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der redaktör - der hat es schwör ...


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SPIEGEL 17/2019 - 

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Der Him­mel trös­tet nicht

Die Pre­digt zum Kar­frei­tag, die Ella de Groot vor sie­ben Jah­ren ge­hal­ten hat, lässt sich heu­te noch auf YouTube an­schau­en. Sie wur­de da­mals im ers­ten Pro­gramm des Schwei­zer Fern­se­hens über­tra­gen und hat ei­ni­ge Zu­schau­er scho­ckiert.

Vor ih­rer pro­tes­tan­tisch-re­for­mier­ten Ge­mein­de in Muri-Güm­li­gen bei Bern spricht die Pas­to­rin über das Kar­frei­tags­ge­sche­hen, die Kreu­zi­gung des Je­sus von Na­za­ret in Je­ru­sa­lem. Sie knüpft an das Mar­ku­sevan­ge­li­um an, das ei­nen Auf­schrei des Man­nes am Kreuz über­lie­fert hat: »Eloï, Eloï, lema sa­bach­tani?«, habe Je­sus in sei­ner ara­mä­i­schen Mut­ter­spra­che ge­brüllt. »Mein Gott, mein Gott, war­um hast du mich ver­las­sen?«

»Die­se Ge­schich­te kann un­se­re Ge­schich­te wer­den«, sagt de Groot, als sie mit ei­nem wein­ro­ten Tuch über den Schul­tern an der Kan­zel steht. Ein Bus­un­fall, ein At­ten­tat, Na­tur­ka­ta­stro­phen, schlim­me Krank­hei­ten, auch dann kom­me häu­fig der ver­zwei­fel­te Ruf nach Gott.

Aber, sagt sie, »Gott ist nicht da«.

In der gut ge­füll­ten Kir­che sind nach­denk­li­che Ge­sich­ter zu se­hen.

Für de Groot, 61, war die­se Kar­frei­tags­pre­digt ein Wen­de­punkt. Heu­te sagt sie: »Ich kann mei­ne Pre­dig­ten von da­vor nicht mehr le­sen« – Tex­te, in de­nen sie noch so ge­spro­chen hat, als ob es Gott gäbe. Da­mit ist sie durch.

Als Athe­is­tin will sie sich al­ler­dings nicht be­zeich­nen, denn sie fin­det: »Athe­is­mus ist zu sehr ein Kampf­be­griff, ver­wen­det von Leu­ten, die ge­nau­so dog­ma­tisch sind wie die The­is­ten.« Ei­nen ernst­haf­ten Ver­such, sie als Pas­to­rin ab­zu­lö­sen, gab es bis­her nicht. Ihre Got­tes­diens­te, die wei­ter­hin so hei­ßen, sind gut be­sucht.

War­um hat sie auf­ge­hört, an Gott zu glau­ben?

Sie er­zählt von ei­nem in­ne­ren Pro­zess, der da­mals zum Ab­schluss ge­kom­men sei. Eine tod­kran­ke Frau habe ihr da­bei ge­hol­fen. Sie hat die­se Frau im Lei­den und Ster­ben be­glei­tet. Sie war da, sie hör­te zu, auch als die Ster­ben­de ge­sagt habe: »Ella, ich bete und bete und bete, aber ich glau­be, der Him­mel ist leer. Was denkst du?« Sie müs­se jetzt ehr­lich sein, habe die Frau ver­langt.

»Mei­ne Ant­wort war: Ja, ich glau­be auch, dass der Him­mel leer ist«, sagt de Groot.

