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BLOG 118: Sennestadtverein: Ein Friedhof erzählt

Alter Friedhof Sennestadt: Neue Broschüre erinnert an die Verstorbenen und ihr Leben

Jeder Grabstein eine Geschichte


Der Alte Friedhof in Sennestadt ist mehr als eine kleine grüne Oase, sondern ein geschichtsträchtiger Ort. Der Sennestadtverein hat jetzt Geschichten von Menschen zusammengetragen, die dort bestattet sind. „Ein Friedhof erzählt – Jeder Grabstein steht für eine Geschichte“ titelt die neue, liebevoll gestaltete Broschüre.

Von Kerstin Sewöster


Die Idee dazu hatte Marion Winkler - und mit der Autorin Christine Kuhlmann dann aufwendig recherchiert, den Namen auf den Grabsteinen eine Lebensgeschichte zu geben. Manche Verstorbene sind noch gut in Erinnerung zumindest der älteren Sennestädter. Der Großbauer Lindemann zum Beispiel, die Familie Sprungmann und natürlich Marie Eikelmann, die letzte ihrer Familie, die auf dem Alten Friedhof bestattet wurde und dank deren Vermögen bis heute Kinder und Jugendliche in ihrer Heimatstadt unterstützt und gefördert werden.

Christine Kuhlmann hat aber auch Geschichten „ausgegraben“, die nicht in jedermanns Bewusstsein sind. Zum Beispiel die des Eduard Vahrenholt, der sicher in die Fußstapfen seines Vaters, des Bleichmeisters Friedrich Vahrenholt, getreten wäre. Doch er starb 1919 mit nur 22 Jahren an den Folgen seiner Kriegsverletzung. Eine Terrazzo-Stele erinnert an ihn.

Der Sennestadtverein hat die Patenschaft für dieses zeittypische Grabmal übernommen, denn auch darum geht es: die steinernen Zeugen zu bewahren.

„Es gibt etwa 32 erhaltenswerte Grabmäler“, erzählt Marion Winkler, Initiatorin der besonderen Friedhofsbroschüre. Für einige Grabstellen haben Familienangehörige die Patenschaft übernommen. Aktuell 13 Grabmal-Patenschaften liegen in den Händen des Sennestadtvereins. Der würde gerne noch mehr übernehmen, allerdings können Kosten entstehen. „Wir bilden jedes Jahr als Verein Rücklagen für die Grabmal-Patenschaften“, erzählt Thomas Kiper, Schatzmeister beim Sennestadtverein. Das Geld wird benötigt, wenn zum Beispiel ein Stein gerichtet oder gesichert werden muss. „Da können schnell mal 1500 Euro zusammenkommen“, erzählt Kiper. Dem Verein ist es wichtig, möglichst viele Grabstellen von Bedeutung zu erhalten.

Einige Grabstellen wurden abgeräumt, weil ihre Zeit abgelaufen war. Sie sind somit unwiderruflich verloren. Vor einigen Jahren hätte dieses Schicksal fast die Steinkissen der Familie Eikelmann ereilt. Marion Winkler entdeckte sie auf dem Gelände des Bauhofes, und so konnten sie gerettet werden.

Doch manchmal ist der Sennestadtverein auch zu spät. Das Grab von Erna Kronshage existiert nicht mehr. Die Familie musste das Grab 2013 räumen; die Liste mit den erhaltenswerten Grabstellen auf dem Friedhof existierte noch nicht. Die junge Frau, intelligent und sensibel, traumatisiert durch die Kriegsereignisse, wurde von den Nazis als „gemeingefährliche Kranke“ eingestuft und zwangssterilisiert. Sie starb 1944 in einer polnischen „Gauheilanstalt“. An Erna Kronshage erinnert noch ein Stolperstein, der an der Kreuzung Verler Straße/Ecke Krackser Straße verlegt wurde – und die neue Friedhofsbroschüre: Sie zeigt die Stelle, wo die junge Frau bestattet, und auch ein altes Foto der Familiengrabstelle.

Der Alte Friedhof in Sennestadt, der in zwei Jahren sein 175-jähriges Bestehen feiert, wird nicht mehr belegt, es finden dort nur noch selten Bestattungen in bestehenden Familiengräbern statt. Der Alte Friedhof soll bestehen bleiben, ebenso wie sein Friedhofscharakter, das ist vereinbart mit dem Friedhofsamt. Allerdings brauchen die alten Grabstellen Pflege, schon aus Gründen der Verkehrssicherheit. Wer die Arbeit des Sennestadtvereins unterstützen möchte, kann zweckgebunden für die Grabmalpatenschaften an den Verein spenden.

Die Broschüre „Ein Friedhof erzählt“ ist in einer Auflage von 1000 Exemplaren erschienen. Interessierte können die Broschüre in Kürze gegen eine Schutzgebühr im Bezirksamt in der Stadtbibliothek und zum Beispiel in der Buchhandlung Kutzner erwerben.

aus: WESTFALEN-BLATT . 20.09.2021





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Reproduktion der Seiten 1, 10/11 u. 28 aus: "Ein Friedhof erzählt", Sennestadtverein 2021



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