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You'll Never Walk Alone - Am Ende des Sturms wartet ein goldener Himmel - die internationale Corona-Hymne

Radio-Aktion in Coronakrise

Am Ende des Sturms wartet ein goldener Himmel - 

Europaweit spielen Radiostationen gleichzeitig "You'll Never Walk Alone". Ein Lied, das schon durch viele Krisen getragen hat. Und wie!

Von Holger Gertz | sueddeutsche.de

Freitagfrüh, 8.45 Uhr, wurde europaweit auf vielen Radiostationen ein- und dasselbe Lied gespielt, You'll never walk alone, unter anderen bei Bayern 2, WDR 2, 1Live, SWR3 und bei Deutschlandfunk Kultur war es zu hören, bei BBC 1, Ö1 und überall. Der niederländische Radiomoderator Sander Hoogendoorn hatte die Idee: Ein Lied, das die Nationen verbindet, sollte es sein - in Tagen, wo sich draußen fast niemand mehr umarmen darf. Eine Hymne mit einer Botschaft. Hoogendoorn schrieb: "You'll Never Walk Alone wäre erste Wahl, denn es könnte die ansprechen, die im Moment eine unglaubliche Arbeit im Gesundheitswesen leisten, die krank sind oder die ihr Haus für eine Weile nicht verlassen können."

You'll Never Walk Alone - Kenner nutzen im Alltag das Kürzel YNWA - ist eigentlich ein Song aus dem Musical Carousel, Musik von Richard Rodgers, Text von Oscar Hammerstein II. Es wurde 1945 am Broadway in New York uraufgeführt, richtig populär wurde es aber erst, als Gerry & the Pacemakers es 1963 coverten, eine Band aus der englischen Arbeiterstadt Liverpool, in der man leidenschaftlicher singt als anderswo, und in der man auch leidenschaftlicher kickt. So kam eins zum anderen.

YNWA ist ein einfaches, aber deshalb nicht weniger kraftvolles Lied. Es handelt von Hoffnung, die angeblich nie restlos aufgebraucht ist, und von der Solidarität untereinander. YNWA würdigt den Menschen als Gruppenwesen - und ist deshalb gerade heute so berührend, wo der Mensch wegen Corona weltweit auf sich selbst zurückgeworfen ist und lernen muss, dass Begegnungen mit anderen kaum mehr möglich sind.

When you walk through a storm
Hold your head up high
And don't be afraid of the dark.
At the end of a storm
There's a golden sky
And the sweet silver song of a lark.

Wenn Du durch einen Sturm gehst
Halte Deinen Kopf hoch
Und hab keine Angst vor der Dunkelheit.
Am Ende des Sturms
Wartet ein goldener Himmel
Und den süßen silbernen Gesang einer Lerche.

Seine heutige Bedeutung wuchs dem Lied zu, als es beim FC Liverpool, im legendären Stadion an der Anfield Road, von den Fans gesungen wurde. Der Stadionsprecher dort spielte schon in den Sechzigern vor dem Spiel seine Lieder, YNWA war bald so bekannt, dass die Fans imstande waren, es ganz allein weiterzusingen, wenn der Lautsprecher mal ausfiel. George Sephton, seit 1971 Liverpools Stadium Announcer, hatte früher immer drei Vinyl-Platten mit der Aufnahme in seiner Sprecherkabine dabei, zur Sicherheit, falls zwei Scheiben einen Sprung haben sollten. Inzwischen hat er einen Stick im Gepäck. Er spielt das Lied vor jedem Spiel.


ähhh - dies ist ein artikel aus der "süddeutschen zeitung" - und der verlagsort ist in bayern, in münchen - wohlgemerkt: münchen. und das ist für mich die einzige erklärung dafür, dass der autor holger gertz nicht einmal erwähnt, wie dieser legendäre song auch vor jedem borussia-dortmund-spiel von über 80.000 fans rituell mit hochgerecktem fanschal über dem kopf stimmungsvoll intoniert wird. deren aufführung steht dem gesang an der anfield road nicht viel nach.

und heute abend sollte wegen der corona-krise in dortmund um punkt 19.09 uhr (gründungsjahr borussia dortmund: 1909) aus den fenstern der wohnungen im kreuzviertel in dortmund mit einem balkonsingen nach italienischem vorbild das lied erschallen - aber es wurde nur von ein paar balkonen aus mitgemacht - und ist durchaus noch ausbaufähig.

unvergessen ist mir noch der trauer-gottesdienst 2009 für den nationaltorhüter robert enke, in dem die damalige regional-bischöfin margot käßmann den text dieses songs zur grundlage ihrer predigt machte. robert enke litt an einer schleichenden in schüben immer wiederkehrenden depression, die ihn dazu brachte, seinem leben ein ende zu setzen.

insofern ist es eine symbolträchtige idee - mit dieser "corona-hymne" in der krise: You'll Never Walk Alone

und hier im idunapark-original:

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