Die Pas­to­rin hat viel Leid er­lebt, zehn Jah­re lang ge­hör­te sie zum so­ge­nann­ten Care-Team des Kan­tons Bern, sie wur­de zu Un­fall­op­fern, ster­ben­den Men­schen und ih­ren An­ge­hö­ri­gen ge­ru­fen, oft mit­ten in der Nacht. »Ich konn­te ih­nen nicht sa­gen, dass es oben im Him­mel ei­nen gibt, der ih­nen hilft. Aber ich konn­te da sein und zu­hö­ren. Trost be­steht nicht aus Wor­ten, son­dern aus ei­ner Hal­tung.«

Ein Pro­blem hat ihr schon lan­ge zu schaf­fen ge­macht: Wie kann ein all­mäch­ti­ger Gott all das Schreck­li­che zu­las­sen, das es auf der Welt gibt?

Es ist eine alte Fra­ge, in der Phi­lo­so­phie wird sie die Fra­ge nach der Theo­di­zee ge­nannt, nach der Recht­fer­ti­gung Got­tes.

Die wohl be­rühm­tes­te Aus­ein­an­der­set­zung um die Theo­di­zee fand zwi­schen dem deut­schen Uni­ver­sal­ge­lehr­ten Leib­niz und dem fran­zö­si­schen Auf­klä­rer Vol­taire statt. Leib­niz leug­ne­te nicht das Grau­en­haf­te, das es auf der Erde gibt, re­la­ti­vier­te aber, dass theo­re­tisch al­les noch viel schlim­mer sein könn­te. Gott in sei­ner Weis­heit habe »die bes­te al­ler mög­li­chen Wel­ten« ge­schaf­fen.

Vol­taire schrieb ge­gen die­se Be­haup­tung sei­nen sa­ti­ri­schen Ro­man »Can­di­de«. Der Held, ein gut­gläu­bi­ger Op­ti­mist, stol­pert von ei­ner Ka­ta­stro­phe in die nächs­te. Sein phi­lo­so­phi­scher Lehr­meis­ter Pang­loss, der in al­lem ei­nen Sinn er­ken­nen will, macht sich in ei­nem fort lä­cher­lich.

Für Ella de Groot ist die quä­len­de Fra­ge, wie die Schöp­fung ei­ner all­mäch­ti­gen Kraft so vol­ler Elend und Bos­heit sein kann, nun ge­löst: »Wenn es Gott nicht gibt, dann gibt es auch das Theo­di­zee-Pro­blem nicht mehr«, sagt sie.

Für Gläu­bi­ge, die zwei­feln und su­chen, bleibt die Sa­che schwie­rig.

Bei Bea­tri­ce von Weiz­sä­cker war es der frü­he Tod ei­nes ge­lieb­ten Men­schen, der sie tief er­schüt­ter­te. Ihr Bru­der An­dre­as starb vor elf Jah­ren mit 51 an Krebs.

Die pro­mo­vier­te Ju­ris­tin, Toch­ter des frü­he­ren Bun­des­prä­si­den­ten Ri­chard von Weiz­sä­cker, ver­ar­bei­te­te den Ver­lust in ei­nem Buch mit dem Ti­tel »Ist da Je­mand? Gott und mei­ne Zwei­fel.« Der Zwei­fel, mein­te sie, kom­me aus dem Ver­stand, der Glau­be »aus dem In­ne­ren«. Sie wol­le bei­des in Übe­rein­stim­mung brin­gen.

Mit ei­nem Gott, der nicht ganz so ma­gisch und macht­voll ist wie in der Bi­bel, fiel ihr das nach dem Tod ih­res Bru­ders leich­ter: »Ich glau­be nicht an Wun­der«, sag­te sie in ei­nem In­ter­view. »Das lee­re Grab, die leib­li­che Auf­er­ste­hung von Je­sus, da­mit konn­te ich nie et­was an­fan­gen.«

Seit zehn Jah­ren ge­hört Bea­tri­ce von Weiz­sä­cker dem Prä­si­di­um des Deut­schen Evan­ge­li­schen Kir­chen­tags an. Ihre Frei­heit, zu sa­gen, was sie denkt, und man­che Aus­sa­gen der christ­li­chen Leh­re zu ne­gie­ren, hat das nicht ge­schmä­lert.

