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alles anders???



in einigen gesprächen in den letzten tagen zu den 
kernsätzen: "jetzt ist alles ganz anders" - und "das haben wir noch nie erlebt" habe ich "aus dem bauch heraus" immer wieder behauptet, in meinem leben hätte ich bestimmt schon "gefühlte" 2-3 durchaus ähnliche wenn auch nicht vergleichbare pandemien mitgemacht.

aber dies sei sicherlich die erste, die solche umfassenden schutzmaßnahmen auslöse...

okay - schauen wir mal zu den grundlegenden fakten: grundlage für die anordnungen und durchführungen all dieser derzeitigen schutzmaßnahmen hier & jetzt ist das "infektionsschutzgesetz", das 2001 u.a. das sogen. "bundesseuchengesetz" ablöste.

wikipedia informiert dazu: 
Das Gesetz reagierte auf die Ergebnisse des Untersuchungsausschusses des Deutschen Bundestages „HIV-Infektionen durch Blut und Blutprodukte“ und setzte die EU-Richtlinie über die Qualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch sowie die Entscheidung des Europäischen Parlaments und des Rates über die Schaffung eines Netzes für die epidemiologische Überwachung und die Kontrolle übertragbarer Krankheiten in der Gemeinschaft um. Es institutionalisierte das Robert Koch-Institut als epidemiologisches Zentrum anstelle des schon 1994 aufgelösten Bundesgesundheitsamts und fasste die aufgehobenen Gesetze und Verordnungen zu einem einheitlichen Regelwerk zusammen.
  • Nach den Erfolgen über die Nachkriegsseuchen wie Typhus, Ruhr, epidemische Hepatitis A oder Kinderlähmung und Tuberkulose war im deutschen Gesundheitswesen die Bekämpfung von Infektionskrankheiten in den Hintergrund getreten. 
  • Das Auftreten von AIDS und BSE, die Zunahme multiresistenter Erreger im Krankenhaus und die Befürchtungen vor anderen, noch nicht entdeckten oder zwar bekannten, aber in ihrem Virulenz- und Resistenzverhalten veränderten Erregern haben das öffentliche und wissenschaftliche Interesse an infektionsepidemiologischen Fragestellungen in den 1980er Jahren wieder geweckt. 
  • Zugleich hatte 1994 der Bundestags-Untersuchungsausschuss bestehende Strukturdefizite im Meldesystem und im Risikomanagement bei der frühzeitigen Erkennung übertragbarer Krankheiten aufgedeckt, die zu vermeidbaren HIV-Infektionen über Blut und Blutprodukte geführt hatten. 
  • Über die Verabschiedung des Transfusionsgesetzes im Jahr 1998 hinaus sah der Gesetzgeber deshalb Handlungsbedarf zur Verhinderung übertragbarer Krankheiten durch die Wiederbelebung der klassischen Aufgabenfelder des öffentlichen Gesundheitsdienstes. Vorbild waren die US-amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention.

soweit wikipedia hierzu.  - 

nun aber zu "meinen" gefühlten überstandenen pandemien, die sooooo anders als die jetzige neue #coronavirus-pandemie nun wirklich nicht waren. nur der zeitgeist, die globalen informationen "in echtzeit" mittels internet - und die vorsichts-sensibilitäten der verantwortlichen gremien und ämter und die darstellungskriterien und -pflichten des mit der neuen gesetzgebung ab 2001 beauftragten "robert-koch-instituts" statt des früheren und inzwischen aufgelösten "bundesgesundheitsamtes" trifft auf einen jetzt dafür empfänglicheren zeitgeist - der zunächst einmal in der wirtschftswunderzeit nach dem wiederaufbau oder im zuge der wiedervereinigungs-regelung undenkbar gewesen wäre.

ich wurde 1947 geboren - und nach den resten aus den infektionskrankheiten, die der krieg lokal mit sich gebracht hatte (typhus, ruhr, tb, diphterie-epidemie mit ca. 3 mio. erkrankungen!, kinderlähmung,) ergaben sich

