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das kind im manne: jonathan meese



Militäricher Gruß und schwarze Trainingsjacke mit den 3 Streifen: 40 solcher Jacken soll Meese besitzen, sagt seine Mama
Die Diktatur der Kunst

Genie und Wahnsinn: Lübeck liefert sich Jonathan Meese aus

Von Andreas Schnadwinkel | WB


Lübeck. Wer Meese bestellt, bekommt Meese. Jonathan Meese hat sich mit dem Label »Enfant terrible« der deutschen Kunstszene abgefunden – und bedient den Ruf, der ihm vorauseilt, bereitwillig. Die Hansestadt Lübeck hat dem Provokateur ihre Kunsträume zur Verfügung gestellt. Ein gelungenes Experiment.

Jetzt, da er bald 50 wird, scheint Meese freundlicher und zugänglicher. In der Kunsthalle St. Annen eröffnet er seine Ausstellung mit militärischem Gruß, aber rennt eben nicht mehr im Stechschritt und mit Hitlergruß über die Bühne. Dafür hat er sich schon vor Gericht verantworten müssen und es in Kauf genommen. Denn: Auch in der Kunst ist Aufmerksamkeit eine der Währungen.

»Ich finde das ganz furchtbar, weil ich diese Zeit noch selbst erlebt habe«, sagt Mutter Brigitte Meese (89) und gesteht, dass sie mit ihrer Kritik nicht durchdringt: »Ich habe es aufgegeben, mit ihm darüber zu diskutieren, weil wir zu oft darüber gestritten haben.« Auch in Lübeck weicht sie nicht von seiner Seite – oder er nicht von ihrer. Im Berliner Haus ihres Sohnes, der dort mit seiner Freundin lebt, hat sie eine eigene Drei-Zimmer-Wohnung.

Da sind ein paar Pop-art-Künstler als Anleihe versammelt: zumindest Basquiat und die "StreetArt": Schriften und Slogans

Seit Februar stellt Meese in vier Lübecker Museen teilweise zeitgleich aus und macht die Stadt zum Gesamtkunstwerk. Das Projekt heißt »Dr. Zuhause: K.U.N.S.T (Erzliebe)« und bietet den bislang umfassendsten Überblick über das Schaffen Meeses. Es reicht von Malerei, Skulptur, Grafik und Fotografie über Film, Oper, Installation und Performance bis zu Gedichten und Texten.

Inszenierte Sperrmüll-Fundstücke als Installationen in der ehrwürdigen Kunsthalle St. Annen in Lübeck
Wer sich an die starke Ausstellung »Freundliche Übernahme – Künstler zeigen ihre Sammlung« im Herforder Marta (Juni bis Oktober 2014) erinnert, der muss Jonathan Meese für einen schrägen Typen halten, der in seiner Messie-Höhle mit lauter unnützem Zeug haust. Und das Zeug, das man schon im Marta betrachten konnte, steht jetzt zum Teil in Lübeck. Doch so chaotisch der im ehemaligen Kloster St. Annen hingestellte Tinnef auch wirken mag: Meese arbeitet sehr strukturiert.

Selbstbildnis mit 3-Streifen-Jacke
Die vier einzelnen Ausstellungen folgen einem klaren Konzept: Großmutter/Macht, Großvater/ Gold, Mutter/Evolution, Vater/Liebe. Und mit etwas Geduld bekommt man auch einen Eindruck davon, dass ausrangierte Schaufensterpuppen und kaputtes Spielzeug hier nicht wahllos im Raum stehen, sondern Meese die Gegenstände den Themen entsprechend bearbeitet hat.

So vielfältig sein Werk, so vielfältig die Einflüsse auf ihn. Da ist immer ganz viel Popkultur, die Meese in Anspielungen zitiert. In St. Annen nimmt der Science-Fiction-Fantasy-Film »Zardoz« einen gewissen Raum ein. Sean Connery im »Barbarella«-Outfit hat es Meese offensichtlich angetan.

Auch Inspirationen durch andere Künstler sind sichtbar: das Genialische von Joseph Beuys, der Graffiti-Stil von Jean-Michel Basquiat, die Nazizeit-Bezüge von Anselm Kiefer und der provokante Krawall von Schlingensief.
  • Die Ausstellungen »Großvater/Gold« (Günter-Grass-Haus, täglich 10 bis 17 Uhr) und »Mutter/Evolution« (Kunsthalle St. Annen, Dienstag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr) sind bis einschließlich 4. August zu sehen.
aus: WESTFALEN-BLATT, Montag, 8. Juli2019, S.21 Kultur/Fernsehen



Dieses Video ist hier nur zu Dokumentationszwecken hochgeladen worden. Inhaltlich distanziert sich der Blog-Inhaber aufs äußerste von soviel stuss und echtem blödsinn - der mit "Kunst - auch im weitesten Sinne" nichts aber auch gar nichts zu tun hat - aber das ist die Freiheit der Kunst ... _________________________________________


kunst kommt nicht immer können - wenn diese verbindung und dieser vergleich semantisch überhaupt jemals richtig war: meese inszeniert sich und sein lebenslanges, nun schon fast 50 jahre währendes etwas verzogenes kindsein inzwischen aber mit viel furore und aufmerksamkeit. wobei die erwähnung von meese im günter-grass-haus in lübeck für mich schon etwas von blasphemie hat ...