Sie ist jetzt 60 Jah­re alt, und ihre re­li­giö­se Su­che geht wei­ter. »Die buch­stäb­li­che Auf­er­ste­hung kann ich mir nach wie vor nicht vor­stel­len, aber dass der Tod über­wun­den wird, das glau­be ich.« Das »ewi­ge Le­ben«, ja, das gebe es, »nicht nur nach dem Tod, son­dern auch vor der Ge­burt«. Sie hat für ihre Vor­stel­lung ein Bild ge­fun­den, in dem »Gott sei­ner Idee von ei­nem Men­schen wie ein Bild­hau­er ei­nen Kör­per ver­leiht«. Die­se Idee, sie las­se sich als See­le be­zeich­nen, sei schon vor dem Kör­per da ge­we­sen und blei­be nach sei­nem Zer­fall er­hal­ten.

Auf ih­rer spi­ri­tu­el­len Rei­se hat von Weiz­sä­cker auch das Kreuz »neu ent­deckt«, wie sie er­zählt. Der Pfar­rer ih­rer Münch­ner Ge­mein­de habe ihr das christ­li­che Zei­chen auf neue Wei­se na­he­ge­bracht: »Der Quer­bal­ken als die Erde und der ver­ti­ka­le Bal­ken als das in den Him­mel Zei­gen­de«, die­ses Sym­bo­lik fin­de sie »gran­di­os«. Sie lese dar­in, »wie aus ei­nem Sym­bol des Schei­terns ein Sym­bol der Er­lö­sung wur­de«.

Seit­her trägt sie ein Kreuz als Schmuck­an­hän­ger um den Hals.

Re­li­gi­on ohne Jen­seits

In der wohl teu­ers­ten Ein­kaufs­stra­ße Ham­burgs, in den Räu­men der Buch­hand­lung Fe­lix Jud am Neu­en Wall, fin­det ein Ge­spräch über Hu­ma­ni­tät und Re­li­gi­on statt. Jo­hann Hin­rich Claus­sen, Pas­tor und Kul­tur­be­auf­trag­ter der Evan­ge­li­schen Kir­che in Deutsch­land, be­fragt den Phi­lo­so­phen Vol­ker Ger­hardt, der aus der Kir­che aus- und spä­ter wie­der ein­ge­tre­ten ist.

Ger­hardt lehrt an der Ber­li­ner Hum­boldt-Uni­ver­si­tät und hat Bü­cher ge­schrie­ben mit Ti­teln wie »Glau­ben und Wis­sen – Ein not­wen­di­ger Zu­sam­men­hang« oder »Der Sinn des Sinns – Ver­such über das Gött­li­che«. Über be­deu­ten­de Den­ker wie Kant und Nietz­sche, die viel über Re­li­gi­on ge­grü­belt ha­ben, weiß kaum je­mand mehr als er.

An die­sem Abend wäh­rend der Fas­ten­zeit quet­schen sich die Zu­hö­rer bei Fe­lix Jud zwei Stun­den lang auf run­de Ho­cker und Trep­pen­stu­fen; der ehe­ma­li­ge Ham­bur­ger Haupt­pas­tor Claus­sen fühlt sich »an Kir­chen­ta­ge er­in­nert«. Die Bil­dungs­bür­ger der Han­se­stadt sind be­reit für eine welt­li­che An­dacht.

Der Mensch wird ih­nen als so­zia­les, po­li­ti­sches und fra­gen­des We­sen vor Au­gen ge­führt, dann kommt die Spra­che auf Gott. Claus­sen sagt, »dass der Mensch Gott denkt, wenn er ver­sucht, sich selbst zu den­ken«.

Was für man­che wie ein Rät­sel­satz klin­gen dürf­te, weckt bei Ger­hardt Be­geis­te­rung: »Ge­nau­so ist es, ich be­su­che Ihre nächs­te Pre­digt!«

Was könn­te ge­meint sein?