  • 1957/1958 eine virusgrippe: asiatische grippe (influenzavirus A/H2N2) ausbreitung weltweit - mit 1–2 mio. todesopfer;
  • seit 1961 eine immer noch schleichend fortlaufende cholera - weltweit - mit mehreren millionen todesopfern;
  • 1968–1970 eine virusgrippe: hongkong-grippe   (influenzavirus A/H3N2) - weltweit - mit mindestens 1 mio. todesopfern - in deutschland 30.000 menschen;
  • 1977–1978 eine virusgrippe: russische grippe  (influenzavirus A/H1N1) - weltweit - mit ca. 700.000 todesopfern - vornehmlich menschen ab jahrgang 1957;
  • seit 1980 HIV - weltweit - bis jetzt ca. 36 mio. todesopfer - deutschland bis 2012: 27.000 todesopfer;
  • 1995-1996 eine virusgrippe - weltweit - in deutschland: schätzungsweise 8,5 mio erkrankte, 30.000 tote;
  • 2002-2003 SARS-CoV - weltweit - mit 774 toten - 1. pandemie des SARS-assoziierten coronavirus (!);
  • 2004-2005 eine virusgrippe - weltweit - in deutschland: 6 mio. erkrankte, 2,4 mio. arb.ausfälle, 20.000 tote;
  • seit 2004 eine virusgrippe: „vogelgrippe“      (influenza-A-Virus H5N1) - weltweit - mind. 450 tote - seit 2016 abklingend;
  • 2009–2010 eine virusgrippe: „schweinegrippe“   (influenzavirus A/H1N1 2009) - weltweit - min. 18.500 tote - in deutschland 258 todesfälle
  • und eben jetzt die covid-19-#coronavirus-pandemie - weltweit - ende offen... 
(Quelle: wikipedia)

und auch die vergangene "normale" "grippe-welle" soll in deutschland ca. 25.000 todesopfer gefordert haben.


und ich habe hier oben ja nur die weltweiten und deutschland-involvierten pandemien und epidemien aufgezählt von 1947 bis heute - nationale und lokale epidemien gab es weitere - und vor 1947 natürlich auch - und zwar reichlich...

alles in allem kann ich also sagen: soooooviel neues unter der sonne gibt es nicht - natürlich haben die erreger immer ein anderes aussehen und eine unterschiedlich aggressive ansteckungsgefahr und ausbreitungsgeschwindigkeit - bzw. unterschiedliche exponentiell sich ausbildende ausbreitungsherde mit unterschiedlichen erkrankungszahlen wie beim wetter - wo es denn so herzieht: die wissenschaft rätselt hier noch über den völlig eigenwilligen sprunghaften "verteilungsschlüssel" der infektionen.

"früher hat man pandemien laufen lassen", sagt auch der staatsrechtler christoph gusy im gespräch mit der redaktion der "neuen westfälischen": "etwa bei der hongkong-grippe von 1968 bis 1970, bei der über 30.000 menschen starben." (s.o.). inzwischen reagiere man schneller auf gefahren. "in unserer gesellschaft ist die erwartungshaltung, dass der staat uns schützt, erheblich gestiegen. und mit ihr die fähigkeiten der medizin."

dieser aussage von herrn gusy hänge ich noch etwas nach - und ich frage mich: was war zuerst - huhn oder ei?: die bürger, die die erwartungshaltung haben, dass der staat sie schützt - oder die regierungen, die die bürger meinen "auf deubel kommraus" schützen zu müssen, mit "knallharten" direktiven und einschränkungen vieler grundrechte - ohne dass man vielleicht in ausreichendem maße an die selbstverantwortung jedes einzelnen für seine ureigene gesundheit und für das nicht-weiter-tragen des eventuellen virus appelliert?

unsere nachbarn, die niederländer, haben das ja versucht - und ähnlich ja auch die briten - aber dort ist man jeweils gescheitert mit solchen appellen und der priorität einer "herdenimmunität" vor dem hier vom robert-koch-institut bevorzugten "shutdown", dem "herunterfahren des öffentlichen lebens".

aber auch auch in den niederlanden und in großbritannien ist man inzwischen immer mehr auf das "shutdown" umgeschwenkt, denn die "herdenimmunisierung" fordert verhältnismäßig viele todesopfer bei solch unterschiedlich verteilten wechselnd prozesshaftem auftreten von infektions-hotspots - und gilt vielen internationalen virologen als "un-ethisch", weil es nicht prophylaktisch schützt, sondern wie beim russisch roulette: es drauf-ankommen-lässt.

ein später dann entwickelter immunisierender impfstoff gegen diese infektion mit dem derzeitig grassierenden #coronavirus ist dann ja nachträglich noch eine gezielte "herdenimmunisierung".

es gibt viel zu tun - aber wie lange müssen wir es noch abwarten? ...

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