussbar vom Menschen einen Tod-bringenden Virus gebaut hat. Wir wissen einfach noch zu wenig über Covid-19.

Skepsis und wissenschaftliche Informationen helfen gegen Verschwörungstheorien

  „Die Glocke“: Was also ist zu tun?

Schulz: Wer sich gegen Verschwörungstheorien wappnen will, der braucht einen gesunden Skeptizismus und muss sich viele wissenschaftliche Informationen beschaffen, sich bei wirklichen Fachleuten erkundigen, in Breite und Tiefe recherchieren. Aber die wenigsten haben aufgrund ihrer Arbeit oder der Doppelbelastung durch Beruf und Familie die Zeit und Kompetenz, eine gute Quelle von einer schlechten Quelle zu unterscheiden. Erschwerend hinzu kommt, dass die Verschwörungstheorien oft identitätsstiftend sind. Sie übernehmen eine Funktion, wie sie früher beispielsweise durch die Religion oder die Arbeiterbewegung ausgeübt wurde. Wenn ich verunsichert bin, dann finde ich in einer Gruppe von Gleichgesinnten immer eine Heimat. Und so kommt es eben, dass heute tausende glauben, dass die Kondensstreifen der Flugzeuge am Himmel sogenannte Chemtrails sind, mit denen Bösewichte gezielt Chemikalien in die Atmosphäre bringen, die dann den Klimawandel verursachen oder uns sogar vergiften.

„Die Glocke“: Womit solche Verschwörungstheorien durchaus eine gewichtige gesellschaftliche und politische Relevanz erreichen.

Schulz: Auch das hat es immer schon gegeben, vor allem wenn Politiker in Kooperation mit Geheimdiensten am Werk sind. Deren Aufgabe ist es nun mal, Dinge zu tun, die keiner mitbekommt, und den Nährboden für Verschwörungstheorien zu schaffen. Man denke nur an den Fall Saddam Hussein. Als Erklärung für den Irakkrieg nannte US-Präsident Bush 2003, dass Hussein Massenvernichtungswaffen habe, was sich im Nachhinein als Lüge erwies. Die Amerikaner begründeten damit ihren Einmarsch in den Irak. Im Gegensatz zu den Anhängern von Verschwörungstheorien haben wir es hier damit zu tun, dass Verschwörungstheorien von politisch handelnden Menschen verwendet werden, um zum Beispiel kriegerische Angriffe zu legitimieren oder die Gesellschaft zu spalten. So erleben wir aktuell in Deutschland Meinungsführer, zum Beispiel bei der AfD, die Verschwörungstheorien nutzen, um am politischen System an sich Zweifel zu säen.

Trump hat häufig einfache Antworten auf komplexe Fragen

„Die Glocke“: Besteht da nicht die Gefahr, dass bei all dem Chaos, das da erzeugt wird, wieder einmal der Ruf nach einem starken Mann, der das beseitigt, laut wird?

Schulz: Von Putin über Orban und Erdogan bis hin zu Trump regieren ja schon an vielen Ecken der Welt „starke Männer“. Gerade bei Trump finden wir – ähnlich wie bei Verschwörungstheorien – vielfach einfache Antworten auf komplexe Fragen. Das kann natürlich bei dem einen oder anderen ein Gefühl von Sicherheit in dem Sinn auslösen, dass da einer ist, der weiß, wo es langgeht. Das hilft gegen das Gefühl großer Unsicherheit im Angesicht von Klimawandel, Corona oder anderen Angst machenden Themen.

„Die Glocke“: Gibt es eigentlich auch irgendeine positive Verschwörungstheorie auf dieser Welt?

Schulz: Klar! Elvis lebt.


aus: DIE GLOCKE Lokales Gütersloh


und wenn du vor angst nicht mehr weiter weißt, was da auf dich zukommt, und ob es damit mit dir zu ende ist, dann such dir in den (a)sozialen netzwerken einfach trost & beistand und user, die dir mit ihren likes die tränen trocknen und an deren daten du dich auf deinem laptop anlehnen und erfreuen kannst.

und vor allen dingen: alle frage?zeichen in dir recken die da im netz dir mit ihrer stärke zum ausrufe!zeichen - denn auch auf die entferntesten und verrücktesten fragen haben sie immer eine erklärung - für alles und jedes.

und alles was die wissenschaft (noch) nicht weiß, weil "gut ding weile haben will", weiß man schon längst in der "mitte der gesellschaft" - und glaubt zu wissen - und ist überzeugt von sich und dem eigenen glauben.

und so wird der allerletzte strohhalm zum bewährten mast, an dem du dich in deiner todesangst festklammern darfst: ja - so isses ... - endlich sagt mal einer die wahrheit, die ich auch verstehe (okay - ehrlich jetzt: in der schule hab ich nicht immer gut aufgepasst ...)

denn für alles und jedes gibt es bereits eine plausible erklärung: die sonne bringt es an den tag, nichts blüht im verborgenen, und wenn die "wisenschaftler" da im fernsehinterview ihre berühmte floskel bringen: dieses und jenes "haben wir noch nicht verstanden" - dann kannst du nur verächtlich schnauben - denn du weißt - und weißt und weißt alles und jedes und alles besser... - 

und du allein mit deinen internetfreunden erkennst alle zusammenhänge - und wer sich da zusammenrottet, und wer sich da nicht mehr mit dem ar... anguckt, und wer da wem verpflichtet ist - schon seit jahren - und wer da mit welcher lobby verbandelt ist, um uns alle zu schädigen:

da gibt es in wuhan den herrn wi lei, von der frisch-fleisch-flughunde-lobby, der natürlich von sich weist, das corona etwa von einer fledermaus (so'n quatsch: fledermaus - wenn ich das schon höre...) auf einen flughund als zwischenwirt und von da auf den corona-menschen "sero" übergesprungen sein soll...

und herr wi lei war schon bei seiner bezirksregierung - und hat die machenschaften dieser fuchs-teufels-wild-lobby - allein zum selbstschutz und zur innerpsychischen rundumprophylaxe - mal offengelegt - wenn sie verstehen, was ich meine: also wenn du endlich einmal verstehst, was die stunde tatsächlich geschlagen hat...

umweltschutz = blödsinn - extreme dürre = blödsinn - mittelmeertote flüchtlinge = fake news von den linksgrünversifften kapitäninnen (allein bei dem wort "kapitäninnen" bekomme ich so etwas wie corona-schüttelfrost...), infektionsketten, "r"-faktor, face to face, mund-/nasenschutz = alles blödsinn - alles erdacht, um milliarden zu scheffeln ...

und wusstest du schon, dass bill gates hier hinter unserem änderungsschneider unten an der ecke, neben dem schuhladen, aus afghanistan steckt, der jetzt tatsächlich auch mund-/nasenschutz-masken fertigt ... - ich sag dir - da ist was los .. was im busch, was unter der haube - ach, lass stecken ...

und jetzt gehts mir schon viiiiieeeeel besser ...

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