In »Der Sinn des Sinns« kommt Ger­hardt auf Im­ma­nu­el Kant zu spre­chen, der ge­schrie­ben hat: »Wir ma­chen uns ei­nen Gott ... um an ihm den, der ihn ge­macht hat, zu ver­eh­ren.« Der 1724 ge­bo­re­ne Auf­klä­rer hat­te sich von ei­ner über­ir­di­schen Macht ver­ab­schie­det, und wie vie­le an­de­re knüp­fen Claus­sen und Ger­hardt an Kants Ge­dan­ken an. In ih­nen er­scheint Gott als eine Pro­jek­ti­on des Hu­ma­nen, des Gu­ten im Men­schen. Im Be­griff »Gott« ver­birgt sich da­nach ein op­ti­mier­tes Spie­gel­bild der mensch­li­chen Exis­tenz, die im­mer auch voll of­fe­ner und ver­deck­ter Un­mo­ral ist.

Gott – eine Art bes­se­res Ich des Men­schen. Sehr ver­ein­facht ge­sagt.

Auf die spä­ter ge­stell­te Fra­ge, ob er an Gott glau­be, ant­wor­tet Ger­hardt ohne Zö­gern mit Ja. »Und auf die Fra­ge, wo er ist, wür­de ich ant­wor­ten: in der Welt. Gott kann nur dort sein, wo er uns et­was be­deu­tet.« Ir­gend­ein Jen­seits kön­ne das nicht sein.

All die Bi­bel­ge­schich­ten von himm­li­schen Er­eig­nis­sen sei­en »Hilfs­mit­tel für die mensch­li­che Vor­stel­lung«, sagt Ger­hardt. Der his­to­ri­sche Kon­text, das an­ti­ke Um­feld von Pla­ton bis Ci­ce­ro, müs­se beim Chris­ten­tum mit­ge­dacht wer­den. Er ist si­cher: »Wer sei­nen Ver­stand nicht ge­braucht, kann nicht wirk­lich re­li­gi­ös sein.«

Al­ler­dings: Eine Re­li­gi­on ohne Him­mel über­zeugt nicht alle, nicht ein­mal alle Phi­lo­so­phen.

Mar­tin Hei­deg­ger hat über den phi­lo­so­phi­schen Got­tes­be­griff ge­schrie­ben: »Zu die­sem Gott kann der Mensch we­der be­ten, noch kann er ihm op­fern.« Auch »mu­si­zie­ren und tan­zen« kön­ne man nicht vor ei­ner Abs­trak­ti­on.

Dass sich klu­ge und hoch­ge­bil­de­te Köp­fe wie Ger­hardt und Claus­sen auf eine Re­li­gi­on ein­las­sen, die zu­tiefst phi­lo­so­phisch ist, rührt ein­mal mehr an den Grund­fes­ten des Chris­ten­tums. Der Glau­be, dass eine über­na­tür­li­che Macht seit An­be­ginn der Zeit ins Welt­ge­sche­hen ein­greift, ist eine Zu­mu­tung, die im­mer we­ni­ger Men­schen ak­zep­tie­ren wol­len.

Löst man Gott von die­ser tran­szen­den­ten Rol­le ab, bleibt ei­gent­lich nur Men­schen­werk üb­rig.

Aber was soll­te da auch an­de­res sein?