vor 3 jahren hatte sogar deutschlands heiliger gral, nämlich der wagner-hügel zu bayreuth, ihn doch tatsächlich zur inszenierung und künstlerischen ausstattung der festspiele eingeladen - ihm dann aber doch gekündigt wegen angeblich zu hoher kosten. aber wahrscheinlich wurden meeses ideen zu "parsifal" den bayreuthern doch zu einseitig und für das gehobene wagner-publikum dort zu spektakulär und unreif: in einem interview mit der "welt" sagt meese: "der held parsifal sollte natürlich die figur des künstlers werden, also jonathan meese. parsifal (bzw. meese also) vernichtet alle ideologien, alle menschenmacht, alle gottesmacht, alle ideologien. er führt die welt in eine neue zeit und verwirklicht die diktatur der kunst."

das ist das eigentliche credo der "kunst" von jonathan meese: die totale befreiung von allen zwängen, aber um dann diese anarchische kunstfreiheit der welt als "diktatur" überzustülpen: so wie das kind an der kasse vom supermarkt, das durch brüllen und schreien und trampeln endlich durchsetzt, den lutscher oder ein anderes leckerli zu bekommen, damit wieder ruhe ist...



nun mag kunst nicht so weit vom spiel entfernt sein, aber meese verwechselt beide begriffe für mich wenigstens permanent miteinander - und bringt sie gar als synonym zusammen: kunst jedoch bezeichnet im weitesten Sinne jede entwickelte(!) tätigkeit, die auf wissen, übung, wahrnehmung, vorstellung und intuition gegründet ist, so meint wikipedia und hat damit sicherlich nicht unrecht.

das spiel (von althochdeutsch: spil für „tanzbewegung“) ist dagegen eine tätigkeit, die zumeist im freizeitbereich zum reinen vergnügen, zur entspannung, allein aus freude an seiner ausübung ausgeführt wird. es ist eine beschäftigung, die oft als spielerische "auseinander"-setzung (!) in der begegnung mit anderen vorgenommen wird. ein großteil der kognitiven entwicklung und der entwicklung von motorischen fertigkeiten sowie sozialer kompetenz wird im kindesalter durch das notwendige spielen erworben. beim menschen ist das ebenso wie bei zahlreichen tierarten. das spiel ist zunächst absichtslos und hantiert - dann will es vielleicht ab irgendeiner entwicklungsstufe "gewinnen" im wettstreit mit anderen - denkt dabei aber nicht an materielle belohnungen, sondern "kämpft" um die "ehre": das hast du ganz toll gemacht - echt geil - super... 

und in diesen spielarten ist meiner meinung nach der liebe jonathan als verwöhntes muttersöhnchen sein bisheriges lebenlang verhaftet geblieben - und irgendwer, einer seiner galeristen oder gar er selbst, hat dann die idee gehabt, diesen andauernden spieltrieb als eine art echter kunst zu deklarieren und entsprechend dieses allgemeinen kunstmarkts auch pekuniär zu vermarkten.

dazu musste man natürlich bekannt werden - und klein-jonathan wählte dazu die schwarze adidas-jacke und die provokation und kokettiert mit dem alten goebbels-begriff "propaganda" und ab und zu mal einem "heil-hitler"-gruß, der ihm dann vor gericht auch die nötige aufmerksamkeit einbrachte.

ihn deshalb aber in die nähe eines anselm kiefer zu beordern schlägt schon dem fass den boden aus - oder ihn mit der intelligenten provokanz eines christoph schlingensief in einem atemzug zu nennen, das kann man nur als "kunstbanause" machen, denn dazwischen liegen welten, die eigentlich mühelos erspürbar und wahrnehmbar sind.

im nu kannte man jonathan mit seinen spleenigen krakeleien und gepinselten nonsens-thesen und seinen sperrmüll-varianten als "skulpturen". aber während zum beispiel der street-künstler banksy durch seine persönliche verleugnung und abstinenz ganz gezielt mit seiner schablonen-kunst an mauern furore macht und die marktgesetze der auktionshäuser und der sammler damit auch ad absurdum führen will - wo kunstwerke ja nur noch als eine art wechselwährung und zinsenbringer herhalten müssen, oder wo joseph beuys - wenn auch ziemlich verschwurbelt und mit viel hau - echte substanz lieferte - hechelt meese trotz aller "freiheitsbeteuerungen" genau in die monetäre ecke und nutzt jede gelegenheit für seine publicity und die steigerung seines marktwertes - durch offensichtliches overprotection irgendwelcher galerien, die sich gern diesen kanarienvogel halten, und durch substanzloses herumgetöse und mit seiner fast 90-jährigen mama im schlepptau und eben dem hang zum rechten parolen-gegröle als markenzeichen: und so ist beiden (zunächst ja) geholfen - und sie schlagen sich so durch - gewusst wie ...

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