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in fakes verrannt

click here  oder in "Spiegel" Nr. 23/2019, S. 112 ff. lesen ...


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Die NEUE WESTFÄLISCHE schreibt am 03.06.2019 auf ihrer "Kultur/Medien"-Seite dazu:
Skandal: Die deutsche Bloggerin Marie Sophie Hingst hat wohl gar keinen Großvater, der Auschwitz-Häftling war. Holocaust-Opferbögen hat sie gefälscht
Jüdische Familie frei erfunden

Sie galt als engagierte Kämpferin für Holocaust-Opfer, ihr Opa war angeblich in Auschwitz. Sie moderierte Podiumsdiskussionen für den Förderkreis des Berliner Holocaust-Denkmals, engagierte sich bei der Jewish Society ihrer Universität und meldete sogar die Namen von 22 angeblichen Holocaust-Opfern bei der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem. Doch nun wird bekannt: Die erfolgreiche deutsche Bloggerin Marie Sophie Hingst, die in Dublin lebt, hat ihre jüdische Familiengeschichte frei erfunden.

Wie der Spiegel berichtet, hat die promovierte Historikerin gar keine jüdische Verwandtschaft. Ihr Großvater war evangelischer Pfarrer und nicht, wie angegeben, Auschwitz-Häftling.

Hingst habe 22 gefälschte „Pages of Testimony“, sogenannte Opferbögen, in Yad Vashem eingereicht, die den Eindruck erwecken, dass große Teile ihrer Familie im Holocaust umgekommen seien. Unterlagen des Stadtarchivs zeigen allerdings, dass die Bloggerin aus einer evangelischen Familie stammt. Von den angeblichen Holocaust-Opfern haben wohl nur drei wirklich gelebt, schreibtDer Spiegel. Darüber hinaus hat Hingst in ihrem Blog mehrmals behauptet, dass sie eine Slumklinik in Neu Delhi gegründet und dort eine Sexualberatung für junge indische Männer angeboten habe. Seit 2016 habe sie in einer Arztpraxis auch syrische Flüchtlinge in Deutschland beraten, wie sie bei Zeit Online unter dem Pseudonym Sophie Roznblatt behauptet hatte.

Die Berliner Historikerin Gabriele Bergner war auf den Fall aufmerksam geworden. Mit einer Anwältin, einem Genealogen und einem Archivar hatte sie sich über die Unstimmigkeiten in Hingsts Blogeinträgen ausgetauscht. Mitarbeiter des Stralsunder Stadtarchivs haben gegenüber demSpiegelvon „falschen Identitäten“ gesprochen. Aus der Stadt sollen acht der angeblichen Holocaust-Opfer aus Hingsts Familienumfeldherstammen. Bis auf einige Namen, seien die Umstände frei erfunden gewesen. Die Stralsunder Behörden haben das Auswärtige Amt nun gebeten, die Gedenkstätte Yad Vashem zu informieren, dass die von Hingst eingereichten Formulare wohl gefälscht seien.

Die Chefredaktion von Zeit Online zeigt sich erschüttert. „Nach derzeitigem Stand müssen wir davon ausgehen, dass die in unserem Beitrag geschilderten Ereignisse weitgehend falsch sind“, schreibt die Chefredaktion in ihrem Blog Glashaus. „Die Autorin hat Teile ihrer Biografie erfunden, andere verfälscht, und mit großem Aufwand jahrelang öffentlich vorgetäuscht, eine Person zu sein, die sie nicht ist.“ So nutzte Hingst offenbar die Identität einer verstorbenen Person, um in deren Namen E-Mails an die Redaktion zu schreiben. Selbst Teile ihres engeren Umfelds würden ihren Schilderungen bis heute glauben, so die Chefredaktion. Zeit Online habe die Autorin mit den Recherchen konfrontiert, sie möchte sich allerdings derzeit zu den Vorwürfen nicht äußern.

Dem Spiegel teilte Hingst über einen Anwalt mit, dass die Blogeinträge „ein erhebliches Maß an künstlerischer Freiheit für sich in Anspruch“ nähmen. „Es handelt sich hier um Literatur, nicht um Journalismus oder Geschichtsschreibung.“ Berühmt wurde Hingst durch ihren Blog „Read on my dear, read on“. In den vergangenen Jahren erhielt sie zahlreiche Würdigungen für ihre Arbeit.