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der spiegel bringt oft zu den großen "hohen" christlichen feiertagen eine titelgeschichte zu kirchlichen glaubensthemen. oft wirken sie so, als bearbeite ein aus der kirche vor jahren ausgetretener gestandener redakteur sein "schlechtes gewissen" darob mit einem "ätschi-bätschi": seht her - anderen geht oder ging es ebenso wie mir ... 

und dann geht es ja dem herrn redaktör ja auch schon viel viel besser, wenn er sich "die seele vom leibe schreiben" darf - um einfach festzustellen: ja - ich gehöre auch zu den soundsoviel prozent, die der kirche und dem glauben den rücken gekehrt haben, und die lieber für all die kirchensteuer mal einmal richtig urlaub machen mit "all-inclusive" und allem drum und dran ... - und ich gehöre zu denen, die an jenem schnickschnack nicht mehr glauben - und an diesem blödsinn auch nicht mehr - und die den lieben gott einen guten mann sein lassen können ...

soweit - so schlecht: denn all diese leute sind in ihrer seelischen entwicklung glaubensmäßig aus der "magischen phase", aus dem märchenniveau, nie herausgekommen - sie bleiben in ihrer eigenen inneren "theologisch-spirituellen" weiterentwicklung einfach zurück - sie sind "steckengeblieben" - und das elternhaus und der religionslehrer ihrer schulausbildung und der konfirmations- oder kommunionspfarrer haben es nicht geschafft, die biblischen geschichten und glaubensrituale als wegzeichen darzustellen, die in einem erwachsenwerden einfach "mitwachsen" und angemessen mitreflektiert werden können - wenn man möchte: es ist ein "angebot"...

natürlicherweise entwächst der mensch seiner kindlich-naiven wortgläubigkeit und fängt an, wie jesus die "bildrede" seiner thoratexte vor 2000 jahren, auch in zeit- und altersgemäßen "gleichnissen" auszulegen, verständlich zu übersetzen in die jeweilige zeit.

und so sind auch wir erwachsene menschen, wenn wir uns die mühe des mitdenkens überhaupt machen wollen, aufgerufen, uns die "bildreden" der beiden bibel-testamente in zeitgemäße navi-wegweiser für unser jetziges und heutiges leben zu "übersetzen" - zu "übertragen" und in reale formen zu gießen, mit denen wir heutzutage etwas anfangen können. 

in einer andacht im internet fand ich ein zitat von dietrich bonhoeffer, das er aus seiner todeszelle 1944 an einen freund schrieb: und darin legt er dar, was ich jetzt mit dem "erwachsenen" bzw. "mitwachsenden" glauben meine - nämlich „verschiedene dimensionen des lebens zur gleichen zeit; wir beherbergen gewissermaßen gott und die ganze welt in uns. wir weinen mit den weinenden und freuen uns zugleich mit den fröhlichen. ... das leben wird nicht in eine einzige dimension zurückgedrängt, sondern es bleibt mehrdimensional-polyphon (vielstimmig). welch eine befreiung ist es, denken zu können und in gedanken die mehrdimensionalität aufrecht zu erhalten.“

und zu dieser sequenz schreibt pfarrerin jutta hoecht-stöhr von der evangelischen stadtakademie münchen: eine solche mehrdimensionalität im denken ist für dietrich bonhoeffer die brücke oder sogar der inbegriff des glaubens. sie hebt uns aus dem gefängnis der reflexe und kurzschlüsse heraus. aus dem gefangensein der puren sorge um uns. sie macht uns aus getriebenen zu solchen, die sich auch in andere hineinversetzen können. sie macht uns frei.

ich habe aus der aktuellen spiegel-titelschichte der oster-ausgabe deshalb hier oben nur den schluss wiedergegeben, in dem der herr "redaktör" auch zeigt: wie bei frau de groot, wie für beatrice von weizsäcker und wie für die herren claussen und gerhardt ihr glauben jeweils mitwächst und mitgewachsen ist und alters- und reifegemäß sie nun begleitet und (in)standhält - ohne dabei den gott ganz abzuschütteln oder abschütteln zu wollen oder zu können - sondern ihn lediglich auch ganz anders kennenzulernen und so "mehrdimensional" zu interpretieren, wie er sich in uns darstellt - meistens aber als zeitlose "inspiration" und als sprudelnder "brunnquell" - der auch im tod als lebensfunke einer seele weiter fungiert - eine seele, die weiß, dass mit dem tod nichts "vorbei" ist - sondern "es" irgendwie, irgendwo, als irgendwas und irgendwann weitergeht: eine zusage, auf die "jetzt und immerdar" unbedingt verlass ist...: "himmel und erde werden vergehen - aber meine worte werden nicht vergehen..." und "am anfang war das wort...".

all die verschriftlichten bilder, die manchmal in todesanzeigen nach einem gestandenen langen leben "mit auf den weg" gegeben werden - dieses "tschüß - im himmel sehen wir uns wieder", ist natürlich nicht wörtlich gemeint - da versagt dann aber eben eine theologisch korrekt angemessene artikulation - und man verliert den philosophischen halt.

weiter oben im hier nichtabgedruckten teil der titelgeschichte steht dazu etwas von dem theologieprofessor (!) klaus-peter jörns: "an so eine mirakulöse geschichte kann ich nicht glauben. leichen fahren nicht gen himmel." jörns sagt dann, wie viele andere seines fachs auch, man müsse die berichte vom leeren grab zu ostern und weite teile der bibel eben als eine symbolbehaftete "bildrede" verstehen - und ich füge hinzu: als im wahrsten sinne des wortes laut gewordene "ein-bildung" als symbol - als zeichen - für irgendetwas verstehen lernen (!)...: "da war mir doch tatsächlich soundso ... - als wenn mir der boden unter den füßen... - und ich meine auch, ich hätte noch - aber genau sagen kann ich es nicht ...- ich fühlte mich wie geduscht und war völlig fertig - da bekam ich keine luft mehr - ... aber ich hatte mich wohl nur getäuscht..." - usw.

oder: als eine verwandte starb, sahen zwei bis drei beerdigungsteilnehmer den seit jahren aus der familie "verstoßenen" bruder hinter zwei büschen abseits stehen und an der beisetzung teilnehmen - darauf hätten diese "zeugen" sogar jeden schwur auf sich genommen ...

und wenn man dann 80 - 150 jahre später nach einem solchen ominösen begräbnis für ein gewaltopfer wie jesus dieses ereignis auch damals schon als schreibkundiger sterblicher redaktör quasi in eine "propagandaschrift" zu texten hatte, vielleicht sogar auf honorarbasis - wie diese vier evangelisten - um sogar andere menschen zum teil aus ganz anderen kulturkreisen und sprachen entsprechend der eigenen überzeugungen und auftraggeber und familien- und gemeindeüberlieferungen als gefährten international - über die eigenen grenzen hinaus - zu gewinnen, zu "missionieren" - dann bedient man sich den "slogans", den (damaligen) verführungen der sprache, den "bildern", den "übersetzungen", den "verpackungen" für eine "story" - wie ja auch der ehemalige spiegel-redaktör relotius heutzutage einer solchen erwartungshaltung tribut zollte - und jeder der angesprochenen zeitzeugen wusste vielleicht auch damals schon, wie es gemeint war - übersetzte sich den text: jeder nach seiner façon ...

aber der tatsächliche jesus - und der mit ihm und mit uns verbundene gott, von dem jesus immer als sein "abba" - als sein "papa" - sprach - und den er im "über-all" verortete - was dann profan als "himmel" übersetzt wurde - dieser jesus war mit gottes hilfe und verliehener kraft und mut eben dieser heiler der armen und kritikaster der tempelaristokratie und schriftenausleger und übrsetzer der thora in damals zeitgemäße begriffe geworden - und genau das ist aufgabe von seelsorge und begleitung und predigt und schriftauslegung auch heute - und das ist die aufgabe aller menschen, die neben einem äußerlichen leben auch noch ein inneres leben, einen inneren dialog (mit gott) pflegen ... - das war so - das ist so - das wird immer so sein ...: da ist verlass drauf - ganz in echt jetzt ...

und nix für ungut - und chuat choan - und schöne ostern ...




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