2017 wurde sie von den Goldenen Bloggern zur „Bloggerin des Jahres“ gewählt, bei der Preisverleihung warb sie, mit leiser Stimme und bescheidenem Auftreten, für eine Freilassung von Deniz Yücel, dem sie Postkarten ins Gefängnis geschickt haben soll. Im letzten Jahr erhielt sie für einen Essay den „Future of Europe“-Preis der Financial Times.

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es ist schlimm, dass es menschen gibt, die sich mit der not und dem gewaltsamen opfergang erfundener menschen regelrecht "schmücken" und aufmotzen wollen oder müssen, um auf- und ansehen zu erheischen - die dazu holocaust-opfer aus der eigenen familie einfach erfinden und hinzudichten - und denen es scheinbar spaß macht, ihre follower und user in den dazu betriebenen einschlägigen lügenblogs - und in diesem fall sogar noch mit der überschrift "read on my dear, read on" - zu täuschen, in denen sie ihre so bewusst erdachten lügen verbreiten und sich mit echter anteilnahme "bedauern" und mit preisen dafür "feiern" lassen - und nach dem auffliegen sagen: "was regt ihr euch auf - das ist doch alles als erdachte literatur gemeint gewesen"...

das spiel mit identitäten, mit rollen und masken ist ja uralt - und gerade auch in der "darstellenden" kunst: im theater und im film sowieso - und wenn ich zur biennale nach venedig blicke, bespielt den deutschen pavillon dort eine dafür nominierte künstlerin, die sich "natascha süder-happelmann" nennt, ja auch mit "falschen identitäten" und wechselnden namen und trägt einen pappmaschee-steinkopf, um ihr "antlitz" darunter zu verbergen, und spricht nicht selbst sondern lässt stellungnahmen verlesen...

hinter solchen strategien verbirgt sich oft im kern für mich auch immer etwas von "sich-nicht-stellen-können", von "dahinter-verstecken" und von verantwortungsverweigerung und verdrängung - von "tauber nuss"...

als eigenständige kunstform ist das ja vielleicht im digitalen heutzutage und hier & jetzt als "spiel" noch akzeptabel - und theater und film leben ja vom rollenspiel der darsteller - aber im historisch-urkundlichen real-bereich führt man damit das in der verfassung ja besonders gehütete, im alltag aber auch gern inflationär benutzte und oft nur vorgeschobene grundrecht des persönlichkeitsrechts mit dem damit verbundenen "persönlichkeitsschutz" meines erachtens ad absurdum: jeder legt sich dann bald mehrmals wechselnd ungekennzeichnet seine identitäten zurecht, die ihm gerade zupass kommen - und wechselt die je nach "stimmung" wie die kleidung - im internet ist das ja schon lange gang und gäbe: "wer bin ich - und wenn ja wie viele?" lautete der titel von precht schon vor über 10 jahren - und jetzt haben wir dazu den identitäts-schnipsel-"salat". und ein paar migranten tragen drei oder vier verschiedene gekaufte oder erkungelte identitätspapiere bei sich, mit verschiedensten fantasie-namen und geburtsdaten...

doch im spiel mit (er- und gefundenen) identitäten balanciert man auch gemeinhin immer auf dem drahtseilakt zwischen "genie & wahnsinn" entlang: wenn das rollenspiel pathologisch ausartet und man wie in der schizophrenie den inneren identitätshalt ganz verliert oder vergisst und nicht mehr aufgefangen wird - und nicht mehr weiß, wer man ist: so lässt sich in den psychiatrie-diagnosen zum verhalten von frau hingst auch eine "artifizielle störung" ausmachen, die man treffend mit "münchhausen-syndrom" bezeichnet - aber ein solches verhalten gibt es ansatzweise auch bei der "borderline"-persönlichkeitsstörung (bps). doch ich will hier nun nicht laienhaft herumstochern - denn mit einer einschlägigen diagnose würde ja frau hingst sogar noch entlastet - etwa im sinne von "sie konnte ja gar nicht anders"...

besonders wütend bin ich darüber, dass sie damit auch den leuten der rechts-populistischen couleur in die hände spielt, die schon lange die kolportierte opferzahl der shoah öffentlich in zweifel ziehen - und damit das tatsächliche opferleid all der nazi-morde verunglimpfen - und die ja sowieso schon "fake news" hinter jeder ecke vermuten und "lügenpresse" krakeelen - und diesen "fall" jetzt sicherlich "nutzen" für ihre thesen.

da macht diese frau tatsächlich ihren echten abschluss als historikerin und erfindet sich dann für die eigene familie und person ihre "familien-historie", um damit falschen eindruck zu schinden - leute an der nase herumzuführen und falsche preise für die blogs einzusammeln - und: falsches mitleid ... : das ist für mich im wahrsten sinne des wortes einfach nur bodenlos "niederträchtig".

insgesamt erinnert dieses gebaren für mich schon an den "fall relotius", wo ein spiegel-redakteur ein großteil seiner veröffentlichten recherchen einfach erfunden hat, ebenfalls um eindruck zu schinden und preise einzuheimsen.

okay - hochstapler hat es immer gegeben - auch menschen mit eigenartigsten macken: aber dass man mit erfundenen leiden und falschen massenmord-leichen einfach nur eindruck schinden will, ist für mich schon einigermaßen pervers und höchst makaber. 

im kurzen spiegel-video dazu wird ja auch vermutet, dass es eben milieus gibt, gerade auch da wo diese frau hingst lebt und gelebt hat, wo man damit eindruck schinden konnte und kann und zuwendung bekommt. frau hingst hatte 240.000 follower für ihre blogs, die mit ihren erstunkenen und erlogenen "münchhausen"-geschichten mitfieberten...

und mit den in meinen memorial-blogs veröffentlichten seriösen recherchen tatsächlicher familiengeschichtlicher fakten  zur "erna-story", dem ns-euthanasiemord-protokollen meiner tante erna kronshage, fühle ich mich durch solche falsche und spinnerte "forschungs-kolleg*in", die auch noch akademische abschlüsse als anscheinend "echte" historikerin vorweist, aufs höchste diskreditiert.

gut, dass ich von anfang an mit meinen schon in die 80er jahre zurückreichenden recherchen dann vor gut 10 jahren direkt an die öffentlichkeit gegangen bin - und die relevanten echt vorhandenen beurkundungen dieses opferschicksals erst verschlüsselt, dann aber bald schon mit klarnamen, jeweils in den blogs und magazinen mit reproduziert habe - so dass sie sich von jederfrau oder jedermann in den angegebenen auch amtlichen quellen jederzeit tatsächlich auch verifizieren und überprüfen lassen.

bei diesen von den nazi's und allen beteiligten und deren helfern wie am fließband industriell und kleinteilig aber zum kriegsende hin immer weniger bürokratisch betriebenen massentötungen mit anschließender vernichtung der unterlagen dazu, ist dazu eine äußerst diffizile puzzle-arbeit vonnöten.

einiges an bildmaterial in den magazinen habe ich jeweils dann gekennzeichnet, wenn es lediglich der reinen symbolhaften situations- und milieu-illustration dienen soll - eben auch weil "ein bild mehr sagt als 1000 worte", und weil man bis ende der 40er jahre - und dann auch im krieg - wenig an einschlägigen bildmaterialien erstellt und schon gar nicht dokumentiert hat bzw. erstellen konnte, im vergleich zum schon fast inflationären digitalen "knipsen" z.b. mit dem smartphone heutzutage.

und doch ist natürlich die bildliche darstellung in der geschichts(be)schreibung zum holocaust und zu den kranken- und nazi-morden gerade für junge menschen heutzutage besonders aufschlussreich, weil man viele alltägliche gegebenheiten und das jeweilige milieu aus der damaligen zeit erst im bild plausibel nachvollziehen kann.

gerade die "story" um erna kronshage ereignete sich ja darüberhinaus auch an der schwelle vom endgültigen niedergang des lokalen ländlich weitläufigen acker-milieus - hin zu einer urbanen und industriellen allgemein-entwicklung, die man besonders auch hier in der lokalgeschichte von ernas geburtsort senne II hin zur "sennestadt" und jetzt als südlicher randstadtteil von bielefeld bildlich und ideell mit nachvollziehen muss, wenn man das opferschicksal ernas auch an diese flankierenden, auf die psyche und werte einer heranreifenden jungen frau aber einwirkenden geschehnisse mit "be-greifen" und einigermaßen nachvollziehen will.

click zu dem "fall hingst" auch hier - und hier ... 


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